Mensch oder Maschine?: #DigiMinds-Debatte über Zukunft der Innovation

Wolf Lotter | Foto: Henrik Andree
Wolf Lotter | Foto: Henrik Andree
Veröffentlicht am 14.03.2019

Foto: Henrik Andree
Welche Rolle wird in der digitalen Welt künftig der Mensch einnehmen, wenn Maschinen und Algorithmen immer mehr Aufgaben in Unternehmen und Alltag übernehmen können? Sind Kreativität und Innovation rein menschliche Stärken, die uns kein Algorithmus streitig machen kann? Oder werden Maschinen – dank moderner Datenanalysen – eines Tages auch in diesen Bereich überlegen sein? Um über das Thema „Wie entsteht Innovation?“ zu diskutieren, hatte das Telefónica BASECAMP am Dienstag zwei prominente Buchautoren und Journalisten in der Veranstaltungsreihe Digital Masterminds (Hashtag: #DigiMinds) zu Gast.

Künftig werden die Unternehmen „am innovativsten sein, die über die meisten Daten verfügen“, sagte der Buchautor und Journalist Thomas Ramge, Technologie-Korrespondent beim Wirtschaftsmagazin brand eins. Am Beispiel der Entwicklung autonom fahrender Autos zeigte er auf, dass Daten schon heute die wichtigste Quelle für die Weiterentwicklung neuer Technologien sind.

Thomas Ramge | Foto: Henrik Andree

So sammelt ein Google-Auto im Testeinsatz in den USA pro Sekunde mehr als 100 Millionen Datenpunkte – deutlich mehr als alle Konkurrenten. Durch diesen riesigen Vorsprung an Daten, der mit Hilfe von Algorithmen ausgewertet wird, sei es dem Unternehmen gelungen, die technologische Führerschaft beim autonomen Fahren einzunehmen, erklärte Ramge im gut besuchten Telefónica BASECAMP.

KI: Quelle der Innovation oder „bessere Lochstreifen“?

Seine These: Disruptive Innovation wird künftig vor allem dadurch entstehen, indem Maschinen riesige Datenmengen auswerten und „inkrementell dazulernen“. Ein Verfahren, das bei der sogenannten künstlichen Intelligenz (KI) angewendet wird. Nicht der Mensch bringe dem Computer etwas bei, erklärt Ramge. Stattdessen schaffe er nur eine „Umgebung, in der der Computer möglichst gut lernen kann.

Wolf Lotter, Thomas Ramge und Markus Oliver Göbel | Foto: Henrik Andree

Ganz anders sah das Wolf Lotter, Autor des Buches „Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken“, und einer der Vordenker der Digitalisierung. Für ihn ist vieles von dem, was heute als künstliche Intelligenz beschrieben wird, nur reproduziertes menschliches Denken oder ein „besser Lochstreifen“ – weit entfernt von Kreativität oder echter Innovation. Trotz allem technischen Fortschritt würden eine Maschinen – im Sinne von wirklicher Kreativität„nie den Menschen ersetzen“, betonte der Mitbegründer und Essayist von brand eins. Statt von künstlicher Intelligenz sprach er deshalb lieber von Automatisierung.

Welche Rolle spielt der Mensch in einer automatisierten Welt?

Trotzdem werden Algorithmen und Maschinen auch nach Lotters Ansicht künftig viele der heute von Menschen ausgeführten Jobs ersetzen – vor allem einfache Routineaufgaben und im Bereich Bürokratie. Für Lotter sind deshalb die gesellschaftlichen Fragen bei der fortschreitenden Digitalisierung am drängendsten.

Wolf Lotter | Foto: Henrik Andree

Was machen wir Menschen mit der ganzen Zeit“, wenn für Produktion und Administration immer weniger menschliche Arbeitskräfte benötigt werden? Dabei möchte Lotter nicht als Technologie-Pessimist missverstanden werden. „Unser Leben wird (durch die Digitalisierung) immer besser“, betonte Lotter. Wichtig sei jedoch, dass der Mensch und die Gesellschaft diese Entwicklung in ihrem Sinne gestalten. Es dürfe nicht sein, dass die Menschen am Ende nur noch „Konsumenten“ seien.

Kontrollieren „Superstar“-Firmen bald die Innovation?

Zustimmung bekam er dabei von Thomas Ramge, der eine bedenkliche Marktkonzentration bei großen amerikanischen und chinesischen Internetkonzernen sieht. Diese „Superstar“-Firmen würden über so viele und gute Daten verfügen, dass junge Unternehmen und Wettbewerber bei der Entwicklung neuer Innovationen kaum noch eine Chance hätten, so Ramge. Eine Lösung könnte nach seiner Ansicht eine Daten-Sharing-Pflicht für marktbeherrschende Digital-Konzerne sein, wie sie von Teilen der SPD bereits gefordert wird.

Auch bei den Beiträgen aus dem Publikum zeigte sich, dass das Thema künstliche Intelligenz kontrovers diskutiert wird. Breite Zustimmung gab es jedoch auf eine Frage, die ein Teilnehmer aus dem Publikum gegen Ende in den Raum stellte: Wie innovativ ist die Menschheit eigentlich angesichts globaler Probleme wie Klimawandel und Fluchtbewegungen? Bislang haben weder Mensch noch Maschine darauf eine Antwort gefunden.

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