Mobilfunk der Zukunft: Die Bedeutung von Open RAN

Grafik: Telefónica
Grafik: O2 Telefónica
Veröffentlicht am 17.11.2021

Der Mobilfunk als zentraler Baustein unserer heutigen Telekommunikation beruht bisher auf geschlossenen und herstellergebundenen Funkzugangsnetzen. Diese Radio-Access-Networks (RAN) sollen in Zukunft allerdings offener und flexibler werden – unter anderem um die Digitalisierung voranzutreiben. Mithilfe eines neu gegründeten Open RAN Lab wird die Entwicklung und Erforschung dieses Ansatzes nun von wichtigen Akteuren weiter forciert. Wir erklären euch, was dahintersteckt.

Vor einer Woche verkündete das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Förderung von verschiedenen Projekten, die an softwaregesteuerten Netztechnologien arbeiten. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Entwicklung und Erprobung von Open RAN, was in den kommenden Jahren mit insgesamt 300 Millionen Euro gefördert werden soll. Eines der Projekte ist das Open Lab „i14y“, das von einem Konsortium betrieben wird, dem neben Telefónica Deutschland weitere wichtige Telekommunikationsanbieter, Forschungseinrichtungen und Mobilfunkhersteller angehören.

Mit dem i14y-Lab zum offenen Mobilfunknetz

Mit der Einrichtung des i14y-Lab wird eine offene Plattform geschaffen, auf der die beteiligten Akteure sich vernetzen und gemeinsam an neuen technischen Entwicklungen arbeiten können. Der Fokus der Zusammenarbeit liegt dabei zunächst auf der Entwicklung von Open RAN – ein Ansatz, bei dem durch die Trennung von Hardware und Software und unter Einsatz offener Schnittstellen ein offenes, flexibles und programmierbares Funkzugangsnetz geschaffen werden soll. Zu den Kernaufgaben des Labors werden deshalb vor allem Interoperabilitäts- und Integrationstests gehören, damit künftig die Kom­ponenten verschie­dener Ausrüster mitein­ander kombi­niert werden können. Das i14y-Lab soll so dazu beitragen, dass die neue Technik schneller marktreif wird.

Warum ist Open RAN so erstrebenswert?

Die Gründe hinter diesen Bestrebungen, möglichst schnell Open RAN zu etablieren, sind vielfältig. Ein zentraler Aspekt: Die Digitalisierung und die zunehmenden Datenmengen erfordern immer flexiblere und leistungsfähigere Netze. So würde Open RAN als Teil der Netz-Disaggregation die Einführung vieler neuer Funktionen für 5G-Netze ermöglichen und Innovationen verschiedener Hersteller und neuer Marktteilnehmer vorantreiben, darunter Algorithmen für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, mit denen sich das Netz automatisch optimieren ließe, oder die Errichtung von 5G-Campusnetzen aufgrund des hohen Individualisierungsgrads der offenen Netzarchitektur

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Foto: Pixabay User geralt | CC0 1.0 | Montage

Es ist sogar denkbar, dass der nächste Mobilfunkstandard „6G“ mithilfe der virtualisierten, auf einer Server Architektur basierenden Technik auf bestehenden Open RAN Standorten durch ein simples Softwareupdate eingeführt werden kann, ohne den umfassenden Austausch oder Neuaufbau der Hardware in den Basisstationen. Darüber hinaus soll auch im Rahmen der Open-RAN-Architektur auch der sogenannte Single-RAN-Ansatz realisiert werden, bei dem verschiedene Mobilfunkstandards (insbesondere 4G und 5G) mit einem Modul abgedeckt werden können, wodurch der kostenintensive und aufwendige Betrieb paralleler Strukturen zukünftig vermieden würde. Die Netzbetreiber könnten mit Open RAN also insgesamt mehr Flexibilität beim Aufbau und Betrieb ihrer Netze erreichen und auch Zeit und Kosten sparen.

Mehr Souveränität, Wettbewerb und Anbietervielfalt

Zudem sollen die Netzbetreiber durch offene Funkzugangsnetze unabhängiger von einzelnen Hardwarelieferanten werden. Stattdessen wird die Entwicklung eines herstellerneutralen Netzes auf der Grundlage offener Schnittstellen angestrebt. Dies soll mittel- bis langfristig zu mehr Wettbewerb und Anbietervielfalt auf dem Telekommunikationsmarkt beitragen. Die offenen und standardisierten Schnittstellen könnten so ein robustes und aktives Telekommunikations-Ökosystem befördern, das wiederum für die Entwicklung neuer Anwendungen mit starker Netzleistung und hoher Sicherheit sorgt.

Open-RAN bietet einen herstellerneutralen und flexiblen Ansatz für den Aufbau der Mobilfunknetze.

Angesichts all dieser möglichen Vorteile von Open RAN verwundert es nicht, dass die EU-Kommission offene Funkzugangsnetze in einer im August 2021 veröffentlichten Studie als einen potenziellen „game-changer“ für den europäischen Mobilfunkmarkt und sein 5G-Ökosystem bezeichnet hat. Vorausgesetzt natürlich, dass die technische Umsetzung des Ansatzes tatsächlich gelingt. Das Bundesverkehrsministerium und die am Open RAN Lab beteiligten Akteure sind jedenfalls optimistisch, dass in den nächsten drei Jahren entscheidende Fortschritte erreicht werden können. Denn spätestens mit der zunehmenden Ablösung der älteren Mobilfunkstandards durch 4G und 5G sowie einem breiteren Technologieangebot wird Open RAN auch für die bestehenden Mobilfunknetze noch relevanter werden.

Mehr Informationen:

Mobilfunk einfach erklärt: Die Vorteile der Open-RAN-Architektur

 

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