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Credits: foldAI
Artikel

5G verstehen:
Dieses Start-up digitalisiert Ökosysteme – und will damit dem Klimawandel entgegentreten

08

Apr
2020

Veröffentlicht am 08.04.2020

Foto: Hendrik Andree / foldAI
Wie verändert sich unsere Lebenswelt durch 5G und die damit entstehenden digitalen Möglichkeiten? Damit es für die Antwort auf diese Frage nicht nur bei Zukunftsvisionen bleibt, stellen wir Ihnen in unserer Artikel-Reihe „5G verstehen: Zukünftige Anwendungen aus der Praxis“ spannende Digital-Start-ups, technische Innovationen und Vordenker vor, die unseren Alltag in den kommenden Jahren prägen werden.

Das Start-up foldAI, das von Wayra, dem Start-up-Accelerator der Telefónica Deutschland gefördert wird, stellt intelligente Sensoren her, die die Lebensqualität an verschiedenen Orten messen sollen. Nachdem sie bei der Eröffnung des 5G Campus im BASECAMP ihren spannenden Showcase präsentierten, haben wir einen der Gründer, Friedrich Förstner, gefragt, wie sein Unternehmen Lebensräume und Städteplanung verändern wird, warum er dafür 5G benötigt und was das alles mit Nachhaltigkeit zu tun hat.

Friedrich Förstner und Giovanni Carmantini || Credits: foldAI

Herr Förstner, was genau macht foldAI?

Die meisten Leute, die heute an Computer denken, haben an einen viereckigen Bildschirm vor Augen, der vor ihnen steht, vielleicht noch ein Telefon oder Tablet. Computer werden aber viel ambivalenter. Sie wirken in alle Lebensbereiche hinein und erfassen, was wir tun. Das geschieht durch Sensorik. Mit Sensorik können Computer verstehen, in welchem Zustand wir uns befinden und können besser auf uns eingehen. Wir müssen weniger tippen, weniger sagen, die Computer verstehen selbst, was gerade passiert, und können mit uns auf eine viel intelligentere Art und Weise interagieren. Das wird zum einen durch Sensorik möglich gemacht, zum anderen durch Robotik.

Bei foldAI liegt unser Schwerpunkt auf der Sensorik – auf dem Verstehen unserer Welt. Wir sind Experten in Sensorik und für kleine, intelligente Geräte. Warum das wichtig ist, wird deutlich, wenn wir uns zum Beispiel das Thema Smart Home ansehen: Man kann nicht in jeden Türknauf einen riesigen Computer einbauen. Solche Geräte müssen stattdessen klein sein, energiesparend arbeiten und eine eigene Intelligenz mitbringen. foldAI baut solche Geräte.

foldAI stellt also intelligente Sensoren her. In welchem Bereich werden die eingesetzt?

Was uns speziell interessiert, sind natürliche Ökosysteme. Ökosysteme sind eines der kompliziertesten und vielseitigsten Elemente unserer Welt. In einer Fabrik herrscht eine kontrollierte Umgebung. In einem biologischen Ökosystem hingegen gibt es Tiere, Pflanzen, Pilze und andere Lebewesen, die Temperatur, die sich unterschiedlich auswirkt, das Klima und viele Wechselbeziehungen.

Uns geht es darum, den Wert der Ökosysteme für uns Menschen wieder in den Vordergrund zu stellen. Man spricht hier von Ökosystem-Dienstleistungen. Ein Baum zum Beispiel speichert CO2 aus der Luft und stellt damit seine eigene Materie her, die wir als Rohstoff nutzen, er reguliert den Wasserkreislauf und reinigt die Luft. So hat er für uns einen großen Erholungswert.

Das Gleiche passiert auch in der Stadt: Ein Baum ist eine der smartesten urbanen Infrastrukturen, die wir haben. Er kann sich anpassen, während ein Großteil der anderen Infrastruktur relativ statisch ist. Ein Baum generiert einen wahnsinnigen Wert: Er schafft Schatten, senkt die lokale Temperatur, verbessert die Luft und sieht schön aus. Er bringt sein Ökosystem mit sich. Er zieht CO2 aus der Luft, er reinigt und kühlt. Eine Stadt im Hochsommer bedeutet Stress für den menschlichen Körper – Bäume helfen dabei, für unseren Körper unangenehme Temperaturen zu reduzieren.

Das war auch unser Showcase bei der Eröffnung des 5G Campus im BASECAMP: Wir wollte zeigen, wie Vegetationszonen, Bäume und Grünflächen dazu beitragen können, das Klima einer Stadt zu verbessern. Und nicht nur das: Wir wollen den Städteplanern ein intelligentes Tool in die Hand geben, um solche Grünflächen besser in urbane Räume zu integrieren.

Wie genau kommen die Sensoren dabei zum Einsatz? Stattet foldAI Bäume mit Sensoren aus, um zu messen, wie diese Bäume das Klima verbessern?

Das stimmt. Im Wald befestigen wir die Sensoren direkt an den Bäumen. In Städten statten wir existierende Infrastruktur mit den Sensoren aus, zum Beispiel an Bushaltestellen oder anderer Infrastruktur – immer dort, wo man messen möchte, wie die aktuelle Lebensqualität ist. Dazu gehören vielfältige Faktoren, etwa das Licht – denn unser Körper reagiert sehr stark auf unterschiedliche Frequenzen von Licht. Das möchte man quantifizieren. Darüber hinaus können andere Faktoren erfasst werden wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Lautstärke, und deren Veränderung über den Tag hinweg.

Sensor || Credits: foldAI

Es geht nicht darum, einzelne Sensoren zu platzieren, sondern wir stellen uns vor, in Zukunft tausende oder Millionen dieser Sensoren in der Stadt zu verteilen, um ein differenziertes Bild über Problemzonen einer Stadt zu erhalten.

Welche Rolle wird das künftig bei der Stadtplanung spielen?

Dieser Job wird sich sehr stark verändern. In Zukunft wird der Stadtplaner nicht mehr am Schreibtisch sitzen, sondern mit der Augmented-Reality-Brille in Quartiere hineingehen, in die unsere Sensoren integriert sind, und somit sehen, wie etwa Klimaprozesse oder Lärmemissionen über den Tag hinweg verlaufen. Man sieht beispielsweise, wo Lautstärke-Peaks sind und kann simulieren, was sich daran verändert, wenn zwei Lärchen an die Straße gepflanzt würden. So wird uns ermöglicht, die Städtenutzung neu zu denken.

Warum ist dafür der neue Mobilfunkstandard 5G nötig?

Der Vorteil, den wir in 5G sehen, ist zum einen die Möglichkeit, die gesammelten Klimadaten vor Ort und mit hoher Geschwindigkeit in unseren Sensoren zusammenzufügen und zu verarbeiten. Zum anderen hat 5G einen Low Power Vorteil. Unsere Sensoren kann man nicht alle 5 Jahre austauschen, sie müssen autark in der Infrastruktur sitzen und mit wenig Strom funktionieren. Damit das gelingt, brauchen wir NB-IoT, einen Funktechnologiestandard, mit dem Daten energiesparend übertragen werden können. Mit 5G wird dieser weitflächiger ausgerollt und fest in unsere Netze integriert werden. Derzeit ist die Übertragungstechnik noch die stromintensivste und damit teuerste Funktion unserer Sensoren. Die Low Power-Kommunikationstechnologie, die mit NB-IoT im 5G-Standard etabliert werden soll, ist für uns also sehr interessant.

Mit intelligenten Sensoren ausgestattete Lebensräume: Welche Vorteile wird das in Zukunft für uns Menschen haben?

Wir werden intelligentere Umgebung haben. Gerade, wenn man an Megacities denkt, in denen wir die Lebensqualität erhöhen möchten, werden diese intelligenten Umgebungen einen großen Impact haben. Viele Dinge werden sich Dank der Sensorik komplett verändern. Wir werden genau wissen, ob wir jetzt in den Bus einsteigen oder den nächsten nehmen sollten, weil wir die Auslastung genau kennen. Wir werden wissen, wo es in der Stadt zu heiß ist und wo zu viele Menschen sind.

Und das ist es, warum 5G für uns wichtig ist: Wir werden nicht nur einzelne Daten haben, sondern viel mehr Information, intelligent vor Ort integriert. Unser Alltag wird sich da sehr stark verändern.

Zu guter Letzt: Wie macht foldAI die Welt zu einem besseren Ort?

Der Klimawandel hat dazu geführt, dass wir wieder etwas besser verstehen, dass wir unsere Ökosysteme brauchen, denn wir sind ein Teil davon. Außer Böden, Wälder, Moore oder Ozeane haben wir nicht viel, um CO2 zu kompensieren. Es wird viel geforscht, um das künstlich zu tun, aber die Ökosysteme sind das effizienteste, was wir dafür haben. Und dabei geht es natürlich nicht nur um CO2, sondern um viele Dinge, die Wälder und Bäume für uns tun. Ich glaube, dass unsere Firma das wieder in den Mittelpunkt stellen wird.

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Über den Autor

Franziska unterstützte das BASECAMP Team bis Oktober 2020 in den Bereichen Redaktion, PR und Event.