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Valentina Daiber | Foto: Telefónica Deutschland
Artikel

Digitalisierung und Klimaschutz: „Das Thema Nachhaltigkeit ist Teil unserer DNA“

17

Okt
2019

Veröffentlicht am 17.10.2019

Foto: Telefónica Deutschland

In ein paar Jahren könnten digitale Technologien mehr Emissionen verursachen als Flug- und Autoverkehr zusammen. Wie können wir aktiv dagegen steuern und die Digitalisierung sogar als Nachhaltigkeits-Treiber nutzen? Valentina Daiber, Vorstand Recht und Corporate Affairs Telefónica Deutschland, liefert im Gespräch mit Natascha Zeljko, Chefredakteurin des Magazins Female One Zero, überraschende Zahlen und interessante Insights.
Weitere spannende Fakten zu diesem Thema bald auch live auf der Bühne des BASECAMPS
– bei den Data Debates #14, am 24. Oktober.

Alle reden vom Fliegen, dabei verursachen auch ganz normale und harmlos scheinende Alltagsaktivitäten wie Netflixschauen relativ hohe Emissionen. Mir war das in dieser Tragweite ehrlich gesagt nicht bewusst.
Das geht vielen Leuten so, was sicherlich damit zu tun hat, dass das ein relativ neues Thema ist. Wir haben in den letzten Jahren eine Explosion der digitalen Nutzung erlebt. Und das schlägt sich eben in den Zahlen nieder. Alle digitalen Technologien zusammengenommen sind für 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Zum Vergleich: Auf den Luftverkehr entfielen 2018 zwei Prozent der Emissionen. Es gibt Studien, die antizipieren, dass das bis 2025 sogar auf mehr als acht Prozent steigen könnte. Und das übersteigt dann sogar den Anteil, den Autos und Motorräder haben.

Valentina Daiber und Natascha Zeljko (v.l.n.r.), Chefredakteurin des Magazins Female One Zero, sprechen im Münchner O2 Tower über das Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. | Foto: Telefónica

Warum unterschätzt man das so chronisch?
Man muss alles einkalkulieren, nicht nur die reine Nutzung. Um noch mal auf das Beispiel Netflix zurückzukommen. Eine Stunde Streamen entspricht der Energiebilanz einer vier Kilometer langen Fahrt mit dem Elektroauto. Da fließt aber nicht nur das Streamen an sich mit ein, sondern auch die Herstellung des Endgeräts, der Energieverbrauch für die Serverleistungen, die Speicherung, die Auslieferung der Daten. Das ist ein Riesen-Komplex. Den meisten Menschen ist es überhaupt nicht bewusst, dass die Digitalbranche auch ein großer Energiefresser ist, um es mal salopp zu sagen. Die gesamte Netzinfrastruktur in Deutschland verschlingt im Jahr etwa 55 Terawattstunden. Eine unvorstellbar große Zahl. Wir wollen auf dieses Thema aufmerksam machen und die Leute dafür sensibilisieren. Wenn wir über die positiven Effekte der Digitalisierung sprechen – die meiner Ansicht nach klar überwiegen – muss man auch über die Schattenseiten reden. Das gehört zu einem differenzierten Bild dazu.

Was treibt euch als Unternehmen an, dieses Thema engagiert voranzutreiben?
Für uns gehört es zum Selbstverständnis, das Thema Nachhaltigkeit in der DNA des Unternehmens zu verankern. Das lässt sich auch an den Unternehmenszielen ablesen. Unser Responsible Businessplan beinhaltet, dass wir uns entlang der Wertschöpfungskette über alle Bereiche hinweg Nachhaltigkeitsziele setzen. Wir finden, als verantwortungsvolles Unternehmen muss man sich Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen die Geschäftstätigkeit auf Menschen und Umwelt hat. Gerade das Thema Umwelt begleitet uns schon länger. Unser spanischer Mutterkonzern hat sich bereits vor einigen Jahren eindeutig zum Klimaschutz bekannt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Eine der neuesten Initiativen ist beispielsweise das Bündnis „Business Ambition for 1.5° C“, bei dem wir uns gemeinsam mit den Vereinten Nationen zum Ziel gesetzt haben, das Klima zu schützen. Nachhaltigkeit ist also nicht nur bei Telefónica Deutschland, sondern auch in dem globalen Selbstverständnis verankert.

Corporate Digital Responsibility ist wesentlicher Bestandteil der Geschäftstätigkeit von Telefónica Deutschland und bereits seit 2015 in unserem Responsible Business Plan 2020 – unserem zentralen CR-Steuerungstool – verankert.

An welchen Punkten setzt Telefónica konkret an?
Wir sind zum Beispiel komplett auf erneuerbare Energien umgestiegen und nutzen seit 2016 grünen Strom. Und es geht um Ressourcen, weil Klima schützen heißt Ressourcen schonen. Wir haben seit 2000 ein Recycling-Programm für Altgeräte. 2018 haben wir auf diese Weise 58.374 alte Handys eingesammelt, 57.015 davon wurden fachgerecht entsorgt, 1.359 wurden aufbereitet und haben ein zweites Leben angetreten. Ich finde, das sind beeindruckende Zahlen. Es zeigt auch, dass es den Menschen ein Anliegen ist. Ein zweiter Punkt ist die Plastik-Reduktion. Wir haben den SIM-Karten-Träger auf ein Minimum verkleinert und dadurch 17 Tonnen Plastikmüll eingespart. Alles kleine Maßnahmen, die am Ende trotzdem einen großen Hebel haben. Als zweite Säule kommt hinzu, dass wir auch unseren eigenen Energieverbrauch reduzieren möchten. Wir nutzen zum Beispiel die so genannte „Smart Meter Technologie“. Das heißt, die Mobilfunkstationen sind mit intelligenter Technik ausgestattet, sie kommunizieren miteinander. Das hat natürlich auch positive Effekte auf unser Netzwerk-Management, die Energie kann effizienter genutzt und der Verbrauch entsprechend gesenkt werden…

…was wiederum ein gutes Beispiel dafür ist, wie sich Energie durch Digitalisierung einsparen lässt.
Exakt. Deshalb ist für uns Data Analytics so wichtig. Und dass es auch junge Frauen sind, die bei uns in diesem Bereich arbeiten, freut mich besonders. Wenn man die Schule abschließt, sagt man ja nicht: Ich möchte Data Scientist werden. Das ist kein Berufsbild, das man unbedingt im Kopf hat. Deshalb ist es unheimlich wichtig, darüber zu reden. Und ich glaube, dass es gerade Frauen besonders inspirieren kann, wenn sie einen gesellschaftlichen Nutzen sehen. Es ist ja immer schön, wenn man einen Job hat, bei dem man etwas bewirken kann. Und durch die Auswertung großer Datenmengen können beispielsweise der Verkehr optimal geregelt und Staus vermieden werden.

Wenn man jetzt den Blick mal nach innen richtet, ins Unternehmen. Was haben Sie da verändert?
Unser Hochhaus ist an eine Gebäude-Leittechnik angeschlossen, mit der die Licht-Systeme gesteuert werden, so dass die Lichter nicht unnötig brennen. Außerdem haben wir Desk Sharing eingeführt. Wir konnten dadurch einen zusätzlichen Standort auflösen und alle Mitarbeiter im Tower unterbringen, was dazu geführt hat, dass wir 2018 mehr als 6.300 Megawattstunden Energie eingespart haben. Auch die Parkplätze werden geshared und per App gebucht. Das schont Ressourcen, weil der Raum genutzt wird und kaum Leerstand herrscht. Am Anfang war es natürlich eine Umstellung, keinen festen Arbeitsplatz mehr zu haben und seine Sachen nicht überall stehen lassen zu können. Letztlich hat sich aber gezeigt, dass es positive Auswirkungen auf das Teambuilding hat – schon allein dadurch, dass man jeden Tag neben einem anderen Kollegen sitzt, sich besser kennenlernt und austauscht.

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Zentrale von Telefónica Deutschland in München | Foto: Telefónica

Wie nimmt man die Leute mit, wie überzeugt man sie von solchen Konzepten?
Wenn wir die letzten Jahre zurückschauen, hat sich der gesellschaftliche Anspruch verändert. Von einem Unternehmen in unserer Größenordnung wird ein entsprechendes Engagement erwartet – übrigens auch von Investoren. Es gibt ja zunehmend ethisch nachhaltige Fonds, wir sind an der Börse gelistet und haben natürlich ein Interesse daran, auch von dieser Investorengruppe gesehen und geschätzt zu werden. Gleichzeitig wirkt das Ganze auch in Richtung Mitarbeiter. Wir glauben daran – und das ist auch das Feedback, das wir bekommen –, dass all diese Aktivitäten geeignet sind, die Motivation, den Stolz auf das Unternehmen, zu vergrößern und dadurch die Menschen stärker an das Unternehmen zu binden. Und auch junge Mitarbeiter zu finden, für die dieses Thema immer wichtiger wird. Das sieht man schon daran, wie viele bei Fridays for Future auf die Straße gehen. Wenn wir perspektivisch junge Leute gewinnen wollen, dann ist das sicherlich ein Faktor, der das begünstigt. Es ist jetzt nicht rundum selbstlos, sondern hat durchaus auch Faktoren von wirtschaftlicher Relevanz.

Das hat sich rasant gedreht. Noch vor ein paar Jahren galt die junge Generation als unpolitisch und träge.
Ja, ich finde diese Entwicklung super spannend. Wir haben lange Jahre mit der „Deutschen Kinder- und Jugendstiftung“ im Rahmen des „Think Big“-Programms zusammengearbeitet. Noch 2010 hieß es da: Junge Menschen interessierten sich wenig für Politik und für gesellschaftlich relevante Themen. Sie seien lethargisch und müssten aus dieser Lethargie herausgeholt werden. Ich glaube, das würde man heute nicht mehr sagen.

Wir haben viel über die Verantwortung von Unternehmen gesprochen. Was kann denn jeder Einzelne tun?
Ich finde, es geht darum sein Verhalten kritisch zu überprüfen. Und bewusste Entscheidungen zu treffen. Fliege ich, nehme ich den Zug? Im Unternehmen kann man durch kleine Mittel, die ich schon genannt habe, relativ viel bewegen. Das beste Beispiel ist ein gut funktionierendes Video-Conferencing-System, um Reisen zu reduzieren. Man kann also Anreize schaffen. Und man muss sich was einfallen lassen. Deshalb, letztes Beispiel: Wir haben die Drucker-Technik umgestellt und Geräte installiert, die nicht sofort ausdrucken, sondern den Druck-Auftrag speichern. Da muss man noch einmal hingehen und mit einer Karte den Druck-Auftrag endgültig auslösen. Was ist passiert? Der Papierverbrauch wurde um fast ein Viertel reduziert. So haben wie beispielweise allein im vergangenen Jahr 24 Tonnen Papier eingespart.

Data Debate #14 in Berlin

Am 24. Oktober 2019 findet im BASECAMP von Telefónica die Data Debate #14 statt.
Thema: Klimakiller oder Klimaretter – Wie nachhaltig ist die Digitalisierung?
Darüber diskutieren unter anderem:

  • Valentina Daiber, Vorstand Recht und Corporate Affairs, Telefónica Deutschland
  • David Nelles, Buchautor von Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel
  • Linus Steinmetz, Sprecher und Aktivist, Fridays for Future
  • Martin Wimmer, Chief Digital Officer, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
  • Moderation: Jakob Schlandt, Redaktionsleiter Tagesspiegel Background, Energie & Klima


Beginn: 19 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)
Ort: BASECAMP, Mittelstraße 51-53, 10117 Berlin

Den Livestream der Veranstaltung finden Sie am 24. Oktober 2019 auf basecamp.digital

Anmeldung

Zu der Anmeldung geht es hier. Die Tagesspiegel Data Debates finden regelmäßig im BASECAMP statt und diskutieren die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft. Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Kultur debattieren über das Potential des Datenschatzes und die Anforderungen an den Datenschutz. Telefónica Deutschland unterstützt die Debattenreihe als Initiator und Partner.

Wir weisen darauf hin, dass bei unseren öffentlichen Veranstaltungen auch Bild- und Tonmaterial in Form von Fotos oder Videoaufzeichnungen durch von uns beauftragte oder akkreditierte Personen und Dienstleister erstellt wird. Die Aufnahmen werden für die Event-Dokumentation und Event-Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen des BASECAMP genutzt. Sie haben das Recht auf Information und weitere Betroffenenrechte. Informationen zu unseren Datenverarbeitungen sowie Ihren Betroffenenrechten finden Sie hier.

Über den Autor

Fiene unterstützt das Telefónica BASECAMP Team in den Bereichen Redaktion, PR und Event. Nach ihrem Abschluss im Studiengang „Journalismus & Unternehmenskommunikation“ absolviert sie derzeit ihren Master der „Digitalen Medien und Kommunikationskulturen“ an der Technischen Universität Chemnitz.