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Die Corona-Krise zeigt, wo es klemmt. Wo müssen wir bei der Digitalisierung nachbessern? | Foto: Henrik Andree
Artikel

UdL Digital Talk Video:
Digital-Staatsministerin Dorothee Bär und Miriam Wohlfarth

05

Jan
2021

Veröffentlicht am 05.01.2021

Foto: Henrik Andree
Ein dreiviertel Jahr vor der Bundestagswahl zogen beim UdL Digital Talk zwei Expertinnen ein Resümee der Digitalisierung in Deutschland. Moderiert von Cherno Jobatey kamen Digital-Staatsministerin Dorothee Bär und die erfolgreiche Fintech-Gründerin Miriam Wohlfarth Ende Dezember im Berliner Basecamp ins Gespräch. Zwar ohne das sonst zahlreiche Publikum, doch die Kamera konnte eine angeregte Diskussion einfangen, die hier nun veröffentlicht wird.

Flexibles Arbeiten ohne Recht auf Homeoffice

Erstes Thema waren die Erfahrungen aus dem ersten COVID-Lockdown. Die digitalpolitische Vorreiterin Dorothee Bär machte mit ihren drei schulpflichtigen Kindern aus ihrer Sicht die gleichen Erfahrungen wie alle Eltern in einer solchen Situation. Die Unternehmerin Miriam Wohlfarth berichtete, wie ihr Unternehmen innerhalb von drei Tagen auf 100 Prozent Homeoffice umgestellt wurde. Ein gesetzlich garantiertes Recht auf Homeoffice lehnte die Digital-Staatsministerin allerdings ab, denn flexibleres Arbeiten sei wichtig, aber unabhängig von staatlichen Regelungen möglich.

Die Corona-Krise zeigt, wo es klemmt. Wo müssen wir bei der Digitalisierung nachbessern? | Foto: Henrik Andree

Nervt der Föderalismus?

Zum Thema Föderalismus gingen die Meinungen dann auseinander. Miriam Wohlfahrt bekannte ganz offen: „mich nervt der Föderalismus“, besonders im Bildungsbereich. Denn aus ihrer Sicht ist die Bildung längst nicht mehr zeitgemäß, ihre Tochter lerne im Wesentlichen das gleiche wie sie selbst vor 30 Jahren. Die Bundespolitikerin Bär wollte nicht in dieselbe Kerbe hauen. Auch sie wünscht sich mehr Dynamik für die digitale Gesellschaft, hält aber den Föderalismus nicht per se für schlecht. Sicher sei eine Entrümpelung von Lehrplänen wichtig, besonders notwendig erscheint ihr dabei, zu überprüfen, ob das vorhandene Geld an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Aus Sicht von Dorothee Bär sind im politischen Prozess Befindlichkeiten das Haupthemmnis neben Bedenkenträgertum. Ihr Wunsch lautet dementsprechend: es solle nicht jeder denken, er sei der Mittelpunkt der Welt.
Konkret kritisierte die Digitalstaatsministerin beim Föderalismus die Aufteilung der Kompetenzen auf 16 Datenschutzbeauftragte. Sie forderte eine Bündelung von Zuständigkeiten nach Themen, wie zum Beispiel Bildung, deutschlandweit bei einem Datenschutzbeauftragten. Grundsätzlich sollten Kultusministerien nicht nur sagen, was nicht geht, sondern welche digitalen Tools für bessere Bildung eingesetzt werden können.

5G-Dialog

Abschließend widmete sich das Gespräch der kritischen Ablehnung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Staatsministerin Bär sieht darin kein grundsätzliches Misstrauen gegen die neue Technik. Aus ihrer Sicht drückt sich darin eher eine generelle Angst vor der Zukunft aus. Ihr ist es jedoch wichtig, die Bedenken ernst zu nehmen. Deshalb habe die Bundesregierung ihren 5G-Dialog ins Leben gerufen. Denn sie erhalte tatsächlich mehr Postkarten „Stoppt den 5G-Ausbau!“ als Beschwerden über Funklöcher. Deshalb sei ein faktenbasierter Dialog wichtig. Insgesamt seien wir als Nation nicht wagemutig, aber laut Bär ist Deutschland in einem jedenfalls besser: „Wir wollen zwar nicht, aber wenn wir müssen, können wir!“

Quote als notwendige Krücke

Eine Überraschung lieferte zum Schluss das Thema Gleichberechtigung. Unabhängig von einem eventuellen Rückschlag durch COVID zeigten sich Miriam Wohlfarth wie auch Dorothee Bär sehr unzufrieden. Wir seien nach wie vor weit entfernt von echter Gleichberechtigung. Die Karriereaussichten, so Dorothee Bär, seien für Männer mit Kindern am besten, gefolgt von Männern ohne Kinder, dann von Frauen ohne Kinder und zuletzt von Frauen mit Kindern. Sie sei keine Freundin der Quote, aber sie sei offensichtlich als Krücke notwendig. Miriam Wohlfarth gab zu, erst seit neuestem Befürworterin von Quotenregelungen zu sein und zeigte sich verwundert, dass sich so wenig getan habe. Zumal diverse Unternehmen nachweislich erfolgreicher seien, so die Unternehmerin.

Dorothee Bär, Miriam Wohlfarth & Cherno Jobatey ‘Wo nachbessern bei Digitalisierung’ – UdL Digital Talk

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Mehr Informationen:

UdL Digital Talk mit Dorothee Bär und Miriam Wohlfarth: Mit neuen Denkansätzen zum digitalen Erfolg
UdL Digital Talk Video: Justizministerin Christine Lambrecht und Philipp Westermeyer

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Über den Autor

Harald Geywitz ist Repräsentant Berlin im Bereich Government Relations bei Telefónica Deutschland.