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Artikel

Made in Germany:
Spitzentechnologie aus Norddeutschland

19

Nov
2020

Veröffentlicht am 19.11.2020

Foto: CC0 1.0, Pixabay User geralt | bearbeitet
Der Abschluss unserer Serie “Made in Germany” widmet sich Deutschlands Norden. Neben einer Luft- und Raumfahrtindustrie auf Weltniveau bestechen die Küstenländer mit Innovationen in der Logistik sowie der Erzeugung erneuerbarer Energie und alternativer Kraftstoffe.

Deutschlands Norden ist ein international beachteter Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie, einem der größten Anwendungsbereiche für nahezu alle Hochtechnologien des Informationszeitalters. So finden sich in Bremen, Hamburg und Niedersachsen zahlreiche Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Branche, darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der europäische Flugzeughersteller und globale Marktführer Airbus.

Mit den größten deutschen Seehäfen in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven ist die Nordseeregion für ganz Deutschland von wirtschaftlich hoher Bedeutung. Für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft sind leistungsfähige Häfen überlebenswichtig. Hinzu kommt der Nord-Ostseekanal, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt – sowohl für Deutschland, als auch für Europa eine wirtschaftliche Lebensader. Darüber hinaus glänzen die deutschen Küstenländer in Sachen Erneuerbarer Energien: Rund die Hälfte des Stroms aus Windenergieanlagen hierzulande wird im Norden erzeugt. Ein Achtel der gesamten Energie stammt dabei aus Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee. Die Küstenländer sind somit eine tragende Säule der deutschen Energiewende.

Obendrein zählt Hamburg nach einer Studie des Bundesverbands Deutsche Startups zu den drei wichtigsten Gründungshochburgen für KI-Start-ups im Land. Viele gute Gründe um sich einmal genauer mit den Bundesländern im Norden zu befassen.

Luft- und Raumfahrtindustrie von Weltrang

Hamburg bildet zusammen mit Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen das Zentrum der norddeutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und ist einer der weltweit wichtigsten Standorte der zivilen Luftfahrtindustrie. Dabei ist die Hansestadt Bremen das Zuhause des ersten börsennotierten Technologie- und Raumfahrtkonzerns Deutschlands: Der Technologiegruppe OHB. Gestartet als fünfköpfiger Familienbetrieb entwickelte sich der einstige Hersteller von Schiffsmotoren zu einem Global Player. Allgemeine Bekanntheit erreichte das Unternehmen durch das europäische Satellitennavigationssystem Galileo, für das OHB den Großteil der Satelliten entwickelt und produziert. Galileo basiert auf derselben Grundtechnologie wie GPS, steht jedoch im Kontrast zu vergleichbaren Systemen nicht unter militärischer, sondern unter öffentlicher Kontrolle.

Foto: CC0 1.0, Pixabay User rauschenbergert | Ausschnitt angepasst

Gesteuert werden die Satelliten vom DLR. Das Forschungszentrum ist im Norden Deutschlands an insgesamt elf Standorten vertreten – darunter Bremen und Hamburg oder kleinere Städte wie Geesthacht und Neustrelitz. Dort forscht man mit Bezug zu den Stärken der Regionen an Technologien und Innovationen für die Luft- und Raumfahrt, der Erdbeobachtung und Fernerkundung mittels Satellitendaten, dem Schutz maritimer Infrastrukturen wie Häfen und Offshore-Windanlagen und der Dekarbonisierung der Schifffahrt.

Ein Netzwerk aus Forschung und Wirtschaft mit geballter Raumfahrt-Kompetenz in der Region ist Aviaspace mit Sitz in Bremen. Hier treffen Branchenriesen wie Airbus, OHB und Lufthansa auf anwendungsorientierte Forschungsinstitute wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und mehr. Ein Netzwerkmitglied von Weltrang ist die Ariane-Group – Entwickler und Produzent der gleichnamigen, europäischen Trägerraketen. Teile des neuesten Modells werden in Bremen gefertigt. Die Raketen sollen Satelliten für kommerzielle und öffentliche Zwecke ins All befördern, darunter auch Galileo-Navigationssatelliten.

Nachhaltige Hafenwirtschaft und Logistik

Als Deutschlands umschlagsstärkster und Europas drittgrößter Seehafen ist der Hamburger Hafen Inbegriff logistischer Meisterleistungen. In der Hafenlogistik spielt die Digitalisierung bereits eine große Rolle – es gilt aber noch etliche Potenziale zu heben. Das hat auch das Bundesverkehrsministerium (BMVI) erkannt und fördert den Aufbau eines digitalen Testfeldes im Hamburger Hafen. Zu den ersten Schritten gehören die Erprobung von Drohnen und der Aufbau eines digitalen Zwillings. Inspektion, Wartung und Ausbau der Hafeninfrastruktur sowie Planungsprozesse künftiger Infrastrukturprojekte sollen damit optimiert werden.

Foto: CC0 1.0, Pixabay User moerschy | Ausschnitt angepasst

Neben der Logistik-Initiative Hamburg, dem größten Logistiknetzwerk in Nordeuropa, beheimatet die Stadt den Digital Hub Logistics Hamburg. Dabei handelt es sich um eines der zwölf digitalen Kompetenzzentren der vom Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) geförderten De:Hub-Initiative, die die Stärkung der digitalen Wirtschaft in Deutschland zum Ziel hat. Ob Straße, Schiene, Wasserwege oder Luftverkehr: Die Hamburger Start-up-Schmiede liefert für alle Verkehrsarten etwas. Ein Vorzeigebeispiel ist Cargonexx: Das Start-up vernetzt über seine Plattform Frachtführer mit Logistikunternehmen mit dem Ziel, Leerfahrten im Fernverkehr zu reduzieren. Künstliche Intelligenz hilft dabei, Routen und Auslastung zu optimieren – das spart Kosten, Verkehr und CO2-Emissionen. Innovative Lösungen für mehr Nachhaltigkeit und die Digitalisierung der Schifffahrt liefert searoutes. Dieses in Hamburg und Marseille ansässige Start-up setzt auf ein genaues CO2-Reporting für die Schifffahrt und liefert einen Algorithmus, der bei der Routenberechnung Faktoren wie Wetter und Strömung berücksichtigt.

Am CO2-neutralen Hafen von morgen forscht man im Rahmen des Projekts SHARC. Unter der Koordination der Bremer Hafenverwaltung bremenports arbeiten hier Siemens, das DFKI und die Technische Universität Berlin zusammen mit dem Institut für Kreislaufwirtschaft der Hochschule Bremen. Zentraler Hebel für eine CO2-neutrale Hafeninfrastruktur sollen erneuerbare Energien sein. Grüner Strom aus Windkraft, Photovoltaik und Biogas soll in Kombination mit Speichertechnologien und der Nutzung von eMobilität und Wasserstoffantrieben für ein nachhaltiges Hafenquartier sorgen. Als Modell dient dabei der Überseehafen Bremerhaven. Die Stadt und ihr Hafen nehmen auch beim Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee eine zentrale Stellung ein. Der Hafen ist dabei ein Knotenpunkt, an dem Elemente teilmontiert und alle Anlagenteile auch verladen werden, um sie an ihren Bestimmungsort zu bringen.

Norddeutsche Energiewende

Die Gewinnung von grünem Strom auf See und an Land sind ein Markenzeichen des Nordens. Die Energiewende umfasst aber mehr als nur den Wandel der Stromerzeugung. Um die Norddeutsche Energiewende (NEW) zu forcieren haben sich rund 60 Partner aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in dem länderübergreifenden Großprojekt NEW 4.0 zusammengeschlossen. Die “Innovationsallianz für den Norden” will mit Hilfe digitaler Technologien und einem intelligenten Energienetz Hamburg und Schleswig-Holstein bis 2035 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen.

Foto: CC0 1.0, Pixabay User gorkhe1980 | Ausschnitt angepasst

In Schleswig-Holstein ist auch das ambitionierte Projekt Westküste100 angesiedelt – ein Reallabor der Energiewende. Hier soll zukünftig grüner Wasserstoff produziert und die Dekarbonisierung der Industrie vorangetrieben werden. Zur Wasserstoffproduktion dient Offshore-Windstrom; die dabei entstehende Abwärme soll wiederum zum Heizen genutzt werden. Der gewonnene Wasserstoff kann dann sowohl ins Gasnetz eingespeist, als auch für die Produktion klimafreundlicher Treibstoffe für Flugzeuge genutzt werden.

Flugzeugtreibstoffe bestehen zum größten Teil aus Kohlenwasserstoffketten. Wie man diese durch chemische Prozesse im industriellen Maßstab synthetisch herstellen kann, erforscht das Projekt KEROSyN100 im schleswig-holsteinischen Heide. In chemischen Prozessen wird Wasserstoff zusammen mit CO2 zunächst in Methanol und dann in Kerosin umgewandelt. Für die Herstellung ist CO2 vorgesehen, das aus industriellen Abgasströmen oder aus der Luft entnommen werden soll. Diesen Ansatz zieht auch Westküste100 in seine Überlegungen mit ein und plant unvermeidbares CO2 aus der regionalen Zementproduktion für die Treibstoffherstellung einzusetzen. Dadurch erfolgt eine intelligente und nachhaltige Verzahnung der regionalen Infrastruktur. Ein innovativer Beitrag, um den Klimaschutz und die ökologischen Transformation der Wirtschaft voranzubringen.

Wir weisen darauf hin, dass bei unseren öffentlichen Veranstaltungen auch Bild- und Tonmaterial in Form von Fotos oder Videoaufzeichnungen durch von uns beauftragte oder akkreditierte Personen und Dienstleister erstellt wird. Die Aufnahmen werden für die Event-Dokumentation und Event-Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen des BASECAMP genutzt. Sie haben das Recht auf Information und weitere Betroffenenrechte. Informationen zu unseren Datenverarbeitungen sowie Ihren Betroffenenrechten finden Sie hier.

Über den Autor

David Biebricher ist Senior Public Relations Manager und Pressesprecher für das BASECAMP.
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