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Games-Branche in Deutschland:
Potenziale der digitalen Spielewirtschaft

01

Sep
2020

Veröffentlicht am 01.09.2020

Foto: CC0 1.0, Pixabay User JEESHOTS-com | Ausschnitt angepasst
Die Games-Branche in Deutschland boomt. Dabei geht es um mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz jährlich. Den Großteil verdienen jedoch Spieleentwickler aus dem Ausland. Dies will die Bundesregierung nun ändern und Deutschland als Standort für die Spieleentwicklung international wettbewerbsfähig machen.

Die Entwicklung von Computerspielen fristet längst kein Nischendasein mehr. Die Games-Branche ist mittlerweile einer der umsatzstärksten Kultur- und Kreativmärkte – mit weiterem Wachstumspotenzial. Ein digitaler Wirtschaftssektor mit Zukunft, der Innovation und digitale Kompetenzen vereint. Vom 27. bis 30. August präsentierte die gamescom 2020 die neusten Trends und Technologien der digitalen Spielekultur. Die Eröffnung nutzte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), um den Startschuss für die Computerspieleförderung des Bundes zu geben.

Dabei fand die weltweit größte Messe für Computer- und Videospiele in diesem Jahr erstmalig rein digital statt. Dies hat die Strahlkraft der gamescom aber keineswegs gemindert: Nach Angaben des Veranstalters verfolgten allein über 2 Millionen Menschen weltweit die Eröffnungsshow. Kein Wunder, erfreut sich Gaming doch seit vielen Jahren auch hierzulande größter Beliebtheit: Nach jüngsten Angaben des Verbands der deutschen Games-Branche (game) spielen allein in Deutschland rund 34 Millionen Menschen Videospiele.

Deutscher Games-Markt wächst erneut

Deutschland ist der größte Markt für Videospiele in Europa und der fünftgrößte weltweit. Dem Jahresreport des game zufolge, wurden 2019 mit Videospielen, Spiele-Hardware wie Konsolen und Gaming-PCs sowie sogenannten In-Game-Käufen in Deutschland rund 6,2 Milliarden Euro umgesetzt. Damit verzeichnete die Branche erneut ein Wachstum von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Games-Branche zählt laut einem Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) auch zu den umsatzstärksten Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Derzeit gibt es dem game zufolge in etwa 500 Spiele-Entwickler und Publisher in Deutschland, die insgesamt rund 11.000 Menschen beschäftigen. Die Hochburgen der Branche in Deutschland sind Berlin, Hamburg, München, das Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt) und Nordrhein-Westfalen (Köln, Düsseldorf). Einen Überblick bietet die Seite gamesmap.de. Bekannt ist Deutschland unter anderem für die Entwicklung anspruchsvoller Strategiespiele wie Die Siedler oder der Videospielreihe Anno.

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Foto: CC0 1.0 | Pixabay User FirmBee | Ausschnitt bearbeitet

Obwohl der deutsche Games-Markt seit Jahren wächst, stagniert der Umsatzanteil deutscher Spiele-Entwicklungen: Erzielten deutsche Titel 2017 noch 5 Prozent des Umsatzes, waren es 2018 nur noch 4,3 Prozent; 2019 zumindest wieder 4,9 Prozent. Das letztjährige Ergebnis entspricht rund 168 Millionen Euro – bei einer Marktgröße von mehr als 3,4 Milliarden Euro für PC- und Konsolenspiele sowie Online und Mobile Games. Somit bleiben von 100 Euro, die in Deutschland für Videospiele ausgegeben werden, weniger als 5 Euro bei deutschen Spieleentwicklern hängen. Deutsche Entwickler beklagen vor allem im internationalen Vergleich schwierige Rahmenbedingungen und eine mangelnde staatliche Förderung. Unsere östlichen Nachbarn haben das Potenzial der Gaming-Industrie beispielsweise früh erkannt und entsprechend gefördert: Polen ist Medienberichten zufolge mit einem Marktanteil von 6,5 Prozent mittlerweile der viertgrößte Games-Exporteur der Welt – nach China, Hongkong und Japan. Höchste Zeit also die Potenziale der Branche auch für die deutsche Wirtschaft zu erschließen.

Computerspieleförderung des Bundes

Bei der politischen Eröffnung der gamescom gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Startschuss für die Computerspieleförderung des Bundes. Auf eine derartige Förderung hatten sich die Regierungsparteien von CDU/CSU und SPD bereits im Koalitionsvertrag vom Februar 2018 geeinigt. Erklärtes Ziel: Deutschland als Spiele-Entwicklungsstandort zu stärken und international wettbewerbsfähig zu machen. Die Bundesförderung soll helfen, die Zahl deutscher Spieleveröffentlichungen zu steigern und auf Weltniveau zu bringen. Ferner soll die Anzahl der Entwicklungsstudios und Unternehmen in Deutschland gesteigert werden, um mehr Beschäftigung zu schaffen.

Vom kleinen Entwicklungsstudio bis hin zum Großunternehmen: Die gesamte Branche soll von Förderquoten bis zu 50 Prozent profitieren. Eine Pilotphase startete bereits letztes Jahr – wegen einer ausstehenden Freigabe durch die Europäische Kommission konnten aber zunächst nur maximal 200.000 Euro Förderung beantragt werden. Derartige Summen sind angesichts der mehrere Millionen Euro schweren Produktionsbudgets für Großprojekte jedoch nicht besonders attraktiv. Über das jetzt startende Förderprogramm stellt die Bundesregierung je nach Projekt auch mehrere Millionen Euro zur Verfügung – bis 2023 sollen jährlich 50 Millionen Euro an Förderung fließen. Aber auch mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Monaten ihre Unterstützung für die Games-Branche ausgebaut – eine Kombination der Mittel ist seitens des Bundes ausdrücklich vorgesehen.

“Mit dem Start der großen Games-Förderung kann Deutschland als Games-Standort international endlich konkurrenzfähig werden. Das ist der Startschuss für unsere Aufholjagd”, kommentierte game-Geschäftsführer Felix Falk. Damit ist eine der zehn Forderungen des Verbands zur umfassenden Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Games-Branche hierzulande getan. Neben Forderungen wie Games flächendeckend für die digitale Bildung zu nutzen oder Deutschland zum E-Sport-Standort zu entwickeln, ist vor allem der Breitbandausbau ein Kernanliegen des game. “Für eine erfolgreiche Games-Entwicklung und die Millionen Spielerinnen und Spieler muss der Games-Standort Deutschland flächendeckend gigabitfähig sein”, heißt es dazu im Jahresreport. Dies gelte sowohl für leistungsfähige breitbandige Internetanbindungen, als auch für ein starkes 5G-Netz.

In der Tat liegt im neuen Mobilfunkstandard 5G großes Potential für die Gaming-Branche. Dies war eine der Erkenntnisse einer Veranstaltung zum Thema 5G und Gaming im BASECAMP Anfang des Jahres. So läge beispielsweise ein besonderes Augenmerk auf dem Aspekt des Cloud Gamings, das ohne 5G nicht auskommen werde, wie Maren Schulz, Leiterin Politische Kommunikation im Verband der deutschen Games-Branche e.V., seinerzeit erklärte. Daneben bedeutet für Gamer das 5G-Netz neue Maßstäbe bei interaktiven Spielen. Der Datenaustausch in Echtzeit wird essentiell, wenn Spieler auf Augenhöhe mit- oder gegeneinander spielen wollen. Die Gaming-Branche könne zudem eine Vorreiterrolle für andere Bereiche spielen, schlug Schulz vor. Hier könne sie ausprobiert werden, um sie später in anderen Disziplinen wie der Medizin zu nutzen.

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