AI Kitchen Talk: Experten diskutieren am Küchentisch über künstliche Intelligenz

Foto: Henrik Andree
Veröffentlicht am 21.05.2019

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Die besten Gespräche finden in der Küche statt, auch wenn es um künstliche Intelligenz (KI) geht. Deshalb luden wir zusammen mit Wayra, dem Open Innovation Hub von Telefónica, am 16. Mai zum AI Kitchen Talk ein. Im Zentrum der Expertendiskussion im Telefónica BASECAMP stand vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz von KI.

Die Risiken von künstlicher Intelligenz werden überschätzt und die Chancen werden unterschätzt„, sagte Dr. Wolfgang Hildesheim, Director, Head of Watson & Artifical Intelligence, IBM DACH, schon in seiner Keynote zur Eröffnung. Einer der ersten Schritte der KI-Revolution sei gewesen, dass ein Computer den besten menschlichen Spieler im Schach besiegte. Das ist noch gar nicht so lang her, doch schon bald werde künstliche Intelligenz genauso überall verfügbar sein wie Elektrizität. Und ein Leben ohne Strom können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen. KI sei ein weltweiter Mega-Trend, der alle Bereiche unseres Lebens umwälzt, erklärte der studierte Physiker. Europa müsse deshalb dringend mehr in KI investieren. Damit die Unternehmen auf dem alten Kontinent die Vorteile der neuen Technik besser nutzen können.

Künstliche Intelligenz: Schlaue Helfer für die Menschen

Es ist vor allem wichtig, die Vorteile von KI stärker in der Gesellschaft zu verankern“, erklärte Dr. Joachim Bühler. Die Aufgabe von künstlicher Intelligenz sei schließlich, uns Menschen zu entlasten, sagte der Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV). KI werde in vielen Bereichen besser und effizienter als Menschen arbeiten, deshalb sei es unverzichtbar, die Hoheit über ihre Steuerung zu sichern.

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In erster Linie geht es doch darum, dass KI die Aufgaben übernimmt, die wir nicht mehr selbst erledigen wollen“, erklärte Graeme Foux, CEO der KI-Marketingplattform Knexus, die Arbeitsaufteilung der Zukunft. Die Gesellschaft brauche ein Verständnis für den Mehrwert und auch für die Grenzen von künstlicher Intelligenz. „Die Angst der Menschen vor einer Übernahme durch die Maschinen ist unbegründet, aber wir müssen sie dennoch ernst nehmen“, sagte Markus Rolle. Es sei vor allem wichtig, dass die KI den Menschen dient und dass es nicht umgekehrt ist, erklärte der CFO von Telefónica Deutschland. Deshalb seien ethische Grundsätze für die Anwendung von künstlicher Intelligenz nötig.

Erfolgsfaktoren: Wissen, Vertrauen und Transparenz

Für den Erfolg von KI sei außer mehr Wissen auch noch etwas anderes nötig: Vertrauen in die neue Technik“, sagte Wolfgang Hildesheim. Vielleicht wäre es deshalb eine Lösung, eine „vertrauenswürdige KI“ zu entwickeln, die andere KI kontrolliert? Joachim Bühler antwortete, dass bei solchen Diskussionen die Transparenz stärker in den Vordergrund rücken müsse: „Wie können wir die Weiterentwicklung von KI transparenter gestalten?„, war seine Frage an die Diskussionsteilnehmer.

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Nur durch nachvollziehbare Forschung könne genug Vertrauen für KI-Anwendungen entstehen, lautete seine Antwort. Schon Jugendliche sollten in der Schule mit solchen Themen vertraut gemacht werden. „Aber vielleicht gibt es auch No-Go-Areas?“, fragte der TÜV-Experte weiter. „In welchen Bereichen wollen wir KI keinesfalls nutzen?“ Das müsse man frühzeitig festlegen, doch eine  politische Diskussion werde kaum darüber geführt. Diese Zurückhaltung der Politik könnte aber auch einen einfachen Grund haben: Vielleicht gibt es gar keine No-Go-Areas?

KI-Durchbruch: Mit kleinen Schritten zu großen Erfolgen

Selbst im sensiblen Gesundheitsbereich wird künstliche Intelligenz bereits erfolgreich eingesetzt, zeigte Pooja Jain, Mitgründerin des britischen KI-Startups CogniHealth, mit mehreren Beispielen auf. Das geht vom intelligenten Zuhause, das Patienten an Medikamente erinnert und bei Reha-Übungen hilft, bis zu Seniorenheimen, wo die künstliche Intelligenz immer wieder geduldig mit Demenzkranken spricht und das Pflegepersonal dadurch entlastet.

Das sind kleine Schritte, die aber deutlich machen, dass der Gesundheitsbereich kein No-Go-Area ist“, sagte Pooja Jain. Es sei vor allem Mut gefordert, um die KI auch in weiteren Branchen zu testen und weiter zu entwickeln. „Wir können es uns nicht leisten, herumzusitzen und auf den großen Durchbruch zu hoffen“, fasste Markus Rolle zusammen. „Ich möchte alle ermutigen, kleine, aber konsequente Schritte zu unternehmen und digitale Technologien wie KI einzusetzen, um den täglichen Betrieb zu verbessern.“ Auch bei KI beginne alles mit kleinen Schritten, um damit später große Dinge zu vollbringen. In jedem Geschäftsfeld.

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