Deutschlands Weg zu 6G: Die neue Forschungsroadmap des BMFTR

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Foto: Pixabay User geralt | CC0 1.0 | Montage
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Veröffentlicht am 27.01.2026

Mit der Ende Dezember 2025 veröffentlichten 6G-Forschungsroadmap legt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) den strategischen Fahrplan für die Mobilfunkgeneration der Zukunft vor. Die Roadmap definiert, wie Deutschland bis 2030 zu den führenden 6G-Nationen aufsteigen und dabei technologische Souveränität, digitale Resilienz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sichern will. Doch was genau steckt hinter der Strategie und warum ist 6G mehr als nur schnelleres Internet?

Zwischen Weihnachten und Silvester passiert eigentlich nicht mehr viel im politischen Betrieb, aber am 29. Dezember letzten Jahres hat das BMFTR noch mal eine Rakete gezündet und die 6G-Forschungsroadmap für die Jahre 2025 bis 2030 (öffnet in neuem Tab) veröffentlicht. Das 23-seitige Dokument beschreibt die strategische Ausrichtung der deutschen Forschungs- und Innovationsaktivitäten zum künftigen Mobilfunkstandard 6G und richtet sich an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Papier definiert vier zentrale Handlungsfelder: wissenschaftlich-technologische Grundlagen und Zukunftstechnologien, anwendungsbezogene Technologieentwicklung, ein nationales Transfer- und Innovationsökosystem sowie nationale und internationale Vernetzung.

Die Forschung von heute schafft die Basis für die technologische Souveränität von morgen“, so Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (öffnet in neuem Tab).

Während derzeit noch 5G-Netze weltweit ausgebaut werden, ist die Forschung für die sechste Mobilfunkgeneration bereits in vollem Gang. Dabei soll 6G ab etwa 2030 die Nachfolge von 5G antreten und dabei einen massiven Leistungssprung (öffnet in neuem Tab) ermöglichen. Die erwarteten technischen Spezifikationen sind beeindruckend: Datenübertragungsraten von bis zu 400 Gigabit pro Sekunde. Das ist 40-mal schneller als 5G. Dazu kommen viele weitere potenzielle Anwendungsfelder wie autonomes Fahren in Echtzeit, holographische Kommunikation, industrielle digitale Zwillinge, die komplette Produktionsanlagen virtuell abbilden, oder ferngesteuerte Operationen.

Von der Forschung in die Praxis: Die vier 6G-Transfer-Hubs

Ein zentraler Baustein der Strategie ist der Start von vier 6G-Transfer-Hubs Anfang 2026. Diese Hubs sollen die Lücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung schließen. Der Open6GHub+ (öffnet in neuem Tab) startete bereits am 1. Januar 2026 und überführt die Ergebnisse der erfolgreichen ersten Forschungsphase konsequent in industrielle Anwendungen. Koordiniert vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und mit Fraunhofer FOKUS (öffnet in neuem Tab) als einem der wichtigsten Partner, entwickelt das Konsortium KI-basierte Netzfunktionen und nutzt generative sowie hybride KI, um zukünftige Mobilfunktechnologien schneller zu entwerfen.

Foto: iStock / Lari Bat

Ein weiterer Fokus liegt auf sogenannten 3D-Netzen. Der Open6GHub+ vernetzt bodengebundene Netze mit Drohnen und nicht-terrestrischen Plattformen wie Satelliten. So entsteht eine allgegenwärtige, resiliente Konnektivität, die auch dann zuverlässig funktioniert, wenn klassische Mobilfunknetze an ihre Grenzen stoßen. Das ist wichtig in Bereichen wie der Landwirtschaft, der Logistik oder bei kritischen Infrastrukturen.

Der 6GEM+ Transfer Hub (öffnet in neuem Tab) unter Leitung der RWTH Aachen wird mit 15,93 Millionen Euro ebenfalls gefördert. Der Fokus: Effizienz, Sicherheit und Resilienz mobiler Kommunikationssysteme. Dabei konzentriert sich das Projekt auf KI-basierte Produktion, hochdynamische Logistik und innovative Mobilitätskonzepte. Durch die enge Verzahnung mit der Praxis und assoziierte Industriepartner als Use-Case-Mentoren wird sichergestellt, dass Innovationen unter realen Bedingungen getestet und validiert werden.

Technologische Souveränität im internationalen Wettbewerb

Ohne Übertreibung kann konstatiert werden, dass die 6G-Strategie des BMFTR mehr als ein Forschungsprogramm ist, sondern eine zentrale Investition in die digitale Souveränität Deutschlands. Denn der internationale Wettbewerb um 6G ist intensiv: Die USA, China und Südkorea investieren Milliarden in 6G-Forschung. Oder um es mit der Ministerin zu sagen: „Ohne eigene Forschung und Entwicklung von 6G wird es keine digitale Souveränität Deutschlands geben.“

Dabei adressiert das Programm den gestiegenen Bedarf an resilienten kritischen Infrastrukturen und vertrauenswürdigen digitalen Systemen. Mobilfunknetze gehören zum Rückgrat der digitalen Transformation und sind als zentrale kritische Infrastruktur zu betrachten. Für künftige 6G-Netze gilt dies in noch stärkerem Maße. Die kontinuierliche Verfügbarkeit dieser Netzwerke, auch in möglichen Krisensituationen, ist daher von zentraler Bedeutung.

Anwendungen: Von Industrie 4.0 bis zur holographischen Kommunikation

Die Vision hinter 6G geht weit über schnellere Smartphones hinaus: In der Industrie 4.0 (öffnet in neuem Tab)ermöglicht 6G die nahtlose Vernetzung von Maschinen, Robotern und Sensoren in Echtzeit. Digitale Zwillinge von ganzen Fabriken können in Echtzeit aktualisiert werden, sodass Produktionsprozesse simuliert, getestet und optimiert werden können, bevor sie physisch umgesetzt werden. Dies reduziert Ausfallzeiten, spart Kosten und erhöht die Effizienz erheblich.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist die holographische Kommunikation (öffnet in neuem Tab). Fotorealistische holographische Reproduktionen, Hologramme und Avatare werden eine völlig neue Form von Telepräsenz in der erweiterten (AR) und virtuellen (VR) Realität ermöglichen. Dadurch können Meetings, Bildung und auch die Telemedizin revolutioniert werden. Chirurgen könnten aus der Ferne operieren, Ingenieure könnten gemeinsam an virtuellen Prototypen arbeiten, und Bildungseinrichtungen könnten immersive Lernerfahrungen anbieten, die geografische Grenzen überwinden.

Frequenzen, Standardisierung und der Weg bis 2030

Credit: iStock/BRO Vector, shutterstock/kanvictory

Die technischen Standards für 6G werden in internationalen Gremien wie der International Telecommunication Union (ITU) (öffnet in neuem Tab) und dem Third Generation Partnership Project (3GPP) (öffnet in neuem Tab)entwickelt. Die ITU hat einen dreistufigen Zeitplan für 6G festgelegt: Vision und Rahmen (abgeschlossen 2023), Anforderungen und Evaluierungsmethodik (bis 2026) sowie Spezifikationen (bis 2030). Das 3GPP begann im August 2025 mit technischen Studien (öffnet in neuem Tab), die 18 bis 21 Monate dauern werden. Auf diesen Studien aufbauend sollen die ersten 6G-Spezifikationen bis Ende 2028 fertiggestellt werden, um die erste Welle kommerzieller 6G-Einführungen ab 2030 zu ermöglichen.

Für Europa und Deutschland ist es entscheidend, in diesen Standardisierungsprozessen mit einer starken, geschlossenen Stimme zu sprechen. Die Entscheidung über 6G ist auch eine geopolitische: Sie betrifft, wer die Technologien der Zukunft kontrolliert, wessen Sicherheitsstandards gelten und wer wirtschaftlich von den neuen Märkten profitiert. Deutschland und Europa müssen deshalb nicht nur forschen, sondern auch aktiv Standards mitgestalten und ihre Werte zu Datenschutz, Sicherheit, Offenheit und Nachhaltigkeit in den globalen Prozess einbringen.

Fazit: 6G als Fundament der digitalen Zukunft

Die Forschungsroadmap zeigt, dass Deutschland die Bedeutung von 6G als Schlüsseltechnologie erkannt hat und strategisch investiert. Mit vier Transfer-Hubs, klaren Handlungsfeldern und dem Fokus auf technologische Souveränität, Resilienz und Nachhaltigkeit werden die Weichen für die digitale Zukunft gestellt. Bis heute hat das BMFTR die Forschung zum kommenden sechsten Mobilfunkstandard mit rund 700 Millionen Euro gefördert.

Dabei ist 6G mehr als nur die nächste Mobilfunkgeneration. Es ist das Fundament für die vernetzte Gesellschaft von morgen. Für intelligente Fabriken, autonome Mobilität, immersive Kommunikation und resiliente kritische Infrastrukturen. Die Entscheidung über 6G wird heute getroffen, aber sie wird die nächsten Jahrzehnte prägen. Mit der neuen Forschungsroadmap hat Deutschland einen klaren Fahrplan. Jetzt kommt es darauf an, ihn konsequent umzusetzen.

Mehr Informationen:

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