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Artikel

Einfluss der Arbeit 4.0 auf die Gesundheit

13

Okt
2016

Veröffentlicht am 13.10.2016

Wie wirkt sich die Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten aus? Dieser Frage geht eine Studie nach, die im Auftrag der Barmer GEK von der Universität St. Gallen erstellt wurde. Die Forscher stießen bei ihrer Online-Umfrage unter 8.000 Befragten auf einigen Technik-Optimismus – aber auch auf Stress, der durch die Digitalisierung am Arbeitsplatz verursacht wird.

Eine der Kernaussagen der Studie: „Die Digitalisierung ist voll in der Erwerbsbevölkerung angekommen“, sagte Professor Dr. Stephan Böhm vom „Center for diabilty and integration“ an der Universität St. Gallen bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Nach Einschätzung der Wissenschaftler fallen die Unterschiede zwischen den Berufen und Branchen eher gering aus. Gemessen wurde mit einem so genannten Digitalisierungs-Score. Während der naturwissenschaftliche und IT-Bereich mit 62 Prozent an der Spitze landen, kommt das Schlusslicht, die Reinigungsberufe, auf 37 Prozent.

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Mehr als die Hälfte der Befragten meint, dass Technologie ihnen „mehr Freiheit gibt, zu leben und zu arbeiten, wo sie wollen.“ Auch der Technologie-Optimismus ist bei jüngeren wie auch älteren Arbeitnehmern hoch: 59 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass Technologie sie im persönlichen Leben produktiver macht, bei den über 60-Jährigen sind es 46 Prozent. Allerdings haben die Jüngeren auch eher Angst, dass sie ihren Arbeitsplatz aufgrund von Technologie verlieren könnten (27 Prozent im Vergleich zu 12 Prozent). Damit geht auch einher, dass sich die jüngere Generation stärker gezwungen sieht, schneller zu arbeiten (21 Prozent zu neun Prozent ) und öfter das Gefühl hat, mehr Arbeit leisten zu müssen, als sie eigentlich leisten können (16 Prozent zu sechs Prozent).

Zwischen dem Krankenstand und dem Digitalisierungsgrad eines Unternehmens besteht der Studie zufolge nur ein geringer Zusammenhang. 33 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten keinen Tag wegen Krankheit gefehlt zu haben. Bei den Arbeitnehmern, die weniger Digitalisierungsdruck spüren war der Anteil ohne Krankheitstag mit 38 Prozent nur leicht höher.

Problematischer ist dagegen, dass sich insgesamt 23 Prozent aller Beschäftigten emotional erschöpft und 21 Prozent sich ausgebrannt durch ihre Arbeit zu fühlen. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Phänomen Burnout bei den Beschäftigten, die stark unter dem Digitalisierungsdruck leiden, zum Beispiel durch erhöhtes Arbeitstempo, Informationsflut, sehr viel stärker ausgeprägt ist“, schreiben die Forscher in der Zusammenfassung der Ergebnisse. Der erhöhte Digitalisierungsdruck ist vor allem bei „Führungskräften, jüngeren Berufstätigen, Männern sowie Berufstätigen in der Unternehmensführung und in IT-und naturwissenschaftlichen Berufen“ zu spüren. 25 Prozent aller Befragten sagen: „Meine Arbeitsanforderungen beeinträchtigen mein Privat- und Familienleben.“ Mit 39 Prozent ist dieser Wert bei denjenigen besonders hoch, die sich von der Digitalisierung beeinträchtigt fühlen.

Was gegen Digitalisierungs-Stress hilft? Unter anderem eine gute Beziehung zum Chef. Die kann der Studie zufolge dazu beitragen, dass Beschäftigte besser mit den Effekten der Digitalisierung umgehen können. So leiden insgesamt 16 Prozent aller Befragten unter dem Informationsüberfluss. Wenn die Beziehung zum Vorgesetzten sehr schlecht ist, dann steigt dieser Wert auf 26 Prozent. Auch die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort bewerten die Autoren der Studie positiv. Allerdings ist das nicht in jeder Branche möglich. So haben in der Nahrungsmittelindustrie 82 Prozent der Beschäftigten keine Möglichkeit, ihre Arbeitszeit frei einzuteilen. Ähnlich sieht es bei den Gesundheitsberufen (75 Prozent) und in der Tourismus-Branche (71 Prozent) aus. Dagegen haben im Marketing nur 25 Prozent feste Arbeitszeiten, ähnlich flexibel geht es im Bereich Finanzen und Immobilien (27 Prozent) und in der IT-Branche (32 Prozent) zu.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sah sich bei der Vorstellung der Studie in ihrem Diskussionsprozess zum „Arbeiten 4.0“ bestätigt:

„Es gilt, neue Flexibilitätskompromisse zu verhandeln, die sowohl den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt wie auch den familiären und gesundheitlichen Bedürfnissen der Beschäftigung Rechnung tragen.“

Die Opposition reagierte deutlich kritischer. Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken sieht Regelungsbedarf seitens der Bundesregierung:

„In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der Krankentage aufgrund psychischer Belastungen am Arbeitsplatz geradezu explodiert. Doch die Bundesregierung weigert sich, eine Anti-Stress-Verordnung auf den Weg zu bringen. Das grenzt an unterlassene Hilfeleistung.“

Auch die  Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Beate Müller-Gemmeke, verlangte Regelungen für die digitale Arbeitswelt:

„Sie darf nicht zur Überforderung für die Menschen werden. Sie müssen wissen, wann ihre Arbeit aufhört und ihre Freizeit anfängt. Auch bei der Vertrauensarbeitszeit brauchen wir dringend politische Lösungen.“

Ganz ohne staatliche Regelungen haben die Forscher einen Tipp, um den Grad der emotionalen Erschöpfung zu reduzieren: Weniger in der Freizeit für die Firma tun. Bei den Arbeitnehmern, die bis zu zwei Stunden pro Woche in der Freizeit beruflich telefonieren oder am Computer arbeiten, sei der Anteil derer, die sich ausgebrannt fühlen, mit 18 Prozent geringer als bei denjenigen, die bis zu zehn Stunden pro Woche in ihrer Freizeit arbeiten (23 Prozent) oder das noch länger tun (27 Prozent). Allerdings gelingt es nicht jedem, nach Feierabend abzuschalten. 49 Prozent schaffen es nicht, nach Dienstschluss oder am Wochenende nicht an die Arbeit zu denken.

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Über den Autor

Elena Esnaola ist Repräsentantin Berlin und arbeitet im Bereich Government Relations bei Telefónica Deutschland.