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Artikel

Digital gegen das Virus:
Wie Künstliche Intelligenz und digitale Technologien im globalen Kampf gegen COVID-19 eingesetzt werden

23

Mrz
2020

Veröffentlicht am 23.03.2020

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Die Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 stellt Gesellschaften und Gesundheitssysteme weltweit vor riesige Herausforderungen. Mit Hochdruck arbeiten Forscher und Experten an Strategien, um die Pandemie einzudämmen und die Versorgung von Kranken zu verbessern. Dabei spielen auch digitale Technologien eine wichtige Rolle. In der Serie „Digital gegen das Virus“ berichten wir darüber, wo bereits neue Technologien erfolgreich eingesetzt werden und welche gesellschaftlichen Fragen das aufwirft. Teil 1: „Wie setzen andere Länder Technologie im Kampf gegen COVID-19 ein?“

Wer in China in diesen Tagen ein Kaufhaus besuchen oder mit dem Bus fahren möchte, muss in vielen Städten zuerst sein Smartphone vorzeigen. Gesundheitskontrolleure überprüfen dann eine App, die jeder installiert haben muss: Nur wenn die App einen grünen Barcode zeigt, darf man passieren. Ist der Barcode gelb oder rot, muss man sich in häusliche Quarantäne begeben.

In China gibt eine App grünes Licht, ob man sein Haus verlassen darf

Der Einsatz von Apps und Künstlicher Intelligenz (KI) zur Identifikation möglicher Ansteckungen, die Analyse von Bewegungsdaten breiter Bevölkerungsschichten und Roboter, die autonom Krankenhäuser und öffentliche Gebäude desinfizieren – was vor wenigen Wochen noch als Science Fiction galt, ist im Kampf gegen das Coronavirus in vielen Ländern mittlerweile Realität. Vor allem asiatische Länder, die viel früher von der Pandemie erfasst wurden, setzen auf digitale Lösungen, um die Bevölkerung vor dem Virusausbruch zu schützen.

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Am drastischsten geht dabei China vor, das mit über 80.000 Infizierten und mehr als 3.200 Toten bis vergangene Woche am stärksten vom Coronavirus betroffen war. Dort benutzen die Behörden mobile Bezahl-Apps wie Alipay, die ohnehin fast jeder Chinese auf dem Smartphone hat, um die Bewegung der Bevölkerung zu kontrollieren und mögliche Infizierungsherde zu identifizieren. Eine genaue Erklärung, wie die Apps ihre Entscheidungen treffen, ist bislang nicht veröffentlicht. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Behörden unter anderem Bewegungs- und Gesundheitsdaten durch KI-Algorithmen auswerten, um so mögliche Infizierte aufzuspüren.

Algorithmen erkennen COVID-19 Hotspots

Auch Korea setzt bei der Eindämmung von COVID-19 auf digitale Lösungen, allerdings werden die verwendeten Daten wohl weitgehend anonymisiert. Die App „Corona 100m“ signalisiert Nutzern, sobald sich ein Infizierter innerhalb eines Radius von 100 Metern aufhält. In nur zehn Tagen wurde die App mehr als eine Millionen Mal heruntergeladen. Andere Angebote wie die Webseite „Coronaita“ signalisieren Hotspots, also Orte, an denen sich besonders viele potenziell Infizierte aufhalten.

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Außerhalb Asiens prüfen Regierungen ein ähnliches Vorgehen. Israel hat angekündigt, dass Bewegungsdaten von Smartphones, die sonst nur zur Terrorabwehr genutzt werden dürfen, im Kampf gegen COVID-19 eingesetzt werden sollen. Die Maßnahme habe „nur ein Ziel: Leben zu retten“, zitierte die New York Times einen Regierungsmitarbeiter. „Auf diese Art kann die Ausbreitung des Virus in Israel schnell und effizient eingekreist werden.“ In den USA ist das Weiße Haus Medienberichten zufolge in Diskussionen mit Internetfirmen wie Facebook und Google, um deren riesige Datenpools zu nutzen. Die Informationen sollen ebenfalls nur anonymisiert eingesetzt werden. Auch in Deutschland gibt es eine Diskussion, ob und wie sich eine mögliche Nutzung von Bewegungsdaten mit dem Datenschutz vereinbaren lässt. (Mehr dazu im dritten Teil der Artikelserie.)

Roboter und Drohnen im Kampf gegen das Virus

Auch in anderen Bereichen setzen die Virenkämpfer auf Technologie. Das dänische Unternehmen UVD-Robots beliefert Krankenhäuser mit Desinfektionsrobotern. Mit Hilfe von UV-Licht können die Maschinen Viren und andere Krankheitserreger abtöten, ohne dass Menschen ihre Gesundheit riskieren müssen. In Feldversuchen wird zudem getestet, ob Roboter bei der Pflege und medizinischen Versorgung von Infizierten eingesetzt werden können. Auch Drohnen kommen zum Einsatz: Der japanische Hersteller Terra Drone setzt seine Fluggeräte dazu ein, um wichtige medizinische Materialien in Krankenhäuser zu transportieren. Globale Internetkonzerne wie Google und Tencent beteiligen sich am Kampf gegen COVID-19, indem sie Supercomputer mit riesigen Rechenkapazitäten auf die Entwicklung von Impfstoffen und Medizin angesetzt haben. Die traditionell langwierige Entwicklung neuer Medizin soll so beschleunigt werden.

unsplash Drohne Berge Landschaft Schnee Himmel

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Ein positives Beispiel gibt es in Korea: Dort hat die Biotech-Firma Seegene in nur drei Wochen ein Testkit für den neuen COVID-19-Erreger entwickelt, das mittlerweile auch international eingesetzt wird. Das Unternehmen verwendete eine auf Big Data-basierende KI, um die Entwicklung zu beschleunigen. Das Ergebnis: In Korea konnten bereits mehr als 200.000 Menschen auf das Coronavirus getestet werden, deutlich mehr als in anderen Ländern. Experten sehen darin einen der Gründe, dass das anfangs stark betroffene Korea den Ausbruch des Virus zumindest verlangsamen konnte.

Steht Deutschland vor einem digitalen Ruck?

Auch wenn es noch zu früh ist, um die Erfolge der einzelnen Technologien und Lösungen im Kampf gegen das Coronavirus zu bewerten. Experten gehen davon aus, dass die Krise nicht nur die Gesundheitssysteme verändern wird, indem neue digitale Lösungen dort Einzug erhalten. Weil weltweit Millionen von Menschen derzeit im Home Office arbeiten, werde sich auch die Arbeitswelt verändern, glaubt der Zukunftsforscher und Politikwissenschaftler, Daniel Dettling: „Das Internet bekommt durch Corona einen großen Schub. Es geht ein digitaler Ruck durch Deutschland.”

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Über den Autor

Iris Rothbauer ist Head of Public Relations bei Telefónica Deutschland.
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