Augmented Reality: Durchbruch vor allem in der Business-Variante

Foto: Christian Klant
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Veröffentlicht am 25.01.2018

Foto: Christian Klant
Wir sahen es schon vor einigen Wochen beim zweiten VR Day des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) im Telefónica BASECAMP: Virtual und Augmented Reality (AR) sind auf dem Vormarsch. Die neuen Technologien erobern immer mehr Bereiche und 2018 dürfte ein gutes Jahr werden. Doch während bei AR bisher vor allem die Anwendungen für Konsumenten den Trend bestimmten, wird das große Geld demnächst womöglich woanders verdient: in der Arbeitswelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei ausgerechnet ein Flop von Google.

Vor zwei Jahren wankten Smartphone-Nutzer mit gesenktem Blick durch Straßen und Parks, um quietschbunte Monster bei Pokémon Go zu jagen. Und 2017 schnitten sie Grimassen, um bei ihren Selfies mit Gesichtsfilter von Snapchat eine Hundezunge herauszustrecken. Das waren zwei wichtige Antreiber für AR, aber dennoch eher einfache Anwendungen. Das wahre Potenzial von Augmented Reality ist noch viel größer, das sehen auch immer mehr Konzerne und Tech-Firmen ein.

IDC-Prognose: Umsatz mit AR-Headsets wächst rasant

Auf der CES 2018 war dieser Trend erkennbar: Die Smart Glasses der amerikanischen Firma Vuzix verknüpften beispielsweise AR-Bilder mit den intelligenten Echo-Lautsprechern von Amazon und die chinesische KI-Firma Rokid kündigte eine AR-Brille mit 50-Grad-Blickfeld an, die endlich ganz ohne Smartphone oder die Unterstützung durch einen PC auskommen soll. Immer mehr Geräte werden jetzt mit AR-Technik ausgerüstet, denn die Programmierschnittstellen ARKit von Apple und ARCore von Google eröffnen viele Anwendungsmöglichkeiten. Bis 2021 soll der Umsatz mit AR-Headsets auf 30 Milliarden Dollar wachsen, sagt eine Prognose der Marktforscher von IDC. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2017 und die jährliche Wachstumsrate soll 56,1 Prozent betragen.

Ein großer Teil des Wachstums wird dabei aber nicht aus dem Unterhaltungssektor kommen, sondern durch den Einsatz von AR in Firmen. Der Branchenverband Augmented Reality for Enterprise Alliance (AREA) sieht sogar größere Chancen als auf dem Konsumentenmarkt. „Enterprise AR hat eindeutige und langfristige Vorteile beim Return on Investment, die auf Verbesserungen und Effizienzsteigerungen basieren“, sagt AREA-Geschäftsführer Mark Sage. „Während Consumer AR Vorteile bringt und die Menschen in der Nutzung schult, sind die potentiellen Anwendungsbereiche und verfügbaren Vorteile bei Unternehmen viel größer. Und das wird viel höhere Erträge bringen.“

Google Glass: Der Flop erlebt ein Revival

Ein wichtiges Argument für diese These liefert niemand anders als Google. Und das obendrein mit einem Gerät, das bisher als Flop gilt: Google Glass. Vier Jahre nach seiner Markteinführung (und drei Jahre nach dem Verkaufsstopp) kommt heute eine verbesserte Version der Datenbrille in vielen Unternehmen zum Einsatz. In der Fabrik oder bei Reparaturen haben Mitarbeiter damit die Hände frei und können Schulungsvideos, Bilder oder Instruktionen in Echtzeit sehen. Zusätzlich können sich Kollegen über Google Glass vernetzen und virtuell zusammenarbeiten, ohne die Finger von ihrer Arbeit zu lassen.

Virtual Reality - Frau mit VR-Brille BVDW Telefónica Basecamp
Die Gear VR Headsets von Samsung bieten Nutzern VR-Erlebnisse mithilfe ihres Smartphones; Foto: BVDW

Was bei den Verbrauchern bisher nur mäßig ankam, bekommt in der Business-Variante eine zweite Chance. Und so könnte sich der frühzeitige Markteintritt von Google am Ende noch als Geniestreich erweisen. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht: Apple soll 2019 ein eigenes AR-Headset herausbringen und  Microsoft entwickelt die nächste Generation seiner HoloLens. Forrester Research geht davon aus, dass 2025 bereits 14 Millionen US-Amerikaner bei der Arbeit Wearables tragen, wozu auch solche smarten Brillen gehören.

Bisher probieren die meisten Unternehmen immer noch herum und oft können nur ausgewählte Testgruppen die Smart Glasses nutzen. Aber die Software für AR wird immer besser und die Inhalte immer nützlicher. Das konnten wir beim VR Day sehen, wo Anwendungen für Feuerwehrleute, Lagerarbeiter und Chirurgen vorgestellt wurden. Es kommen jetzt immer mehr Smartphones auf den Markt, die für AR optimiert sind und das Angebot an Apps wird immer größer. 2018 dürfte das entscheidende Jahr für die Entwicklung sein.

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