Standpunkt: Ein dynamischer Effizienzansatz für horizontale Konsolidierungen
Von Fernando Herrera González und Dácil Jiménez Delgado
GSMA und Connect Europe präsentieren einen Bericht des Unternehmens für Wirtschaftsanalysen BRG (öffnet in neuem Tab) mit ehrgeizigen Vorschlägen für die Bewertung von EU-Fusionen. Die Studie wird zu einem Zeitpunkt vorgelegt, an dem die Europäische Kommission die Leitlinien für Fusionskontrollverfahren überarbeitet.
Telefónica begrüßt den Bericht „A Dynamic Framework for the Assessment of Horizontal Mergers (öffnet in neuem Tab)“ (Ein dynamischer Rahmen für die Bewertung horizontaler Fusionen (öffnet in neuem Tab)), der Anfang Februar in Brüssel vorgestellt wurde. Aus Sicht von Telefónica sollte der Regulierungsrahmen für große Unternehmenszusammenschlüsse in Europa so fortentwickelt werden, dass dynamische Effizienzen bei der Freigabeentscheidung der Behörden eine größere Berücksichtigung finden. Dynamische Effizienzen entstehen dann, wenn Unternehmen durch einen Zusammenschluss in ihrer Fähigkeit gestärkt werden, Innovationen hervorzubringen, Investitionen anzuziehen und sich an technologische Veränderungen anzupassen. Dies soll dazu beitragen, die Europäische Union auf einen Weg des nachhaltigen Wirtschaftswachstums und der Verbesserung des sozialen Wohlergehens zurückzuführen.
Strategische und industriepolitische Überlegungen sollten in Wettbewerbsrecht einfließen
In der nun vorliegenden Studie von BRG wird dargelegt, wie sektorale Regulierungsrahmen und die derzeitige Anwendung der Wettbewerbspolitik sich in fast allen Fällen auf den Verbraucherpreis als einzigen Indikator für Wohlstand konzentriert haben, was Ökonomen als statische Markteffizienz bezeichnen. Dies hat dazu geführt, dass strategische Überlegungen im Rahmen der Überprüfung von Unternehmenszusammenschlüssen vernachlässigt wurden, die das Wohlergehen der Europäer durch innovativere, effizientere und wettbewerbsfähigere Dienstleistungen verbessern würden.

Auf der Grundlage von theoretischen Analysen und Beweisen, insbesondere im Telekommunikationssektor, ist die Schlussfolgerung des Berichts eindeutig. Wenn die Behörden bei der kartellrechtlichen Prüfung von Fusionen der dynamischen Markteffizienz Vorrang einräumen, vervielfachen sich die Vorteile für die Verbraucher und die Gesellschaft in allen relevanten Dimensionen: Die Investitionen nehmen zu, die Qualität verbessert sich, es entstehen innovative Produkte, und sogar die Produktpreise sinken, da sie durch andere, den Verbraucherpräferenzen besser entsprechende Produkte verdrängt werden. Darüber hinaus sind dynamisch wettbewerbsfähige Märkte eine wesentliche Voraussetzung für die Verwirklichung der strategischen Ziele der EU in Bereichen wie Sicherheit, Widerstandsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit.
In Anbetracht dessen spricht sich auch Telefónica dafür aus, die dynamische Effizienz sowohl bei der Regulierung der sektoralen Märkte als auch bei der Analyse horizontaler Fusionen zu fördern. Die Wettbewerbsbehörden sollten ihre Entscheidungen auf der Grundlage eines gründlichen Verständnisses der Produktionsstruktur und Wettbewerbsfähigkeit des betreffenden Sektors fällen.
Neue Innovations- und Investitionsmöglichkeiten fusionierter Unternehmen müssen berücksichtigt werden
Im Bericht von BRG, der sich im Kern auf eine Analyse der Wirtschaftstheorie stützt, entwickeln die Autoren eine Methodik für die Bewertung von Fusionen, die auf alle Sektoren anwendbar ist, und die es den Wettbewerbsbehörden ermöglichen würde, ihre derzeitige Praxis zu ergänzen und das zu berücksichtigen, was die Autoren als dynamische Effekte bezeichnen. Dies setzt voraus, dass die Auswirkungen von Fusionen auf andere Aspekte des Marktes als den Preis, der bisher als einzige relevante Variable angesehen wurde, in die Analyse einbezogen werden, wodurch ein auf statische Effizienz beschränkter Ansatz überwunden wird.

Im Vordergrund steht die Idee einer neuen Wettbewerbsregulierung, welche die durch Transaktion geschaffenen Innovations- und Investitionsmöglichkeiten aufzeigt. Damit wird sichergestellt, dass die Ziele der Kommission in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit, Effizienz und Innovation in dem Prozess berücksichtigt werden. Dies eignet sich besonders für einen Sektor wie die Telekommunikation und digitale Infrastruktur, der sich in einem tiefgreifenden technologischen Wandel befindet und Investitionen, Innovation und Anpassungsfähigkeit benötigt, um sein künftiges Wohlergehen zu sichern.
Analyse von Unternehmenszusammenschlüssen einschließlich der dynamischen Effizienz
Die Autoren des Berichts stellen eine dreistufige Methodik auf, die ihrer Ansicht nach mit der derzeitigen Rechtsnorm vereinbar ist, so dass ihre Anwendung keine Gesetzesänderungen erfordern würde. Die drei Schritte sind wie folgt:
- Schritt 1 – Ermittlung der relevanten Dimensionen des Wettbewerbs (öffnet in neuem Tab). Eine dieser Dimensionen ist der Preis, aber auch andere wie Qualität, Vielfalt der Dienstleistungen oder Investitionen müssen mit gleichem, wenn nicht sogar größerem Gewicht berücksichtigt werden.
- Schritt 2a – Formulierung und Bewertung dimensionsspezifischer Theorien über die Auswirkungen des Wettbewerbs (öffnet in neuem Tab). Die ausführliche Überprüfung der ökonomischen Theorie zeigt, dass horizontale Konsolidierungen auch Auswirkungen auf andere wohlfahrtsrelevante Parameter haben, und dass diese Auswirkungen in vielen Fällen positiv sind. Daher sollte die Europäische Kommission diese Möglichkeiten in ihre Analyse einbeziehen und sich nicht allein auf die Preisvariable beschränken.
- Schritt 2b – Berücksichtigung potenzieller Effizienzgewinne (öffnet in neuem Tab) der untersuchten Transaktion, wie Investitions- und Produktionskosten, Zugang zu Technologien, Finanzierungsbedingungen oder organisatorische Fähigkeiten.
Der Bericht ist ein wertvoller Beitrag in der Debatte zur Überarbeitung der EU-Fusionsleitlinien, da die Einführung eines dynamischen Ansatzes bei der Analyse von Unternehmenszusammenschlüssen sehr komplex ist. Diese Komplexität ist jedoch unvermeidlich, wenn positive Ergebnisse für das Wohl der Verbraucher erzielt werden sollen, wie es die derzeitige wirtschaftliche und geopolitische Lage in der EU erfordert. Aus Sicht von Telefónica sollten die Vorteile, die sich für die europäische Gesellschaft aus dynamischen Effizienzen ergeben, voll ausgeschöpft werden.
Dieser Artikel wurde ebenfalls im Telefónica S.A. Blog veröffentlicht:
A dynamic efficiency approach to horizontal consolidations (öffnet in neuem Tab)
Mehr Informationen:
Standpunkt: Überprüfung der EU-Fusionskontrollleitlinien – auf dem Weg zu einem wettbewerbsfähigeren Europa?
Wettbewerbsfähigkeit in der EU: Interview mit Juan Montero Rodil (Telefónica SA)
Standpunkt: Wie ein echter europäischer Binnenmarkt für Telekommunikation erreicht werden kann