Mobilfunk einfach erklärt: Drohnenabwehr braucht verlässliche Netze
Drohnen sind längst kein nerdiges “Nischenthema” mehr, längst sind sie zu einem zentralen Akteur und Problem in der Sicherheitspolitik geworden. In den letzten Monaten tauchten immer häufiger sogenannte unbemannte Flugsysteme über Flughäfen, Kraftwerken und Kasernen auf. Um auf diese Entwicklung zu reagieren, hat die EU im Februar 2026 einen Aktionsplan ausgelegt. Einer der zentralen Ansätze darin: das Mobilfunknetz als Sensor zur Drohnenerkennung nutzen. Wir erklären, welche Technologien dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Die Zahlen sind eindeutig: Allein an deutschen Flughäfen wurden 2024 insgesamt 118 Störfälle durch Drohnen (öffnet in neuem Tab) gemeldet. In neun dieser Fälle musste der Flugbetrieb vollständig eingestellt werden, mit einem wirtschaftlichen Schaden von rund einer halben Million Euro. Bis Ende August 2025 zählte die Deutsche Flugsicherung (DFS) bereits 144 Behinderungen durch Drohnen (öffnet in neuem Tab), was einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach. Über militärische Anlagen in Deutschland gab es laut Bundeswehr seit 2022 über 700 Meldungen (öffnet in neuem Tab) möglicher Drohnenüberflüge, von denen einige staatlichen Akteuren zu Spionagezwecken zugerechnet werden.
Warum ist das Thema relevant?
Was das Problem besonders heikel macht: Drohnen sind billig und für jeden zugänglich. Sie bieten ihren Betreibern plausible Abstreitbarkeit, denn wer eine Drohne fernsteuert, ist schwer zu identifizieren. Damit sind sie das ideale Werkzeug für hybride Bedrohungen, also Operationen, die bewusst die Grenze zwischen zivil und militärisch verwischen. Aktuelle Studien belegen, dass staatliche Akteure, Terrororganisationen und organisierte Kriminalität sie gleichermaßen nutzen.

Um darauf zu reagieren, hat die EU-Kommission im Februar 2026 mit einem Aktionsplan zur Drohnen- und Gegendrohnenabwehrsicherheit (öffnet in neuem Tab) (COM(2026) 81) reagiert. Dabei lautet die Kernbotschaft: Eine Bedrohung gegen einen Mitgliedstaat ist eine Bedrohung gegen die Union als Ganzes. Auch Deutschland sprang auf den Trend auf und beschloss im Winter 2025 Änderungen im Luftsicherheitsgesetz (öffnet in neuem Tab), die Behörden mehr Befugnisse zur Drohnenabwehr geben sollen.v
Was ist die technische Dimension von Drohnenabwehr?
Der Fachbegriff für die Abwehr von Drohnen lautet C-UAS – Counter Unmanned Aircraft Systems. Dahinter verbergen sich mehrere Schritte:
Detektion ist das Aufspüren einer Drohne. Dabei kommen verschiedene Technologien zum Einsatz: klassisches Radar, akustische Sensoren (Mikrofone, die das charakteristische Surren von Drohnen erkennen), Wärmebildkameras sowie Radiofrequenz-Sensoren, die das Steuersignal zwischen Drohne und Piloten orten. Keine dieser Methoden funktioniert allein zuverlässig, gute Drohnenerkennung braucht immer einen Multi-Sensor-Ansatz, der durch KI-gestützte Software zu einem einheitlichen Lagebild zusammengeführt wird.
Tracking und Identifikation meint das Verfolgen und Einordnen einer erkannten Drohne: Wohin fliegt sie, wie schnell, und ist sie behördlich zugelassen, oder eine nicht-kooperative, also möglicherweise feindliche Drohne?
Neutralisierung schließlich beschreibt, wie eine Drohne außer Gefecht gesetzt werden kann: durch Jammen (das Stören des Funksignals), Abfangen durch Netzdrohnen oder im Extremfall durch physische Zerstörung. In der Praxis zeigt sich aber: In bewohnten Gebieten ist aktives Eingreifen oft nicht verhältnismäßig oder rechtlich kaum möglich. Entscheidend ist deshalb vor allem die zuverlässige Erkennung und Verfolgung.
Wie kann 5G bei der Drohnenerkennung helfen?
5G-Netze bestehen aus einem dichten Geflecht von Basisstationen, die ständig mit Endgeräten kommunizieren. Diese Infrastruktur bietet zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze zur Drohnendetektion:
Ein Ansatz ist, verbundene Drohnen frühzeitig zu erkennen. Viele kommerzielle Drohnen sind per SIM-Karte ins Mobilfunknetz eingebunden, sodass man durch Netze auffällige Aktivitäten erkennen kann. Beispiele dafür sind Geräte, die sich ungewöhnlich schnell bewegen, Signale in untypischen Höhen und merkwürdige Datenmuster. Kombiniert mit KI-gestützter Analyse entsteht so ein digitales Frühwarnsystem. Auf diesem Prinzip basiert beispielsweise die Kooperation, die Rheinmetall und die Deutsche Telekom im Mai 2026 angekündigt (öffnet in neuem Tab) haben. Konkret sollen Radiofrequenz-Sensoren an Funkmasten installiert werden, um das Steuersignal zwischen Drohne und Pilot zu orten und die Koordinaten an Sicherheitsbehörden weiterzugeben. In Finnland gibt es bereits ein vergleichbares Modell im Betrieb. Dort kooperiert der staatliche Grenzschutz mit dem Mobilfunkbetreiber Elisa und dem Unternehmen Sensofusion (öffnet in neuem Tab) bei der netzgestützten Drohnendetektion.

Ein weiterer Ansatz wird im Fachjargon “Integrated Sensing and Communication (ISAC)” genannt. Er setzt sich vom vorherigen vor allem dadurch ab, dass er technisch noch ambitionierter ist. Die Grundidee dabei lautet: 5G-Antennen sollen nicht nur senden, sondern auch empfangen, ähnlich wie ein Radar. Funkwellen werden zurückgeworfen, wenn sie auf Objekte treffen. ISAC wertet genau diese Reflexionen aus und kann so Drohnen und andere Flugobjekte orten, auch ohne SIM-Karte und ohne aktives Funksignal. Hier liegt der entscheidende Unterschied zum ersten Ansatz. Der Mobilfunkhersteller Ericsson bezeichnet ISAC als eine der zentralen Zukunftstechnologien für 6G (öffnet in neuem Tab), mit Einsatzfeldern von der Drohnenerkennung bis zur Kollisionsvermeidung autonomer Fahrzeuge. Das internationale Standardisierungsgremium 3GPP arbeitet bereits an ersten ISAC-Spezifikationen für 5G-Advanced.
Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, durch ein Mandat an die CEPT (European Conference of Postal and Telecommunications Administrations), technische Bedingungen für Sensing-Anwendungen zu entwickeln und damit die regulatorischen Voraussetzungen für ISAC zu schaffen. Die nötigen Spektrumbestimmungen sind bereits im kürzlich vorgeschlagenen Digital Networks Act (öffnet in neuem Tab) verankert. Längerfristig könnte ISAC die Grundlage für einen „digitalen Zwilling“ des Luftraums bilden: eine Echtzeit-Karte aller fliegenden Objekte in einem bestimmten Gebiet, ganz ohne dass diese Objekte dafür selbst senden müssten.
Wie geht es weiter?
Der EU-Aktionsplan sieht eine Reihe konkreter Schritte vor. Ab dem zweiten Quartal 2026 will die Kommission Mitgliedstaaten und Industriepartner einladen, zelluläre Drohnendetektionssysteme im Echtbetrieb zu erproben. Parallel dazu sollen alle Drohnen ab 100 Gramm (öffnet in neuem Tab) registrierungspflichtig werden und eine Drohne soll nur noch abheben dürfen, wenn eine gültige Betreiber-Identifikationsnummer eingegeben wurde. Auch ein EU Trusted Drone Label (öffnet in neuem Tab) ist geplant, ähnlich wie Cybersecurity-Zertifizierungen, um Vertrauen in Hersteller und Produkte zu schaffen.
Für den Mobilfunk bedeutet diese Entwicklung, dass Themen rund um den Ausbau des Netzes immer mehr zu sicherheitspolitischen Fragen werden. Effektive Drohnenabwehr kann kein Unternehmen allein leisten. Sie braucht die Zusammenarbeit aller Netzbetreiber, eine klare staatliche Koordination und konkrete öffentliche Beschaffungsmodelle. Die Drohnen fliegen schon heute. Die Frage ist, ob die Infrastruktur, die sie erkennen soll, vertrauenswürdig genug ist, um das auch morgen zu können.
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