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Artikel

Kreidetafel oder Laptop?

04

Nov
2016

Veröffentlicht am 04.11.2016

„Endlich!“ war bei vielen in der Community die Reaktion auf den DigitalPaktD, den Bundesbildungsministerin Johanna Wanka am 12. Oktober offiziell vorstellte. Fünf Milliarden Euro will der Bund über einen Zeitraum von fünf Jahren für Investitionen in digitale Bildung an Schulen und Berufsschulen zur Verfügung stellen – aber nicht alle sind begeistert. Unter Lehrervertretern ist die Digitalisierung der Bildung grundsätzlich umstritten.

„Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse und der souveräne Umgang mit der Technik und den Risiken digitaler Kommunikation ebenso wie das Lernen mittels der vielen neuen Möglichkeiten digitaler Medien“, sagte Johanna Wanka bei der Vorstellung der Initiative. Digitale Infrastruktur in den Schulen verbessere die Chancengerechtigkeit für die junge Generation und sichere Deutschlands Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, so die CDU-Politikerin.

Mit dem Digital Pakt möchte die Bildungsministerin deshalb Länder und Bund verpflichten, die Digitale Bildung in Deutschland voranzubringen. Konkret will der Bund fünf Milliarden für WLAN-Infrastruktur und die Anschaffung nötiger Geräte an 40.000 deutschen Schulen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug sollen die Länder Unterrichtskonzepte entwickeln und Lehrer fortbilden.

Das Bildungsministerium sieht aber auch eine Reihe anderer Maßnahmen vor, zum Beispiel will es regionale Kompetenzzentren fördern – für den Austausch und der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien für Bildung vor Ort. Außerdem fördert das Ministerium die Entwicklung einer ‚Schul-Cloud‘. Damit könnten in der Umsetzung, Schulen überregional miteinander verbunden und zum Beispiel Bildungsmaterialen zur Verfügung gestellt werden.

„Computer bringen im Unterricht kaum etwas“

Kritik kam prompt von Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, der sich auch in der Vergangenheit grundsätzlich gegen die Digitalsierung der Bildung ausgeprochen hatte. In einem Interview mit der Passauer Neuen Presse sagte er zum DigitalPaktD: „Schulen mit Computern, Tablets, Laptops auszustatten, bringt für den Unterricht kaum etwas. Es nutzt am Ende nur der Industrie und den Herstellern. Viele Studien warnen davor, dass Deutschland digital abgehängt werden könnte. Aber man muss auch mal sehen, wer diese Untersuchungen in Auftrag gibt. Das sind die großen Telekommunikationsfirmen. Es gibt keine belastbaren Befunde darüber, dass digitalisierte Schulen zu besseren Schülerleistungen führen.“

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Kraus verwies ebenfalls auf den baulichen Zustand vieler Schulen, für den ebenfalls dringend ein Milliardenprogramm notwendig sei. Ähnlich sieht das die Vizepräsidentin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Elke Hannack: „Wo in Klassenzimmern der Schimmel die Wände hochkriecht und Schulklos verstopft sind, reicht es nicht, Tablets und WLAN bereitzustellen“, sagte Hannack. Die DGB-Vizechefin bekräftigte aber, der Digital-Pakt sei ein richtiger Schritt, könne aber nur ein Teil einer dringend notwendigen, umfassenden Bildungsstrategie sein.

Digitalisierung ist bereits Realität

Einige Lehrer haben bereits öffentlich verkündet, nicht hinter Krauses Ablehnung der digitalen Bildung zu stehen. Ihr Tenor ist: Die Digitalisierung ist längst Realität. Die kritische Auseinandersetzung damit sei aber ebenso notwendig wie die Erarbeitung von Standards für den Unterricht.

Das bekräftigte auch Vera Fricke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Referentin für Verbraucherkompetenz unterstreicht, dass Schulen unabhängig von der Wirtschaft bleiben müssten. In der Tat hatten sich Schulen in der Vergangenheit mangels ausreichend eigener finanzieller Mittel mit Unternehmen zusammengetan, um digitale Medien für den Unterricht anzuschaffen. Die Stadt Düsseldorf wurde bei Ausstattung ihrer Schulen beispielsweise sowohl von Sponsoren aus der Wirtschaft als auch vom Land NRW unterstützt.

Die Bundesregierung möchte seit langem, die Förderung von Investitionen durch den Bund in gesamtstaatlich bedeutsamen Bereichen, wie Bildung und Forschung ermöglichen. Das war bis vor kurzen auf Grund des Kooperationsverbots  zwischen Bund und Länder nicht möglich. 2012 scheiterte der Antrag auf Lockerung des Kooperationsverbotes im Bundesrat, am 14. Oktober 2014 wurde er schließlich im Rahmen der Neuordnung der Bund- Länder Finanzbeziehungen beschlossen.

Ein Argument für die finanzielle Beteiligung vom Bund ist außerdem die Ungleichheit zwischen den Bundesländern im Punkt digitale Infrastruktur zu überbrücken. Der Bund kann nun gezielt finanzschwache Kommunen fördern.

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