Die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft im Blickpunkt der SPD-Bundestagsfraktion

Veröffentlicht am 20.06.2012

Das Schlagwort von der Digitalen Gesellschaft hört man allenthalben – aber was bedeutet es konkret? Welche Auswirkungen hat diese auf die Arbeitswelt, auf die Gestaltung unserer Freizeit und nicht zuletzt auf die Politik? Auf dem Netzpolitischen Kongress der SPD-Bundestagsfraktion wurden unter der Überschrift „Leben und Arbeiten in der digitalen Gesellschaft“ all diese Fragen angesprochen.

Neue Formen der Partizipation
Die Möglichkeiten der Partizipation und aktiven Gestaltung von Politik haben sich in den letzten Jahren vervielfältigt. Social Media gibt interessierten Bürgern die Möglichkeit, sich jederzeit in den politischen Prozess einzuschalten – sie stellen aber auch enorme Anforderungen an die Politiker. Die im Internet Aktiven erwarten, zeitnah gehört zu werden und tatsächlich Einfluss auszuüben. Aber können Politiker dem gerecht werden? Und müssen sie?

Schon 1/6 der Bevölkerung nutzt das Netz als politische Plattform

Den in den Medien entstehenden Eindruck, die Netzgemeinde würde die Mehrheit der Bevölkerung vertreten, widerlegte Prof. Dr. Gerhard Vowe in seinem Referat. 50 % der Bevölkerung seien von den veränderten Möglichkeiten der Partizipation nicht betroffen, da grundsätzlich ein Interesse für Politik fehle. Über 30 % bleiben auf traditionelle Weise engagiert. Das heißt aber im Gegenzug auch, dass aktuell schon etwa 1/6 der Bevölkerung die neuen kommunikativen Mittel nutzt, um sich politisch zu engagieren.

Informationsdichte und Arbeitstempo steigt

Diese Zahlen bildeten die Grundlage für die folgende Diskussion im Panel u.a. mit dem parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, MdB und Christian Stöcker vom Spiegel. Dabei waren sich die Diskutanten einig, dass die Informationen sich verdichten und das Arbeitstempo steigt. Laut Thomas Oppermann sei dies aber nicht nur ein Problem der Politik, sondern das Leben beschleunige sich in allen Bereichen.

Wie kann man Rahmenbedingungen für „digitale Arbeit“ verbessern?
Vor allem in der Arbeitswelt schaffen die neuen Möglichkeiten fast schon eine Pflicht zur ständigen Erreichbarkeit. Die digitale Arbeit war auch Thema des zweiten Panels, das auf ein Gespräch mit Dr. Frank Walter Steinmeier, MdB, folgte, unter anderem mit Hubertus Heil, MdB, Valentina Kerst und Heiko Hebig von Facebook. Dabei wurde deutlich, dass man unter „Digitale Arbeit“ zwei recht verschiedene Dinge verstehen kann. Während Hubertus Heil  seinen Schwerpunkt auf der Digitalisierung der „klassischen“ Berufe und deren Humanisierung legte, bezog sich Heiko Hebig in seinen Redebeiträgen vor allem auf die durch die digitalen Möglichkeiten neu entstehenden Arbeitsplätze und forderte hier mehr Flexibilität.

Umfangreiches Wissen und Forschung zum Thema Internet notwendig

Grundsätzlich notwendig ist aber ein Verständnis und umfangreiches Wissen über das Netz und die dazugehörigen Werkzeuge, so Prof. Dr. Urs Gasser von der Harvard University in seinem Vortrag. Dies kann vor allem mit Hilfe von interdisziplinärer Forschung erreicht werden. Das Internet muss ein größerer und vor allem selbstverständlicherer Teil der Politik werden. Nur so können Regulierungen und Gesetze umgesetzt werden, die zum einen sinnvoll auf die veränderten Bedingungen reagieren und zum anderen nicht schon morgen veraltet sind.

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