BASECAMP One-to-One: Nachgefragt bei Leo Marose

Leo Marose | Foto: Marcel Dykiert
Leo Marose | Foto: Marcel Dykiert
Veröffentlicht am 15.09.2020

Leo Marose | Foto: Marcel Dykiert
BASECAMP ON AIR thematisiert am 16. September Anwendungsfälle in Unternehmen für Weiterbildungen im Bereich Data Science und Data Analytics. CEO und Co-Founder der StackFuel GmbH, Leo Marose haben wir im Vorfeld der Veranstaltung (hier anmelden) zum Interview gebeten:

Ich freue mich auf die Veranstaltung, weil…
… wir hervorragende Gastredner für unser Event gewinnen konnten: Christian Gorczak von Telefónica Deutschland erzählt mehr über das interne „BEYOND“-Projekt und wie die HR-Abteilung Lernreisen für Data Science und Data Analytics gestaltet. Glücklicherweise sind wir ein größerer Part dieser Initiative und können uns als Anbieter für die Datentrainings einbringen. Zudem haben wir mit Laura-Luisa Velikonja jemanden an Bord, die aus erster Hand über die Arbeit als Data Scientist berichten kann. Laura-Luisa ist Senior Data Scientist bei Telefónica und wird uns einige Einblicke geben. Als weiteren Redner haben wir Dr. Philipp Ramin vom Innovationszentrum für Industrie 4.0 gewinnen können. Er spricht darüber, wie die digitale Qualifizierung von Mitarbeitenden zum Wettbewerbsvorteil von Unternehmen werden kann.

An wen richtet sich die Veranstaltung und auf was können sich die Zuschauer freuen?

Die Veranstaltung richtet sich an HR-Professionals in der Personalentwicklung, Führungspersonen aus dem technischen Umfeld sowie interessierte Mitarbeitende, die ihr Wissen im Bereich Data Science und Data Analytics vertiefen wollen. Im Rahmen des Events lernen Teilnehmende, Anwendungsfälle in Unternehmen für Weiterbildungen im Bereich Data Science und Data Analytics kennen und bekommen spezifische Lernstrategien an die Hand, um Data Science in verschiedenen Branchen und Abteilungen zu implementieren.

pixabay geralt Technik Wabe Surreal
Foto: CC0 1.0, Pixabay / geralt / Ausschnitt bearbeitet

Es heißt, Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Wie würdest Du persönlich die Bedeutung von Daten für unser Wirtschaftssystem aber auch für die Gesellschaft einschätzen?

Schauen wir uns Vorreiter wie Amazon, Google oder Tesla an – sie alle sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie mit den Daten, die sie sammeln und analysieren, innovative Produkte und Lösungen entwickeln. Eine professionelle Datennutzung kann nachgewiesener Weise zu positiven Auswirkungen auf den Umsatz, geringeren Betriebskosten, mehr Innovationen, kürzerer Time-to-Market sowie besserer Kundenzufriedenheit und -loyalität führen.

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung von Unternehmen in das Hier und Jetzt katapultiert. Sie ist keine vage Zukunftsvision mehr, sondern entscheidet jetzt und heute darüber, welche Unternehmen weiterkommen. Ich kann dem also nur zustimmen, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind. Aus ihnen werden die Erfolgsgeschichten gegenwärtiger und zukünftiger Unternehmen geschrieben. Dafür müssen Unternehmen aber auch in der Lage sein, ihre Daten zu nutzen.

Die Realität ist, dass viele Unternehmen zwar Daten sammeln, diese aber nicht verwerten können. Digitale Transformation klingt schön und gut, aber um ein Unternehmen wirklich datengetrieben aufzustellen, sind wir auf die Fähigkeiten der Mitarbeitenden in den Unternehmen angewiesen. Das Ganze ist ein „People-Thema“. Indem Arbeitnehmende ihre Kompetenzen im Bereich von Datenanalyse, künstliche Intelligenz und Big Data erweitern, erhalten sie eine einmalige Chance auf dem Jobmarkt. Daten allein reichen also nicht. Die Fähigkeiten der Mitarbeitenden werden im gleichen Maße benötigt. Diese Fähigkeiten sind demnach nicht nur unternehmerisch, sondern auch gesellschaftlich relevant.

Sollte heutzutage jedes Unternehmen über Datenspezialisten*innen verfügen? Und wenn ja, warum? Worin liegt der Mehrwert für Unternehmen?

Sagen wir es so: Mindestens einen Datenexperten braucht jedes Unternehmen (lacht). Und sollte ihn oder sie auch haben. In der Regel gibt es eine zentrale Abteilung aus mehreren Datenspezialisten*innen, u.a. mit Jobrollen wie dem Data Analyst, Data Engineer und Data Scientist. Dieses Team fungiert dann oftmals als internes „Service-Center“. Sind wir realistisch: Die internen Anfragen werden sich häufen und damit die Kapazitäten erschöpfen. Das kennt man auch aus dem Support oder Marketing. Deshalb ist es auch empfehlenswert, in den einzelnen Fachabteilungen ein paar einzelne Spezialisten aufzubauen, die die Daten verstehen und analysieren und dann für die jeweiligen Zwecke der Abteilung weiterverarbeiten und aufbereiten. So lassen sich u.a. Ticket-Staus bei der zentralen Datenabteilung vermeiden. Worauf ich zusätzlich hinaus möchte: Jeder Mitarbeitende braucht Datenkompetenzen. Zumindest die Grundlagen sollte jeder Mitarbeitende verstehen, um seine eigene Arbeit und seine Meetings effektiv umzusetzen und eine datengetriebene Kultur im gesamten Unternehmen zu etablieren. Technische Kompetenzprofile ändern sich ständig im Zuge neuer Tools, Workflows und Prozesse. Die Mitarbeiter*innen müssen befähigt werden, Schritt zu halten und trotzdem effektiv arbeiten zu können.

Warum sollten Unternehmen das eigene Personal in Sachen Daten schulen? Wäre es nicht einfacher und schneller einen Datenspezialisten von extern „einzukaufen“?

Die meisten Unternehmen wissen, dass Daten wichtig sind, dennoch handeln sie noch recht zögerlich bei der Implementierung von Analytics-Tools oder dem Aufbau der angesprochenen Abteilungen. Aber auch auf der Personalseite müssen Arbeitnehmer erst noch davon überzeugt werden, welchen Vorteil die Entscheidung auf Grundlage von Daten für sie hat. Das bedeutet, dass Mitarbeitende Daten durchdenken und kommunizieren müssen. Das betrifft also nicht nur die Datenspezialist*innen, die Daten überhaupt erst zu Tage fördern. Denn die Fähigkeit, fundierte strategische Entscheidungen zu treffen, ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche digitale Transformation. Mitarbeitende, die gut darin sind, Daten zu lesen und aus ihnen Handlungsempfehlungen abzuleiten, sind demnach unentbehrlich für Unternehmen. Momentan ist der Bereich Data Science und Data Analytics zwar populär, aber qualifiziertes Personal ist sehr schwer zu finden und die Gehälter zum Teil recht hoch. Zudem sitzen viele Datenexpert*innen im außereuropäischen Ausland und sind im Recruiting also nicht „mal schnell“ zu holen. Aufgrund des Fachkräftemangels haben Unternehmen, besonders wenn sie nicht in den großen deutschen Metropolen sitzen, also zum Teil keine Chance, Datenexperten*innen zu rekrutieren. Solche „externen“ Datenexperten*innen haben außerdem die technischen Kompetenzen, aber ihnen fehlt zumeist das „interne“ Know-how, was Prozesse, die Branche oder Kundensegmente angeht. Technische Skills allein reichen nicht, um mit Daten effizient zu arbeiten und wirkliche Mehrwerte für die Unternehmen zu schaffen. Vielmehr wäre auch das nur eine weitere Insellösung. Aus diesem Grund macht es oft viel mehr Sinn, bestehende Mitarbeitende weiterzubilden und ihnen die Datenexpertise zu geben, um in der jeweiligen Abteilung den Anforderungen gerecht zu werden. Denn sie kennen das Unternehmen bereits in- und auswendig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

In welchen Anwendungsbereichen werden derzeit Daten am häufigsten genutzt und wie denkst Du wird die Entwicklung in den nächsten 5 bis 10 Jahren aussehen – welche Anwendungsbereiche werden am stärksten wachsen?

Wenn wir auf die Datennutzung in Deutschland gucken, nutzen lediglich acht Prozent der Unternehmen gar keine Daten. Das ist gut. Trotzdem ist es so, dass sich 93 Prozent der Führungskräfte im Jahr 2020 laut einem Report von Oracle NetSuite von Daten in ihren Entscheidungsprozessen verunsichert fühlen. Das Resultat: 67 Prozent der Führungskräfte fällt darauf Entscheidungen nicht datenbasiert. Werden Daten genutzt, fokussieren sich die meisten Unternehmen momentan auf die Anwendungsbereiche Recruiting in der Personalplanung (74 Prozent), klassischerweise in der Finanzplanung sowie der Liquiditätssteuerung (64 Prozent). Lediglich 15 Prozent aller deutschen Unternehmen nutzen Daten für die Simulation von Betriebsabläufen oder Modellrechnungen. Wenn wir in die Zukunft gucken, werden die Abteilungen Business Development, Vertrieb und Marketing immer stärken mit Daten arbeiten, um Neukunden zu gewinnen, Vergleiche mit Wettbewerbern durchzuführen und neue Produkte und Dienstleistungen bzw. neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Es wird ein Umdenken stattfinden: Unternehmen werden nicht nur dort auf Daten setzen, wo sie es schon immer getan haben. Alle Unternehmensbereiche werden in den nächsten zehn Jahren zunehmend datengetrieben arbeiten.

Anmeldung:

Hier können Sie sich zur Veranstaltung anmelden.
Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind.

Programm:

  • Einwahl ab 16:45 Uhr
  • Talk von 17:00 bis 18:00 Uhr

Das Event findet auf Englisch statt.

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