Standpunkt: Energie ist starker Kostentreiber in den Mobilfunknetzen

Credit: iStock/Rudzhan Nagiev, Shutterstock/kanvictory
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Veröffentlicht am 16.01.2026

Im Mai 2025 hat die Bundesregierung den Entschluss gefasst, die Kosten für die Energie in den privaten Haushalten sowie den energieintensiven Unternehmen der verarbeitenden und produzierenden Industrie zu senken. Grundsätzlich ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung!

Jedoch wird bei näherem Hinsehen deutlich, dass ebenso weitere Wirtschaftsbereiche mit hohen Energiekosten zu kämpfen haben – so beispielsweise auch die großen Telekommunikationsnetzbetreiber mit ihren Mobilfunknetzen. Allein o2 Telefónica unterhält im Januar 2026 bundesweit rund 29.000 dezentrale Basisstationsstandorte an Masten, auf Dächern und an anderen vorhandenen Infrastrukturen. Hinzu kommen zahlreiche Rechenzentren, die unter anderem für das Kernnetz benötigt werden. Diese zahlreichen Anlagenstandorte sind mit rund 97% am Gesamtenergieverbrauch des Unternehmens beteiligt. Die Büro- und o2 Shop-Standorte machen hingegen nur etwa rund 3% des Verbrauchs aus.

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Der Energiebedarf der Anlagen- und Technikstandorte ist also enorm. Zwar senkt o2 mit Hilfe von energieeffizienten Mobilfunkstandards wie 5G und technischen Modernisierungen im Netz sowie dem Einsatz von künstlicher Intelligenz auch zukünftig den Energieverbrauch pro Datenpaket und unterstützt damit die Klimaziele für einen nachhaltigen und perspektivisch CO₂-neutralen Betrieb. Doch der Datenkonsum in den Netzen steigt seit Jahren stetig weiter an. Die Folge: Der jährlich steigende Internet- und Telefoniebedarf der Kunden/-innen führt zu einem verstärkten Mobilfunkausbau in der Fläche.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Energiekosten – sie steigen ebenfalls. Zur Einordnung: Insgesamt liegt der Verbrauch des o2 Mobilfunknetzes mit den derzeit rund 29.000 Mobilfunkanlagen und diversen Rechenzentren bei rund 800 GWh/a und damit auf dem Niveau eines energieintensiven Industrieunternehmens. Das Problem: Der Begriff „energieintensiv“ ist gesetzlich nicht klar definiert, er wird nur umrissen. Damit liegt es im Bereich des Ermessens, ob und mit welcher Höhe in Bezug auf die Jahres-Energiebilanz ein Unternehmen den „energieintensiven“ zugerechnet wird.

Insgesamt bleibt festzuhalten:

  1. Energieverbrauch und Bedeutung: Alle Rechenzentren in Deutschland zusammen verbrauchten 2020 rund 16 TWh/a, 2024 lag er bei rund 20 TWh und hat sich damit seit 2010 verdoppelt (Borderstep 2024, vgl. Abbildung 3-2). Einige Experten gehen von einem Anstieg auf bis zu rund 30 bis 60 TWh/a im Jahr 2030 aus, bis 2037 sogar auf bis zu 116 TWh. Andere wiederum sehen den Anstieg sogar bei rund 75 TWh/a im Jahr 2035.
  2. Belastungen durch Energieabgaben: Im Gegensatz zu klassischen Industriebranchen bestehen für die Telekommunikationsbranche kaum Möglichkeiten zur Befreiung oder Entlastung. Die genannten Umlagen steigen kontinuierlich und führen damit zu erheblichen Mehrkosten, die nicht mittels Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden können.Zwar sinken die Netzentgelte für das Jahr 2026, dennoch sind die Telekommunikationsunternehmen weiterhin in hohem Maße von staatlichen Stromnebenkosten betroffen. Dazu gehören insbesondere die KWK-Umlage (Steigerung von 25% auf 60% der Kosten für TEF), die §19-StromNEV-Umlage und die Offshore-Netzumlage. Ab dem Jahr 2027 ff. werden die Netzentgelte erneut negativ auf die Kosten durchschlagen, sollte die Bundesregierung nicht eine dauerhafte Senkung durchsetzen können.
  3. Beitrag zur Energiewende und Energieeffizienz: Die Telekommunikationsbranche ist ein wesentlicher Enabler für die Energiewende und Energieeinsparungen in anderen Sektoren. So unterstützen digitale Infrastrukturen beispielsweise Smart Grids und intelligente Energienetze (flexible Steuerung von Kraftwerkskapazitäten), die Verkehrswende (E-Mobilität, Feinstaub-Analysen) sowie energieeffizientes Gebäudemanagement (Wärmerückgewinnung, Lüftungssteuerung). Industrie und Mittelstand benötigen dafür zunehmend lokale Rechenleistung, aber auch für weitere Anwendungen in Industrie 4.0, Medizintechnik, autonomem Fahren oder Smart Cities.

Jede digital gesteuerte Kilowattstunde kann helfen, den Energieverbrauch in anderen Bereichen deutlich zu reduzieren. Zusätzlich setzt die Telekommunikationsbranche Maßstäbe im Bereich der Energieeffizienz zum Beispiel durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI).

Daraus lassen sich die Hauptforderungen der TK-Branche ableiten:

  1. Anerkennung der Telekommunikationsbranche als energieintensiver Sektor und somit Berücksichtigung der damit verbundenen Strompreisreduktion, z. B. Stromsteuer
  2. Dauerhafte Befreiung oder Deckelung von Stromumlagen für Betreiber kritischer digitaler Infrastrukturen, auch über 2026 hinaus. Dazu gehören insbesondere Netzentgelte, die KWK-Umlage, die §19 StromNEV-Umlage und die Offshore-Netzumlage
  3. Einführung gezielter Förderprogramme für energieeffiziente Rechenzentren und Netzinfrastruktur (z. B. grundsätzliche Abgabenbefreiung)

Sie wollen mehr über das Thema Energiekosten erfahren? Dann lesen Sie hier unser Positionspapier:

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