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UdL Digital Talk mit Frank-Walter Steinmeier und Cherno Jobatey.
Frank-Walter Steinmeier, der heutige Bundespräsident beim UdL Digital Talk im September 2011. Foto: Henrik Andree
Artikel

Wie twittert eigentlich… das Auswärtige Amt?

20

Mai
2016

Veröffentlicht am 20.05.2016

Die offizielle Reaktion des Auswärtigen Amtes auf die Einbestellung des deutschen Botschafters wegen eines Satire-Songs über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ließ zwar etwas auf sich warten, kam dann aber doch – über Twitter. Für das Auswärtige Amt ist Twitter längst ein wichtiger Kommunikationskanal, doch dass Informationen zu allererst als Tweet rausgehen, ist für so manchen altgedienten Hauptstadtkorrespondenten noch gewöhnungsbedürftig. Dabei lohnt sich nicht nur für Journalisten ein Blick auf die diplomatischen Twitter-Accounts der Zentrale des Auswärtigen Dienstes.

„Digital Diplomacy“ auf vielen Kanälen

Deutsche „Digital Diplomacy“ bei Twitter ist gar nicht so übersichtlich. Auf aktuell 69 Kanälen twittern die Botschaften und ständigen Vertretungen – mehr oder weniger aktiv – zur deutschen Außenpolitik und zu den Aktivitäten im jeweiligen Gastland. Die zentrale Kommunikation läuft aber über den deutschsprachigen Account @AuswaertigesAmt, den es seit März 2011 gibt, und das englischsprachige Pendant @GermanyDiplo, das nur wenige Monate später an den Start ging. 385.000 Twitter-User folgen der deutschen Version, 77.000 der englischen. Hinzu kommen die Accounts der Staatsminister. Bärbel Kofler, der Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, folgen aktuell weniger als 1000 Twitter-User. Doch über @AuswaertigesAmt erreichen ihre Tweets zu globalen Menschenrechtsthemen auch ein breiteres Publikum. Auch die Tweets von Michael Roth, Staatsminister für Europa, tauchen regelmäßig im Twitterfeed des Auswärtigen Amts auf. Der twitternde „überzeugte Europäer“ schafft es aber auch allein auf fast 7000 Follower. Nur einer fehlt: der Außenminister selbst. Frank-Walter Steinmeier ist und bleibt überzeugter Facebooker. Obwohl der Chef-Diplomat 2014 sogar ein „Twitter-Interview“ gab und bereits 2011 beim UdL Digital Talk zu Gast war, taucht er im Twitter-Feed der deutschen Diplomatie weiterhin „nur“ als (wichtigster) Hashtag auf.

UdL Digital Talk mit Frank-Walter Steinmeier und Cherno Jobatey.

Frank-Walter Steinmeier, der heutige Außenminister beim UdL Digital Talk im September 2011. Foto: Henrik Andree

Aktivstes Ministerium auf Twitter

Seine Aktivitäten auf Twitter machen das Auswärtige Amt zum Spitzenreiter unter den zwölf twitternden Ministerien. Neben dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz liefert es die viralsten Inhalte in den sozialen Medien, besonders auf Twitter, wo es auf immerhin durchschnittlich sechs Interaktionen pro Tweet kommt. Zum Vergleich: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (circa 10.000 Follower) erzeugt 0,75 Interaktionen pro Tweet. Seine viralsten Tweets sammelt das Auswärtige Amt in einer jährlichen Storify-Liste. 2015 sorgten die Tweets zu den Terroranschlägen in Paris und zum Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung für besonders viel Resonanz. 2014 waren es 25 Jahre Mauerfall und – ganz klar – die Fußball-WM.

Außenpolitik zum Anfassen

Wer jüngst die Twitter-Feeds des Auswärtigen Amts besuchte, fand andächtige Würdigungen und Tweets voller Trauer über den Tod von gleich zwei ehemaligen Außenministern. Dieses „digitale Kondolenzbuch“ ist charakteristisch für die professionelle Social-Media-Arbeit im AA. Häufig sind es die aufrichtigen Beileidsbekundungen nach terroristischen Anschlägen oder die Nachrufe für bedeutende Außenpolitiker, die den Nerv der Twitter-Gemeinde treffen. Das heißt aber nicht, dass der Twitter-Feed nicht auch unterhaltsam sein kann. Selbstironisch retweetete das Twitter-Team vor kurzem ein Regierungsdeutsch-Mashup des AA-Sprechers Martin Schäfer und ärgerte Jan Böhmermann mit Bildern vom Twitter-Merchandising, das nicht nur das Auswärtige Amt als Belohnung für seine Twitter-Aktivitäten zum 10-jährigen Jubiläum des Kurznachrichtendienstes bekommen hatte. Der Großteil der Tweets ist aber der Diplomatie gewidmet. Sie bieten einen Einblick in die Aktivitäten des Außenministers, über dessen Auslandsreisen und außenpolitische Statements. Dabei brilliert das Social-Media-Team mit seinem Storytelling. Dadurch bekommt der Twitter-Follower persönliche und authentische Einblicke in die Welt der internationalen Diplomatie, die Dramaturgie der Ereignisse wird in den Tweets geschickt eingefangen. Besonders beliebt sind auch die regelmäßigen Tweets zu weltpolitischen Ereignissen und Jahrestagen, die mit hochwertigem Bild- und Videomaterial untermalt werden.

Fazit

Die Twitter-Kommunikation des Auswärtigen Amts im Rahmen der Erdoganaffäre kommentierte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth mit den kritischen Worten „140 Zeichen machen noch keine menschenrechtsbasierte Politik“. Ihren eigentlichen Zweck erfüllen sie dafür vorbildlich: Das Social-Media-Team des Auswärtigen Amtes nimmt seine Follower mit in die spannende Welt der Diplomatie. Auch bei der Urlaubsplanung könnte sich ein Blick auf den Twitterkanal des Auswärtigen Amts lohnen. Seine Sicherheits- und Reisewarnungen verbreitet das Ministerium ebenfalls via Twitter und sogar über eine eigene App.

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