Image
Artikel

Start-ups:
Berlins Durchstarter und Einhörner

06

Mrz
2017

Veröffentlicht am 06.03.2017

Es ist ein Kopf an Kopf Rennen, das sich Berlin mit London liefert, um Europameisterin zu werden: als Start-up Hauptstadt. 2015 verdrängte Berlin tatsächlich den bisherigen Champion London mit den höchsten Investitionen für Start-ups. 2016 schaffte es die Bundeshauptstadt aber nur noch auf Platz vier, hinter London, Paris, und Stockholm, belegt eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young.
Start-ups der Bundeshauptstadt erhielten demnach mit insgesamt 1,07 Milliarden Euro zwar weniger Geld als im Vorjahr (2,2 Milliarden Euro), es profitierten dafür aber im vergangenen Jahr in 220 Finanzierungsrunden mehr Unternehmen als 2015. Berlin hofft jetzt, dass der Brexit viele Jungunternehmer von London in den europäischen Wirtschaftsraum nach Berlin zieht.Innovation-Default-Motiv-1500x984

Einhörner beim E-Food

Start-ups, die vor Börsengang mindestens eine Milliarde Dollar wert sind, werden in der Finanzwelt „Unicorns“, auf Deutsch „Einhörner”, genannt. Die Liste der weltweiten Einhörner wird derzeit von dem kalifornischen Taxi-Start-up Uber angeführt, das mit 68 Milliarden Dollar bewertet wird. Unter die Top-Hundert haben es zwei deutsche Unternehmen geschafft – beide stammen aus Berlin und aus der wachsenden E-Food-Branche.
Auf Platz 33 kommt das Start-up Delivery Hero mit einem Wert von 3,1 Milliarden Dollar. Zu dem Unternehmen gehören die Plattformen Lieferheld, Pizza.de und Foodora; sie beliefern über 40 Länder. Hello Fresh schafft es mit einem Wert von 2,2 Milliarden Dollar auf Platz 47. Der Lieferdienst versendet „Kochboxen“ mit den passenden Zutaten zu den beiligenden Rezepten – u.a. vom britischen Starkoch Jamie Oliver.

Berlin, das neue Online-Frankfurt?

Frankfurt mag die Banken-Tower und die Börse haben, aber Berlin startet mit FinTech durch, also im Bereich der digitalen Finanzdienstleistungen. So hat das Start-up FinReach eine Software entwickelt, die den Kontowechsel vereinfacht. Im Dezember 2015 gegründet, nutzen derzeit mehr als 100 Banken die Dienste der Berliner Firma.
Eine Erfolgsgeschichte ist auch der Finanzdienstleister N26. Im vergangenen Jahr sicherte sich das Jungunternehmen in einer Finanzierungsrunde mit PayPal Mitgründer Peter Thiel 40 Millionen Dollar Investment und stockte dies bis heute auf 53 Millionen Dollar auf. Derzeit beschäftigt es 200 Mitarbeiter.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Berlin auch beim neusten Hype der Finanzwelt um Blockchain-Technologie, auf der die Online-Währung Bitcoin basiert, bereits oben auf ist:

„Berlin ist die Blockchain-Hauptstadt Europas”, heißt es in einer neuen Studie der Technologiestiftung Berlin.

Nicht umsonst also kündigte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem 10. Nationalen IT-Gipfel im Saarland an, Berlin – als eine von bundesweit fünf digitalen Hubs – mit den Themen Finanzwesen und Internet der Dinge fördern zu wollen. Wachsende Branchen der digitalen Start-up-Szene von Berlin sind neben FinTech, IOT und E-Commerce die Bereiche Mobilität und Gesundheit.

Politik für Start-ups?

Dennoch gibt es noch Nachholbedarf, um optimale Rahmenbedingung für den „Start-up-Standort Berlin“ zu fördern, den sich auch die neue Berliner Regierung im Koalitionsvertrag wünscht, zum Beispiel mit schnellem Internet und freiem WLAN.

„Dieser Geist, Neues auszuprobieren und mit Start-ups zusammenzuarbeiten, ist nicht gut ausgebildet in Deutschland“

bei der Industrie und Politik, stellte Start-up-Gründerin Raffaela Rein beim UdL Digital Talk fest. Sie sieht Bedarf bei den Rahmenbedingungen für deutsche Start-up-Standorte. Damit diese genauso florieren wie in der britischen Hauptstadt, müsse es laut Rein einen Kulturwandel geben und die Politik Bedingungen für Kapitalgeber verbessern. Mehr Unternehmensgeist an den deutschen Hochschulen wünschte sich der Gründer Ijad Madisch im UdL Digital Talk mit Michael Müller und stimmte zu, dass die Politik „die Gründerszene auch zu einem großen Teil in Ruhe lassen“ und nicht überregulieren sollte, wie es der Regierende Berliner Bürgermeister formulierte.

Wir weisen darauf hin, dass bei unseren öffentlichen Veranstaltungen auch Bild- und Tonmaterial in Form von Fotos oder Videoaufzeichnungen durch von uns beauftragte oder akkreditierte Personen und Dienstleister erstellt wird. Die Aufnahmen werden für die Event-Dokumentation und Event-Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen des BASECAMP genutzt. Sie haben das Recht auf Information und weitere Betroffenenrechte. Informationen zu unseren Datenverarbeitungen sowie Ihren Betroffenenrechten finden Sie hier.

Über den Autor

Elena Esnaola ist Repräsentantin Berlin und arbeitet im Bereich Government Relations bei Telefónica Deutschland.