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Foto: Laura Kastenholz
Artikel

Satelliten-Internet:
Macht Weltraumschrott das Web kaputt?

03

Mai
2017

Veröffentlicht am 03.05.2017

Schon ein Lacksplitter in der Größe eines Fingernagels reicht im All aus, um bei einer Kollision einen ganzen Satelliten lahmzulegen. Um die 750.000 solcher Objekte, die größer als ein Zentimeter sind, umkreisen derzeit die Erde mit Hochgeschwindigkeit. Größer als zehn Zentimeter sind weitere 16.000 Teile des Weltraummülls. Dazu gehören auch eine Reihe kompletter Satelliten, die inaktiv oder abgeschaltet sind. Treffen sie auf einen aktiven Satelliten könnten sie mancherorts leicht das Internet oder den Mobilfunk ausschalten.

Satelliteninternet ist derzeit (noch) nicht sehr verbreitet in der Welt. In Deutschland haben etwa 30.000 Nutzer Internet über Satellit, in den Statistiken über Internetzugang tauchen sie gar nicht erst auf. Das Internet aus dem All gilt als teuer und oft werden Datenmengen begrenzt. Außerdem benötigen Nutzer eine Satellitenschüssel für den Empfang. Satelliteninternet eignet sich vor allem für entlegene ländliche Gebiete, wo die Infrastruktur von Datenleitungen noch nicht ausgebaut ist. Aus diesem Grund, so argumentieren große Firmen wie Google und Facebook, wollen sie Satelliten nutzen, um bis dato vom Internet abgeschnittene Bevölkerung zu vernetzen.

Es wird eng im All

Damit wird nicht nur der Weltraumschrott mehr, auch die Pläne für neue Satelliten, die ins All geschossen werden sollen, werden immer exorbitanter – im wahrsten Sinne des Wortes. Derzeit sind etwas über 1.400 aktive Satelliten im All. Sie dienen der Wissenschaft, militärischer Überwachung, Navigation, Kommunikation oder der Meteorologie. Allein das von Tesla-Chef Elon Musk geleitete Unternehmen Space X will in Kooperation mit Google 4.425 Satelliten für die Internetversorgung in die Erdumlaufbahn schicken. Nach neusten Berichten soll das Unternehmen vor kurzem 7.518 weitere Satelliten bei der zuständigen amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) beantragt haben. Auch Boeing, Samsung, Facebook und One-Web wollen mit sogenannten Mega-Konstellationen von mehreren Tausend Satelliten die Welt mit Internet versorgen. Dass Apple kürzlich zwei Satelliten-Experten von Google abwarb und Gespräche mit Boeing aufnahm, wird in der Fachwelt als Indiz gewertet, dass auch dieser Konzern ein Angebot im All starten will.

Müllabflug im Weltraum

Nicht nur angesichts des Wettrennens um das Internet aus dem All hat die Müllvermeidung und -entsorgung im Weltraum höchste Brisanz.

„Unser Verständnis vom wachsenden Weltraummüllproblem kann mit unserem Verständnis von dem Aufklärungsbedarf über den globalen Klimawandel vor 20 Jahren verglichen werden“,

sagt Prof. Heiner Klinkrad, Leiter des Space Debris Office der ESA auf der 7. Internationalen Konferenz über Weltraumrückstände in Darmstadt, organisiert von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Hier berieten Weltraumagenturen, Industrien, Regierungen, Universitäten und Forschungseinrichtungen über Strategien und Missionen zur Beseitigung von Weltraumschrott. Am besten ist es, wenn der Müll im All gar nicht erst entsteht oder wenn Satelliten so gebaut werden, dass sie am Ende ihrer vorgesehenen Lebenszeit automatisch die Umlaufbahn verlassen, um in der Erdatmosphäre zu verglühen. Aber das ist nicht für jeden Satelliten möglich. Greifarme und Netze könnten beispielsweise ausgediente Satelliten einfangen, um „aktive Beseitigung“ zu leisten. Hierfür wünschen sich die Teilnehmer mehr Forschungsarbeit und Pilotprojekte. Außerdem soll das Thema auch in der UN angegangen werden. Internationale Regelungen zur Entsorgung des Abfalls im Weltall gibt es noch nicht.

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Über den Autor

Elena Esnaola ist Repräsentantin Berlin und arbeitet im Bereich Government Relations bei Telefónica Deutschland.