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Foto: CC BY-SA 2.0 Flickr User re:publica/Jan Zappner. Bildname: #rp17-Tag3. Ausschnitt bearbeitet.
Artikel

Roboter vs. Politiker:
Kann Künstliche Intelligenz Politiker ersetzen?

23

Jul
2018

Veröffentlicht am 23.07.2018

Der Roboter Sophia fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor kurzem mitten in der Unionskrise, welches Mitglied ihres Kabinetts sie mit einem Roboter ersetzen könnte. Diplomatisch antwortete Merkel, dass ihr alle Kabinettskollegen – als Menschen – lieb seien, man aber einen extra Stuhl für den künstlich-intelligenten Minister an den Tisch schieben könnte. Ist das Zukunftsmusik? In der Tokioter Präfektur Tama trat im April erstmals ein „AI Mayor“ zu einer Bürgermeisterwahl an. Sein Entwickler, der Japaner Michihito Matsuda, arbeitet mit Google und Softbank zusammen, um seine KI mit Fakten und Dokumenten zur japanischen Politik auszustatten. Der Roboter könne heute schon 80 Prozent der Arbeiten eines menschlichen Bürgermeisters übernehmen, glaubt Matsuda.

Roboter vs. Politiker

Weder links, rechts noch konservativ – anstatt die Wähler(innen) von seiner politischen Meinung überzeugen zu wollen, warb der Japaner Matsuda mit etwas Anderem: purer Rationalität. Sein Roboter „Al Mayor“ würde die Wünsche der Bürger(innen) von Tama aggregieren und basierend auf den vorhandenen Daten den besten Weg ausrechnen, um diese zu implementieren. Mit „Al Mayor“ ließen sich die Vor- und Nachteile von Gesuchen der Bürger(innen) mit Hilfe statistischer Methoden gegeneinander abwägen, ohne eigene Interessen in die Entscheidung einfließen zu lassen. Natürlich durfte der Roboter nicht selbst zur Bürgermeisterwahl antreten – der menschliche, 44-Jährige Matsuda basierte allerdings sein Wahlversprechen  darauf, dass der Roboter das politische Handeln übernimmt.

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Foto: CC BY-SA 2.0 Flickr User re:publica/Jan Zappner. Bildname: #rp17-Tag3. Ausschnitt bearbeitet.

Scheiterte die Möglichkeit rationalen Regierens lange Zeit mindestens an menschlichen Emotionen, die den einen oder anderen etwa zu Betrug oder Machtstreben verleiten, scheint es, als könne man dem Ideal rationalisierter Herrschaft nun mit KI-gestützter Politik näher kommen. Schließlich haben Roboter keine Gefühle.

Dazu braucht es offene Daten– doch auch dieser Trend gesetzt. Zukunftsforscher Michael Carl vom Think Tank 2b AHEAD meint:

„Wir erwarten, bereits in naher Zukunft Systeme künstlicher Intelligenz zu sehen, die in Ministerien und Kanzleramt alltägliche Entscheidungen überprüfen. Damit wird die Leistungsfähigkeit des eigenen Algorithmus zum Qualitätsmerkmal von Politikern.“

Die vollautomatisierte Kommune

Wählen wir in Zukunft also nicht mehr zwischen den Parteiprogrammen von CDU/CSU, SPD, FDP, Grünen oder Linken, sondern zwischen ihren Algorithmen? Das wäre dann sozusagen ein demokratisch legitimierter Regierungscomputer.

Ein faszinierendes Szenario der Zukunft, in dem überhaupt keine Politiker(innen) mehr involviert sind, zeichnete der Soziologe und Mitarbeiter des Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme (FOKUS), Dr. Mike Weber, letztes Jahr bei den Hannah-Arendt-Tagen: die vollautomatisierte Kommune. Durch selbstlernende Systeme und die datenbasierte Errechnung des gesellschaftlichen Bedarfs unter Berücksichtigung politischer Zielsetzungen könnten selbst Bauprojekte, Kampagnen und Gesetze von Maschinen entwickelt und organisiert werden. Wie weit in der Ferne liegt dieses Szenario? Weber meint, im Jahr 2025 könnten die Kommunen mindestens teilweise automatisiert sein. KI-gestützte Roboter könnten dann z. B. unter Berücksichtigung der Baukosten, Naturbelastung und Entlastung der Verkehrssysteme berechnen, wo die neue Straßenbahnlinie idealerweise lang führen soll.

Ende von Politik und Demokratie?

Doch bedeutet der Vorteil kluger und sachgerechter Entscheidungen von künstlichen Intelligenzen gleichzeitig die Verabschiedung von der Demokratie? Die politische Theoretikerin Hannah Arendt beschrieb den Menschen in ihrem Buch „Vita Activa“ als wesenhaft politisch – laut Weber hätte man es bei der voll automatisierten Kommune aber mit einem „Ende der Politik“ zu tun.

Auch die Juristin und IT-Unternehmerin Yvonne Hofstetter macht sich Sorgen. In ihrem Buch „Das Ende der Demokratie: Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt” warnt sie vor einem „Ende der Demokratie“. Denn wenn nicht mehr die Bürger selbst bestimmen, was für sie am besten ist, sondern Maschinen, braucht es auch keine Demokratie mehr. Ihrer Meinung nach gibt es aber auch Auswege, wie die Demokratie in der digitalen Zukunft erhalten bleiben kann. Vor allem an der Architektur und den Programmcodes der KI-Systeme müsse ihrer Ansicht nach gearbeitet werden.

Sophia statt Altmaier

Peter Altmaier schrieb neulich in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt:

„ [KI] ist eine Basis-Innovation, die schon in wenigen Jahren alle Wirtschafts- und Lebensbereiche durchdrungen haben wird.“

Sitzt also wirklich bald Roboter Sophia anstelle von ihm am Kabinettstisch? In den kürzlich veröffentlichten Eckpunkten zur KI-Strategie der Bundesregierung heißt es zumindest:

„Die Bundesregierung möchte beim Einsatz von KI eine Vorreiterrolle einnehmen.“

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