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Foto: Henrik Andree
Artikel

Freies vs. starres Denken: Smart Industry, KI und Big Data beim Innovationsforum

22

Mrz
2018

Veröffentlicht am 22.03.2018

Foto: Hnerik Andree
Knöpfe im Ohr, die uns in Echtzeit die Worte des Gegenübers übersetzen, Roboter, die uns bei Müdigkeit unter die Arme greifen – der technische Fortschritt macht es möglich. Neue Geschäftsmodelle tun sich auf und die Errungenschaften der digitalen Welt halten zunehmend auch Einzug in unseren Alltag. Ein besonderes Thema dabei: künstliche Intelligenz. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Innovationsforums am 21. März im Telefónica BASECAMP haben sich dazu ausgetauscht.

Künstliche Intelligenz wird die Welt verändern.“ Da ist sich Oliver Frese, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG, sicher. Sie könne in Zukunft beispielsweise eine Weltsprache entwickeln: „Es wird nicht mehr lange dauern, dann hat jeder einen Knopf im Ohr, der direkt übersetzt, was der andere sagt – egal in welcher Sprache.“ Das Besondere an künstlicher Intelligenz sei, dass die Maschinen nicht mehr nur das tun, für das der Mensch sie programmiert hat, sondern zukünftig selbstständig agieren und vor allem lernen.

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Marc Siemering, Geschäftsbereichsleiter Industry, Energy, Logistics der Deutschen Messe AG | Foto: Henrik Andree

Marc Siemering, Geschäftsbereichsleiter Industry, Energy, Logistics der Deutschen Messe AG, veranschaulicht das anhand von so genannten Cobots – Collaborative robots. Beispielhaft beschreibt er eine Mitarbeiterin, die sich bei ihrer Arbeit oft bücken muss und dabei auf Dauer ermüdet. Der Cobot kenne „seine“ Mitarbeiterin, erkenne ihre Müdigkeit und könne ihr dann beispielsweise Material anreichen. Wird der Roboter die Mitarbeiterin langfristig auch ersetzen? Nein, meint Siemering: „Die Cobots treten nicht in Konkurrenz zum Arbeitsplatz, sondern sie ergänzen ihn.“

Internetsicherheit bleibt Knackpunkt

Ob die Bevölkerung künstliche Intelligenz ähnlich positiv sieht, hat das Meinungsforschungsunternehmen CIVEY untersucht. Das Ergebnis: Knapp über 30 % der Befragten denken, dass künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft positiv verändern wird. Zugleich herrscht jedoch auch Unsicherheit: Ein Großteil der Befragten geht davon, dass künstliche Intelligenz die Sicherheit im Internet – vor allem in Bezug auf Informationen – zukünftig eher verringern wird.

Das Thema Internetsicherheit treibt auch die Diskutanten im BASECAMP um. Vor allem die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) darf aktuell scheinbar bei keiner Diskussionsrunde fehlen. Alexander Kulitz, Abgeordneter der FDP-Bundestagsfraktion, kritisiert scharf: „Wie kann man ein Gesetz verabschieden, das so komplett an der Realität vorbei ist?“ Vor allem Mittelständler stelle die Verordnung vor große Probleme, denn alle Bundesländer interpretierten die Verordnung unterschiedlich. Die Folge: „Bis zum 25. Mai soll man jetzt etwas umgesetzt haben, obwohl einem keiner sagen kann, was genau eigentlich umzusetzen ist.“

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Dr. Sebastian Hallensleben vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V., Hans-Wilhelm Dünn, Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V., Moderatorin Teresa Sickert, SPIEGEL ONLINE, Oliver Frese, Deutsche Messe AG, Alexander Kulitz, Abgeordneter der FDP-Bundestagsfraktion und Jens Redmer, Head of New Products and Solutions von Google | Foto: Henrik Andree

Jens Redmer, Head of New Products and Solutions von Google, betont hingegen die große Bedeutung der DSGVO für Start-ups: Sie drängen auf internationale Märkte und es sei dabei schwierig, jedes einzelne ihrer Produkte an die Datenschutzregeln im jeweiligen Land anzupassen. Europaweit einheitliche Regelungen seien daher entscheidend. Redmer sieht jedoch auch die Schwierigkeiten, vor die die DSGVO die jungen Unternehmen stellt: „Für große Unternehmen wie uns ist die Umsetzung mühsam – aber machbar. Start-Ups hingegen fehlen häufig die Ressourcen.“

Sorgenkind Mittelstand

Generalsekretär des Cyber-Sicherheitsrats Deutschland e. V., Hans Wilhelm Dünn, sieht ebenfalls Unterstützungsbedarf: „Man muss Start-ups bei dem Thema von Anfang an innovativ unterstützen.“ Das gelte ebenso für mittelständische Unternehmen, wobei es zunächst vor allem um den Aufbau von Verständnis für das Thema IT-Sicherheit gehe: „Wenn wir nicht dafür sorgen, dass ein KMU versteht, warum Cybersicherheit wichtig ist, dann brauchen wir auch keine Verordnungen.“

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) hat sich der Mittelständler angenommen. „Der VDE hat es sich auf die Fahne geschrieben, dem Mittelstand auf dem Weg der Digitalisierung zu helfen“, erklärt Dr. Sebastian Hallensleben aus dem Bereich Digitale Technologien vom VDE und berichtet: „Probleme haben die Mittelständler beim Thema Digitalisierung schon bei den Grundfragen: Wo fange ich denn an?“

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Dr. Thomas Becks, Leiter des Bereichs Technik und Innovation beim VDE | Foto: Henrik Andree

Überforderung im Mittelstand? Prof. Dr. Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ahnt warum: „Der Mittelstand tickt ein bisschen anders.“ An den Spitzen befänden sich häufig Patriarchen mit der Einstellung: “Wir haben schon zwei Weltkriege überlebt, wir werden auch die Digitalisierung überleben.“ Dieses Mindset lasse sich nicht so leicht ändern. Eine Chance sieht Dr. Kawohl in der neuen Generation: „Man müsste zum Beispiel mal einen Flixbus-Gründer in den Vorstand der Deutschen Bahn bringen.“

Stillstand ist nicht zukunftsfähig

Auch Dr. Thomas Becks, Leiter des Bereichs Technik und Innovation beim VDE, sieht ein Problem im Mindset vieler Mittelständler. Viele scheuten Veränderung, dabei gelte: „Die Kompetenz zur Veränderung ist eine Kernkompetenz von Zukunftsunternehmen.“ Große Unternehmen gingen immer nur einen Schritt weiter, wobei jedoch nichts wirklich Neues entstehe. „Start-ups hingegen kommen von der grünen Wiese. Die können völlig frei denken“, meint Dr. Becks. Auch deswegen bestehe Bedarf, diese Welten – Start-ups und eingesessene Unternehmen – näher zusammenzubringen.

Formate, die dies tun, sowie die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sind laut Redmer von Google entscheidende Faktoren beim Vorantreiben der Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen. Denn die ist nicht mehr aufzuhalten: „Die Digitalisierung startet nicht gerade, wir sind mittendrin. Vor einiger Zeit galt das vielleicht noch als Zug, auf den man aufspringen konnte. Aber heute gilt: Wenn man nicht dabei ist, dann ist das so, als wenn man in seinem Betrieb keine Steckdosen hat.“

von Luise Schneider

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