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Artikel

Wahl in Niedersachsen:
Social-Media-Check der Parteien

17

Jan
2013

Veröffentlicht am 17.01.2013

Am Sonntag wählt Niedersachsen einen neuen Landtag. Alle größeren Parteien Niedersachsens sind in Social-Media-Kanälen präsent – doch wie nutzen sie facebook, Twitter und Co.? Der erste Teil unserer Serie widmet sich der CDU und der SPD.

Online-Wahlkampf in Niedersachsen

Spätestens nachdem das YouTube-Video „So machen wir das“ der CDU Niedersachsen im Oktober einen kleinen Shitstorm auslöste, wurden zwei Dinge klar. Erstens: Wahlkampf findet bei der Wahl in Niedersachsen auch über neue Medien statt. Zweitens: Die meinungsbildende Kraft von Internetusern sollte keineswegs unterschätzt werden.

Eine ausgefeilte Social-Media-Strategie beruht auch im Umfeld von Wahlen darauf, selbst spielerisch Teil der Social Community zu werden und Multiplikatoren anzusprechen, die selbst als „Freunde von Freunden“ in sozialen Netzwerken politische Botschaften übermitteln. Wie gelingt dies der CDU und der SPD im niedersächsischen Wahlkampf?

Reichweite ist nicht gleich Reichweite

Beide Parteien sowie deren Spitzenkandidaten sind auf den wichtigsten Social-Media-Kanälen aktiv. Während der Landesverband der SPD Niedersachsen sowohl auf facebook als auch auf twitter über leichte Reichweitenvorteile verfügt, liegt CDU-Kandidat David McAllister dennoch reichweitentechnisch vor seinem Konkurrenten Stephan Weil: 15.730 gegen 6.459 Likes auf facebook sprechen für die Popularität und Bekanntheit des amtierenden Ministerpräsidenten. Doch Reichweite allein sichert noch lange keine Wählerstimmen – vielmehr kommt es darauf an, „friends of friends“ über virale Effekte zu erreichen.

facebook-Präsenz der CDU Niedersachsen

Die Redaktion der facebook-Seite des Landesverbands der CDU teilt vor allem positive Artikel, Umfrageergebnisse sowie das eine oder andere Posting des Spitzenkandidaten McAllister. Kreativ erscheint die Serie „100 Gründe, am 20. Januar 2013 zu wählen“, welche 100 Tage vor der Wahl in Niedersachsen startete und täglich einen Grund zur Wahl der CDU vorstellt. Betrachtet man jedoch Anleitungen für das perfekte facebook-Posting, dann wirkt die Idee aufgrund der Textlastigkeit nicht optimal umgesetzt. Abwechslungsreicher und bunter geht es auf der facebook-Seite McAllisters zu: Zwar bleibt unklar, welche der Postings von McAllister persönlich stammen, doch wird der Einsatz von Bildern aus dem Wahlkampf oder Graphiken wie der „Zahl des Tages“ sicher den Weg in den Newsfeed der „friends of friends“ schaffen. Was ausbaufähig ist, sind Ansätze, die eigenen Fans als politische Player einzubinden: Einzig das angebotene „I’m a Mac“-Badge, das User ihrem Profilbild hinzufügen können, verwandelt die Fans gut sichtbar in CDU-Unterstützer – die virale Wirkung bleibt jedoch bei bisher 383 Nutzern überschaubar.

Kommunikation mit dem User ausbaufähig

Während auf facebook durchaus auf Kommentare der User eingegangen wird, überzeugen die twitter-Profile des Landesverbands sowie McAllisters zwar durch informative Tweets mit interessanten Links und Wahlkampfhinweisen – persönliche Kommunikation findet hier jedoch noch zu wenig statt. Die Reply-Rate des Landesverbands ist mit 7,8% gering, wobei ein Großteil der Replies zudem auf David McAllister verfällt, der selbst nur auf eine Reply-Rate von 1,12% kommt. Damit bleibt ein zentraler Vorteil von Twitter – die Möglichkeit des offenen Dialogs – fast ungenutzt. Immerhin: Vor allem während Großveranstaltungen läuft die Tweetmaschine des Landesverbands auf Hochtouren, auch die Bespielung des Twitter-Accounts während des TV-Duells zwischen David McAllister und Stephan Weil war intensiv. Verschiedene Medien sprachen gar davon, dass das Duell auf Twitter angriffslustiger war, als im Fernsehen. Auch ein von der CDU Niedersachsen initiierter Faktencheck-Blog über die Aussagen der Duellanten folgte prompt und konnte auf Twitter und facebook wiederum für Wahlkampfmanöver genutzt werden.

SPD Niedersachsen auf facebook

Was hält die SPD im Online-Wahlkampf dagegen? Die facebook-Präsenz des SPD-Landesverbands Niedersachsen erscheint auf dem ersten Blick multimedialer, was auch an einer intensiveren Nutzung des YouTube-Kanals liegt, in dem sich Spitzenkandidat Stephan Weil im Laufe des Wahlkampfs immer häufiger zu Wort meldete. Im Vergleich zur facebook-Seite der CDU Niedersachsen geht es beim SPD-Landesverband bunter zu, was auch daran liegt, dass die Seite Inhalte von Parteigenossen teilt – nicht nur von Stephan Weil, sondern auch von Direktkandidaten einzelner Wahlkreise oder Untergruppen wie dem „Jungen Team Stephan Weil“. Spitzenkandidat Stephan Weil ist bestrebt, mit Hilfe von Bildern Bürgernähe zu zeigen und den Wahlkampf zu dokumentieren. Einzig: Im Gegensatz zur Seite von McAllister werden die Postings bei Stephan Weil teilweise mit seinem Kürzel „SW“ oder aber mit „(red)“ für die Redaktion „signiert“.

Kommunikation der SPD mit dem User

Für jede Menge Informationen ist bei Stephan Weil genauso gesorgt, wie bei David McAllister – doch wie steht es mit innovativen Konzepten, wie mit der User-Kommunikation, oder der Generierung viraler Effekte über Multiplikatoren? Wie schon bei McAllister wird auf facebook auf Kommentare einzelner User eingegangen, der Twitter-Account Stephan Weils weißt jedoch neben Zitaten und informativen Wahlkampftweets nur wenige Replies auf. Der Twitter-Account der SPD Niedersachsen fungiert als gutes Beispiel, wie zwischen zahlreichen Informationen zum aktuellen Wahlkampfgeschehen immer wieder auf Tweets anderer User eingegangen wird.

SPD-Apps: Gute Ideen mit (noch) zu wenig Durchschlagskraft

Neben facebook, Twitter und YouTube macht die SPD Niedersachen im Vorfeld der Wahl auch mit zwei mobilen Anwendungen auf sich aufmerksam. Mit der „Niedersachsen App“, die nur über den Apple-Store angeboten wird, können sich die Nutzer über die 87 Direktkandidaten der SPD Niedersachsen informieren und mit diesen in Kontakt treten. Einen Schritt in Richtung Augmented Reality wagt die SPD Niedersachsen mit der „Weil-App“, die auch für Android-Handys verfügbar ist. Wenn Nutzer der App auf ein SPD-Plakat treffen, können Sie dieses mit ihrem Smartphone scannen und erhalten daraufhin von Stephan Weil persönlich weitere Informationen. Für virale Effekte sorgen die Apps aber kaum, was nicht zuletzt an geringen Downloadzahlen liegt.

Online-Wahlkampf noch in den Kinderschuhen

Fazit: CDU und SPD in Niedersachsen nutzen die wichtigsten Social-Media-Kanäle, um ihre Fans und Follower mit Informationen zu versorgen. Die Potentiale des Social-Media-Wahlkampfs – auch in Hinsicht auf die Bekämpfung von Politikverdrossenheit – bleiben jedoch zum Teil ungenutzt: CDU und SPD bieten noch zu wenige Anreize, sich in sozialen Netzwerken für ihre Themen einzusetzen.

Wie Grüne, FDP, Linkspartei und Piraten vor der Wahl in Niedersachsen Social Media für ihre politische Kommunikation nutzen, können Sie im zweiten Teil unserer Serie nachlesen.

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