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Sven Volmering, MdB, Pressefoto: DBT/Stella von Saldern
Artikel

Interview mit Sven Volmering über Digitale Bildung

17

Nov
2016

Veröffentlicht am 17.11.2016

Die Digitalisierung in Gesellschaft und Arbeitswelt schreitet unaufhörlich voran, nur um die Digitale Bildung ist es in Deutschland noch nicht allzu gut bestellt. Mit der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft, die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka im Juni vorgestellt hat, soll das jetzt anders werden. Mit dem Investitionsprogramm DigitalPakt#D will das BMBF außerdem Digitale Bildung in den Bundesländern fördern. Auch der Nationale IT-Gipfel am 16. und 17. November in Saarbrücken hat dieses Jahr den Schwerpunkt Digitale Bildung. Deshalb wollen wir es genauer wissen: Was passiert in der Bildung in puncto Digitalisierung? Was sind die Ansätze, Herausforderungen und Vorhaben? In unserer Interviewreihe zur Digitalen Bildung in Deutschland haben wir Akteure aus Politik und Wissenschaft befragt. Heute im Interview mit UdL Digital: Der Bundestagsabgeordnete Sven Volmering, Berichterstatter für Digitale Bildung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Sven Volmering ist Mitglied im CDU-Landesvorstand und Vorsitzender des Netzbeirats der CDU Nordrhein-Westfalen. Der Politikwissenschaftler und frühere Oberstudienrat ist seit 2013 Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Ordentliches Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Sven Volmering erinnert im Interview mit UdL digital daran, dass nun die Bundesländer den Ball ins Tor versenken müssen, den Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) mit dem DigitalPakt#D in ihr Feld gespielt hat. Denn nur im Zusammenspiel von Bund und Ländern werde Deutschland im Bereich der Digitalen Bildung erfolgreich sein, sagt der Berichterstatter für Digitale Bildung der CDU/CSU Fraktion. Die Idee von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), eine Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung zu entwickeln, um Arbeitnehmer besser auf die Arbeit 4.0 vorzubereiten, betrachtet er hingegen skeptisch.

Man gewinnt den Eindruck, dass Deutschland in puncto digitaler Bildung derzeit noch ein Flickenteppich ist. Was muss Ihrer Meinung nach besser werden? Was erwarten Sie von den Ländern in dieser Hinsicht?

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Sven Volmering, MdB, Pressefoto: DBT/Stella von Saldern

Deutschland hat einen Nachholbedarf bei der Digitalen Bildung. Dies haben verschiedene Studien festgestellt. Vor diesem Hintergrund hat sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion in dieser Legislaturperiode sehr früh mit dem Thema der Digitalen Bildung auseinandergesetzt und bereits seit 2014 einen Pakt für Digitale Bildung gefordert, der alle staatlichen Ebenen, Wirtschaft und Gesellschaft umfasst, um einen Schritt voran zu kommen. Im Rahmen seiner Zuständigkeiten hat das BMBF eine Reihe von Maßnahmen bereits auf den Weg gebracht. Exemplarisch nenne ich die Schaffung eines Internet-Instituts, die Neueinrichtung des Forschungsfelds „Digitale Hochschule“, die OER-Förderung, das Förderprogramm Digitale Medien in der beruflichen Bildung sowie die Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Auf Betreiben der CDU/CSU-Bundestagsfraktion haben die Koalitionsparteien im Juli 2015 im Bundestag mit dem Antrag Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden Bund und Länder aufgefordert, eine Strategie Digitales Lernen zu entwickeln. Diese werden die Länder im Dezember vorstellen. Wenn die Digitale Bildung gelingen soll, müssen die Länder im Rahmen ihrer Zuständigkeiten ebenfalls agieren. Dies betrifft vor allem die Fragen der Lehreraus-, fort- und Weiterbildung, die Ausstattung der Schulen mit Finanzmitteln und mit pädagogischen Konzepten.

Das Bundesbildungsministerium hat mit dem DigitalPakt#D ein fünf Milliarden Euro-Investitionsprogramm für digitale Bildungsinfrastruktur in Schulen angekündigt. Im Gegenzug sollen sich die Länder verpflichten, „digitale Bildung zu realisieren“. Wie optimistisch sind Sie, dass es zu einer Einigung mit den Ländern kommt und wie bewerten Sie die Initiative des BMBF?

Die Ankündigung, dass der Bund bereit ist, alle Schulträger mit fünf Milliarden Euro bei der digitalen Ausstattung und Infrastruktur zu unterstützen, ist auf ein enormes Echo gestoßen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßt vor dem Hintergrund ihrer eigenen Beschlüsse diese Initiative. Wir begrüßen besonders, dass die Schulträger das Geld für eigene Konzepte erhalten sollen. Damit verhindern wir, dass wie beim BAföG-Gelder in den Landeshaushalten verschwinden. Die Bundesländer sind nun am Zug, den Ball, den die Bundesbildungsministerin in ihr Feld gespielt hat, anzunehmen und im Tor zu versenken. Dazu müssen sie pädagogische Konzepte entwickeln, die Aus-, Fort- und Lehrerbildung erheblich stärken und gemeinsame technische Standards umsetzen. Nur im Zusammenspiel von Bund und Ländern wird Deutschland im Bereich der Digitalen Bildung erfolgreich sein.

Einige Schulen praktizieren inzwischen das Modell Bring Your Own Device. Welche Probleme birgt diese Regelung Ihrer Ansicht nach? Und welche Modelle und Lösungen sind denkbar und wünschenswert, um Schulen außerhalb des Förderprogramms DigitalPakt#D zeitnah mit WLAN und digitalen Endgeräten auszustatten?

Bring Your Own Device ist schon einmal besser als gar nichts. Es wäre viel gewonnen, wenn alle Schulen damit beginnen würden. Langfristig halte ich eine Harmonisierung der Systeme für den richtigen Weg, um Unterschiede in den Geräten auszugleichen. Es gibt bereits jetzt viele interessante Modelle von Unternehmen, dies sicherzustellen. Dies ist auch wichtig, um digitale Spaltung zu vermeiden. Fördervereine unterstützen zudem Jugendliche aus sozial schwächeren Familien. Unabhängig vom Digitalpakt bestehen Möglichkeiten, Schulen auszustatten. Der Bund fördert mit seiner Breitbandinitiative schon jetzt die Bereitstellung von Infrastruktur an Schulen. Man muss diese Mittel nur abrufen. Auch einige Kommunen entwickeln schon Konzepte. Es gibt Zusammenschlüsse von Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen, die Digitale Bildung fördern. Es ist einiges in Bewegung. Wichtig ist es, dies nun in die Fläche zu bringen. Daher brauchen wir den Digitalpakt.

Medienbildung und digitale Bildung sind inzwischen Bestandteil vieler Lehrpläne. Laut dem aktuellen Bericht des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) gilt das allerdings nicht für die Lehrerbildung und das Lehramtsstudium, wo dieses Thema offenbar deutschlandweit noch immer vernachlässigt wird. Wie kann dieser Missstand behoben werden?

Der Bund hat die Qualitätsoffensive Lehrerbildung in das Leben gerufen. Ein Schwerpunkt dabei wird die Digitale Bildung sein. Des Weiteren gehe ich davon aus, dass in der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ entsprechende Standards eingebaut werden, die für die Lehrerbildung verbindlich sein müssen. Dazu sieht der Digitalpakt von Frau Wanka vor, Studiengänge weiterzuentwickeln. Dies gilt für alle Fächerrichtungen und somit auch für die Lehrerbildung. Jedoch sind auch hier die Länder mit in der Verantwortung.

Die Studie Digitale Medien in Betrieben aus dem Bundesbildungsministerium hat ergeben, dass fast jeder zweite Betrieb mit den IT-Kenntnissen seiner Auszubildenden unzufrieden ist. Sind die Berufsschulen schon ausreichend auf die Digitalisierung vorbereitet, um den Schülern die notwendigen Kenntnisse mit auf den Weg zu geben? Wie lassen sich auf diesem Gebiet weitere Fortschritte erzielen?

Die Berufsschulen haben den gleichen Nachholbedarf wie die anderen Schulformen. Deshalb gilt der Digitalpakt auch für sie. Dazu fördert das BMBF die Berufsbildung mit der Initiative Berufsbildung 4.0. Bestandteile sind hier eine Forschungsinitiative, ein Sonderprogramm zur Förderung der Digitalisierung in überbetrieblichen Bildungsstätten sowie das erfolgreiche Programm Digitale Medien in der beruflichen Bildung. Auf Dauer wird es wichtig sein, dass in die Berufsschulen schon gut digital ausgebildete Jugendliche kommen, die dann nur noch speziell auf die Anforderungen ihrer zukünftigen Arbeitsfelder vorbereitet werden müssen. In Abstimmung mit den Sozialpartnern werden wir die Ausbildungsverordnungen modernisieren müssen.

Stichwort „lebenslanges Lernen“: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will die Bundesanstalt für Arbeit vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu einer „Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung“ weiterentwickeln. Wie bewerten Sie diesen Vorschlag und welche weiteren Maßnahmen sind Ihrer Ansicht nach wünschenswert, damit Arbeitnehmer fit für die Arbeit 4.0 werden?

Die schlichte Umbenennung der Bundesagentur für Arbeit ist aus meiner Sicht keine Option. Die Bundesagentur für Arbeit ist eine Agentur, die auf der Grundlage von SGB III handelt. Die Qualifizierung hierbei in den Mittelpunkt zu stellen, ist meiner Meinung nach fehl am Platz. Für die Qualifizierung sind in erster Linie die Schulen, ausbildenden Unternehmen und Hochschulen zuständig. Sicherlich gibt es Angebote der Bundesagentur für Arbeit, die in den Qualifizierungsbereich hineinreichen, z.B. Weiterbildungen und Umschulungen. Allerdings sind diese als Ergänzung an die bereits bestehende Qualifizierung gedacht. Um die Arbeitnehmer für die Arbeit 4.0 entsprechend zu wappnen, muss an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden. Erstens muss wie oben beschrieben die schulische Bildung im Sinne der digitalen Bildung voranschreiten. Hierzu hat Bundesbildungsministerin Wanka ihre Strategie Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft kürzlich vorgestellt. Dies wird sicher eine Herausforderung sein, ist aus meiner Sicht aber unabdingbar und machbar. Zweitens muss die Weiterbildungsbeteiligung gesteigert werden – insbesondere bei denjenigen Arbeitnehmergruppen, die bisher noch unterdurchschnittlich daran teilnehmen. Das sind in erster Linie Geringqualifizierte und Ältere, die vor dem Hintergrund strukturellen Wandels in der Arbeitswelt vor größeren Herausforderungen stehen. Nur so kann garantiert werden, dass der Nachwuchs den künftigen Anforderungen der Arbeitswelt gerecht wird und die bereits bestehende Arbeitnehmerschaft die notwendigen Kompetenzen erlernt und folglich mit den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt halten kann.

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