degewo-Innovationspreis: Finalisten für „Smart Up the City 2017“ stehen fest

Veröffentlicht am 01.10.2017

Fotos: Henrik Andree
„Smart“: Wer will das nicht sein? Die Frage aber lautet: Wie wird man es? Das Berliner Wohnungsbauunternehmen degewo hat einen durchaus smarten Weg gefunden, sich dabei inspirieren zu lassen. Es vergibt in diesem Jahr zum ersten Mal den Innovationspreis „Smart Up the City 2017“, für den 74 Startups ihre Ideen eingereicht haben.

 Nach dem Pitch-Event stehen 5 finalisten fest

Nun wird es ernst: Die fünf Finalisten stehen fest. Am 27. September verkündete die degewo bei einem Pitch-Event im Telefónica BASECAMP, wer in die finale Runde kommt. Vorstellen durften sich in einem 3- Minuten Pitch 20 Startups  aus der Vorrunde. Zentrales Kriterium des Wettbewerbs sei die Anwendbarkeit, macht Ulrich Jursch, Geschäftsführer der degewo netzWerk GmbH, deutlich. Das Wohnungsbauunternehmen suche nach Lösungen, die sich praktisch umsetzen lassen.

Degewo Innovationspreis im Telefónica BASECAMP

Dieser Anspruch spiegelt sich in der Auswahl der Finalisten wider. Da ist zum einen Doozer Real Estate Systems GmbH, die ein digitales System entwickelt haben, um den Prozess von der Kündigung bis zur Wohnungsübergabe an neue Mieter zu beschleunigen. Die Auftragsvergabe im Bereich der Leerwohnungssanierung wird digitalisiert. Das heißt: Die Planung von Sanierungsleistungen und die Auswahl von Handwerkern etwa sind direkt integriert. Doozer versprechen, dass Wohnunternehmen damit Aufträge innerhalb einer Stunde erstellen und an Handwerksunternehmen vergeben können.

Housy hingegen widmet sich der der Vergabe von Wohnungen. „Wann haben Sie das letzte Mal gehört, das Wohnungssuche Spaß macht?„, fragt Gründer und Geschäftsführer Raymond Naseem provokant. Ähnlich wie bei einer Partnervermittlungsbörse können Wohnungssuchende auf der Online-Plattform Housy Profile anlegen. Das Ziel: Vermieter gehen auf ihre zukünftigen Mieter zu. Massen-Wohnungsbesichtigungen mit langen Schlangen sollen dadurch überflüssig werden.

Wohnungssuche, die Spaß macht, One-Stop-Shop für den Umzug und Ersatzschlüssel per App

Eine gute Nachricht für alle Vergesslichen hat Finalist MyKeys24: Privatpersonen und Unternehmen können über das System Schlüssel mittels Smartphone-App einscannen und online Ersatzschlüssel bestellen. MyKeys24 arbeitet mit lokalen Schlüsseldiensten zusammen und verspricht, innerhalb von 30 Minuten günstig einen Ersatzschlüssel zu bekommen, wenn man sich ausgesperrt hat.

Etwas abstrakter ist das Projekt von METR. Das Unternehmen will ein IoT Backbone, ein digitales Rückgrat für Wohnungsunternehmen bereitstellen, berichtet CEO Franka Birke. Ziel sei die Verknüpfung und Interoperabilität unterschiedlicher technischer Systeme (TGA) und Funktechnologien des IoT. Das schaffe die Grundlage für die zukünftige, schrittweise Digitalisierung der Hausverwaltung und anderer Bereiche der Wohnungswirtschaft.

Einem sehr greifbaren Bereich hat sich die Lift Technology GmbH verschrieben: Fahrstühlen. Mittels verschiedener Sensoren werde die Funktionsfähigkeit der Aufzüge überwacht. Ziel sei, mögliche Fehler schon zu erkennen, bevor sie eintreten. Das Geschäftsfeld sei groß, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Tim Gunold. Alleine die degewo betreibe 1200 Fahrstühle betreibe.

Smarte Fahrstühle und Hausverwaltung digital

Die fünf Unternehmen treffen schon bald wieder aufeinander: Bei einem Workshop am 12. Oktober, wo es auch darum gehen werde, einen Anwendungsfall zu simulieren, erklärt Ulrich Jursch.

Was es für ein Startup bedeuten kann, einen solchen Preis zu gewinnen, zeigt Gudrun Kaindl. Die Schneiderin und Unternehmerin designt und näht unter dem Namen Atelier Pink Passion Kostüme für Theater und Film – und gewann mit ihrer Idee den degewo Gründerpreis 2012. Nicht nur die Unterstützung durch Räumlichkeiten der degewo habe ihr weitergeholfen, sondern auch der Unternehmensberater, der ihr an die Seite gestellt wurde. „Er hat sehr viele gute Fragen gestellt„, erinnert sie sich und lacht. Bei der von digitalen Themen dominierten Veranstaltung lässt Kaindl sich unter Applaus zu einer Liebeserklärung an die analoge Welt hinreißen: „Ich hoffe, dass ganz viele Leute eine Ausbildung im Handwerk machen und dabei genauso glücklich werden wie ich.

Inwiefern aber macht auch Digitalisierung glücklich? Warum überhaupt „Smart City“? Das versucht die Journalistin und Moderatorin Jana Kugoth in einer Podiumsdiskussion zu ergründen. „Weil es ohne digitalisierte Prozesse im Leben gar nicht mehr gehen würde„, betont Claus Wedemeier vom BBU, Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Einerseits könne beispielsweise die Kommunikation mit Mietern verbessert werden, andererseits spare die Digitalisierung Kosten. „Das ist eine Win-Win-Situation.“ Es habe sich gezeigt, dass auch ältere Menschen mit Technik umgehen könnten – wenn auch eher mit iPads als mit Smartphones. Thomas Letz aus der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters in Berlin schlägt einen Bogen von der Wohnungswirtschaft hin zur smarten Stadt. Im Bereich Mobilität mache Berlin Fortschritte – geplant sei etwa die Umrüstung der Taxis von Diesel- auf Elektro-Motoren.

Fünf smarte Start-Ups stellen sich der Jury im Finale im B

Im Bereich der Wohnungswirtschaft biete die Digitalisierung große Chancen, unterstreicht Ulrich Jursch. Das betreffe die klassischen Kernbereiche wie Effizienz, Service und Kostenreduzierung, aber biete auch Möglichkeiten, das Geschäftsfeld der Unternehmen auszuweiten. „Ideen brauchen wir viele„, betont er. Innovative Startups sind willkommene Impulsgeber. Wobei das Zusammentreffen von Wohnungswirtschaft und Gründerszene nicht immer ganz leicht sei, wie Jursch auf Nachfrage einräumt: „Das sind schon Welten, die da aufeinandertreffen.“ Selbst, wenn alle Beteiligten Deutsch sprechen – das Startup-Vokabular sei nicht allen Vertretern der Wohnungswirtschaft verständlich. „Das sind Barrieren, die man überwinden muss.

Die Finalisten des degewo Innovationspreises

Zu der Jury des Preises gehören unter anderem degewo-Vorstand Christoph Beck, Björn Böhning, Leiter der Berliner Senatskanzlei und netzpolitischer Sprecher der SPD, Michael Brehm, Partner von Redstone digital, Mark Hoffmann, Gründer und CEO des Digitalverlags Vertical Media, sowie Sven Gábor Jánszky, Gründer und Chairman des ThinkTanks 2b AHEAD. Die Auswahl der Finalisten scheint ihnen nicht leicht gefallen zu sein. Es seien ganz viele tolle Ideen dabei gewesen, betont Ulrich Jursch. „Auch unter denen, die heute pitchen durften, aber leider nicht ins Finale kommen.

Darunter war unter anderem Sablono, eine Plattform, die den Baufortfortschritt von Projekten dokumentiert und transparenter macht, Smart Urban Solutions, die ein vielfach anwendbares Schließfachsystem entwickelt haben, oder auch casavi, die eine Cloud-Lösung für die digitale Immobilienverwaltung anbieten. Auch PlanRadar ist cloudbasiert und widmet sich der Baudokumentation, und dem Mängel- und Aufgabenmanagement in Bau- und Immobilienprojekten. Während EverReal eine Softwarelösung als zentrale Schnittstelle für Produkte und Dienstleistungen wie z.B. Strom, Internet und Handwerker bietet, hat die interfaceMA GmbH mit der „Kiez-Tante“ eine App entwickelt, über die auf Schmutz und Mängel im Wohnumfeld hingewiesen werden kann. Die Dawago UG hat ein Tool für Instandhaltungsplanung entwickelt und binee ein System, Menschen zu ermutigen, Problemstoffe zu recyclen. Vorgestellt haben sich außerdem flissade, die architektonische Lösungen entwickeln, um Balkone auch als Innenräume nutzen zu können.

Der Abend zeigt: Ansatzpunkte, die Wohnungswirtschaft „smarter“ zu gestalten, gibt es viele. Wer letztendlich das Rennen um den Innovationspreis „Smart Up the City 2017“ macht, wird sich am 16. November zeigen, wenn der Gewinner gekürt wird.

– Dieser Text wurde von young+restless/meko factory zur Verfügung gestellt –

Von Inga Dreyer

Die Finalisten auf einen Blick

Doozer Real Estate Systems GmbH: digitalisiert die Auftragsvergabe im Bereich der Leerwohnungssanierung.
Housy GmbH: Portal, über das Vermieter den passenden Mieter suchen
MyKeys24: Ersatzschlüsselerstellung
METR Building Management Systems GmbH: zentrale IoT-Infrastruktur speziell für Miethäuser
Lift Technology GmbH: Sensorik Transparenz über den Zustand, die Sicherheit und den Instandhaltungsbedarf

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