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Foto: CC-By-SA 2.0 Flickr User Roger W . Bildname: Wolfsburg - Volkswagen Assembly Line/ Ausschnitt bearbeitet
Artikel

Bitkom:
Maschine ersetzt Menschen nicht

22

Sep
2016

Veröffentlicht am 22.09.2016

Jobvernichter oder Arbeitsplatzwunder? Genau wissen wir nicht, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Grund zu Optimismus geben jedenfalls zwei Studien des Digitalverbands Bitkom. Industrie 4.0, das ist die Vision der digital vernetzten Fabrikhalle. Dass die Maschinen in den Werkhallen den menschlichen Arbeiter in der industriellen Produktion überflüssig machen, befürchten Pessimisten schon seit Jahrzenten. Doch die repräsentative Befragung von 559 Industrieunternehmen des produzierenden Gewerbes ab 100 Mitarbeitern in Deutschland ergab: Tatsächlich schafft die Industrie 4.0 Arbeitsplätze, zumindest für Fachkräfte. Zwar muss man davon ausgehen, dass rund die Hälfte Arbeitsplätze für geringer Qualifizierte in Zukunft wegfallen werden. Dank der Industrie 4.0 werden künftig aber auch komplexe Aufgaben von eher gering qualifizierten Arbeitern übernommen. Weil die Digitalisierung aber nicht nur das produzierende Gewerbe betrifft, sondern alle Branchen, betrachtet die zweite Studie aus dem Sommer 2016die “neue Arbeitswelt“ im digitalen Zeitalter. Auch das Gesamtbild bestätigt: Qualifizierte Arbeitskräfte dürfen auf neue Jobs hoffen, für Geringqualifizierte ist der Erwerb von Digitalkompetenzen eine zwingende Notwendigkeit.

Bitkom Industrie 4.0 und Arbeit

Industrie 4.0 bietet neue Chancen für Fachkräfte

Die Industrie 4.0 bietet zahlreiche Möglichkeiten für gut ausgebildete Fachkräfte. 81 Prozent der befragten Industrieunternehmen gehen davon aus, dass sie längerfristig qualifizierte Arbeitsplätze schaffen können. Besonders gefragt sind natürlich Experten aus dem IT-Bereich: 36 Prozent der Industrieunternehmen, die im Jahr 2015 neue Mitarbeiter für Industrie 4.0 eingestellt haben oder das für 2016 planen, wollen Datenanalysten ins Boot holen. IT-Sicherheits-Experten wollen 21 Prozent einstellen, Bedarf an Software-Entwicklern und Programmierern haben 17 Prozent der Unternehmen. „Industrie 4.0 verbannt den Menschen nicht aus den Werkhallen. Allerdings wandeln sich die Berufsbilder. Der Umgang mit den neuen digitalen Technologien muss geübt werden, und es braucht in der Regel auch neue Mitarbeiter mit guten Fähigkeiten im Umgang mit Industrial IT“, erklärt Bitkom-Präsidiumsmitglied Frank Riemensperger.

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Industrie 4.0 fängt geringer Qualifizierte auf

Doch geringer qualifizierte Arbeiter in der Produktion brauchen nicht zu fürchten, dass sie in der vernetzten Fabrik der Zukunft nicht mehr gebraucht werden – sie werden allerdings andere Aufgaben als bisher übernehmen. 47 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass durch die Industrie 4.0 Arbeitsplätze für gering qualifiziertes Personal wegfallen. Gleichzeitig kann die vernetzte Produktion nach Einschätzung der Unternehmen einen Teil dieser wegfallenden Stellen auffangen. Denn laut der Studie gehen 42 Prozent der Industrievertreter davon aus, dass bald auch komplexere Aufgaben von eher gering qualifizierten Arbeitern übernommen werden können. Überhaupt will die Industrie verstärkt auf Weiterbildung der Belegschaft setzen und somit auf die veränderten Anforderungen reagieren. 51 Prozent sagen, dass sie ihre Mitarbeiter in diesem Jahr fit für die Industrie 4.0 machen wollen, 43 Prozent haben im vergangenen Jahr bereits Weiterbildungen durchgeführt.

Fest steht: In der Praxis stellt das Produktionsgewerbe aktuell mehr Leute für Aufgaben rund um die Industrie 4.0 ein, als es entlässt. Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass das Arbeiten in der vernetzten Fabrik interdisziplinärer wird. 94 Prozent gehen davon aus, dass Arbeitnehmer verstärkt interdisziplinäre Kompetenzen benötigen, um der Zukunft mitzuhalten.

Industrie 4.0 ist in Deutschland angekommen

Die vierte industrielle Revolution ist in Deutschland auf dem Vormarsch, das ist die Kernaussage der breit angelegten Befragung des Digitalverbands. 46 Prozent der Firmen nutzen bereits spezielle Anwendungen für Industrie 4.0, 19 Prozent planen den Einsatz in der Zukunft. Die Mehrheit von ihnen (59 Prozent) verfolgt dabei eine ganzheitliche Strategie, bei der alle Geschäftsbereiche Modernisierungsmaßnahmen vornehmen, während 38 Prozent nur einzelne Geschäftsbereiche einem Industrie-4.0-Update unterziehen. Lediglich zwölf Prozent sagen, dass die Industrie-4.0-Welle sie nicht betrifft oder betreffen wird.

Schöne, neue Arbeitswelt

Weil nicht nur das produzierende Gewerbe von den Umbrüchen der Digitalisierung betroffen ist, hat der Bitkom in einer weiteren Studie zu den Gesamtauswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt in Auftrag gegeben. Auch dort zeigt sich: Gut ausgebildete Arbeitskräfte dürfen mit einem Stellenzuwachs rechnen – rund die Hälfte der 500 befragten Unternehmen rechnen mit neuen Jobs in diesem Segment. Mehr als zwei Drittel glauben allerdings, dass minder qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen. In der schönen, neuen Arbeitswelt braucht es also vor allem eines: Digitalkompetenz. 87 Prozent der befragten Personalabteilungen gehen davon aus, dass Digitalkompetenz der Mitarbeiter in Zukunft genauso wichtig sein wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. In Sachen Weiterbildung sind die Unternehmen aber bisher zögerlich. Als Gründe werden zum Beispiel die hohen Kosten für solche Programme genannt. Klar ist aber auch, dass nicht nur die Arbeitgeber gefragt sind Mitarbeiter mit digitalen Kompetenzen auszustatten. Eine zukunftsorientierte Bildungspolitik, die Digitalkompetenz stärker fördert, sei genauso wichtig, fordern die befragten Unternehmen.

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Über den Autor

Philippe Gröschel ist Head of Government Relations bei Telefónica Deutschland.