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Artikel

Zur Landtagswahl in Sachsen – Hier wird nicht online gewonnen

29

Aug
2014

Veröffentlicht am 29.08.2014

Am Sonntag wählen rund 3,5 Million wahlberechtige Sachsen einen neuen Landtag. Der Online-Wahlkampf hat für den Ausgang der Wahl jedoch keine entscheidende Rolle gespielt. Dennoch lohnt ein Blick auf die Aktivitäten und Reichweiten der Landesparteien, die sich teilweise überraschend von denen der Bundespartei unterscheiden.

Guter Online-Auftritt der Regierungskoalition

Die CDU Sachsen hat kein Facebook-Profil. Es gibt einen nicht verifizierten Account mit 825 Followern, dessen letzte Tweets im Jahr 2012 geschrieben wurden. Allerdings hat die CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag einen verifizierten Twitter-Account mit 515 Followern – sogar mit eigenem Hashtag (#saxlt). In der Endphase des Wahlkampfes ist die Fraktion sehr aktiv und postet aktuelle Umfragewerte des ZDF-Politbarometers, lobt die Unterstützung von Kinos bei der Digitalisierung durch die sächsische Kulturpolitikerin und widerspricht auch mal einem Zeitungsartikel mit einer korrigierten Darstellung. Wenn es Probleme in der Verwaltung mit den Mail-Servern gibt, wird bei Twitter darauf hingewiesen, dass die Beantwortung von Mails derzeit länger braucht. Auch ein Foto von den Vorbereitungen zum Wahlabend wird den Followern präsentiert. Hier fühlt man sich recht umfassend informiert.
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Derzeit ist die FDP noch Teil der Sächsischen Staatsregierung und 1.700 Facebook-Likes sowie ein verifizierter Twitter-Account mit 3.100 Followern sind im Vergleich zu den anderen Parteien auf Landesebene beachtlich. Wenige Tage vor dem entscheidenden Wahlsonntag sieht man dort den Endspurt der Liberalen mit Fotos, Zitaten und einem lustigen Spiel, in dem man „den schwarzen Elefanten“ mit einem liberal-gelben Schwamm auf Trab halten soll.

Aktive Opposition, SPD etwas schwach

Ähnlich aktiv ist auch die derzeitige Opposition. Auf dem Twitter-Account der sächsischen Grünen erfährt man als einer von knapp über 2.000 Followern Einiges über die Termine der Abgeordneten auf Wahlkreistour und kann Antworten auf Fragen von besorgten, potenziellen Wählern lesen. Bei Facebook verfolgen rund 1.000 Nutzer die momentan sehr regen Aktivitäten des Profils von Bündnis 90/Die Grünen. Dort findet sich viel Fotomaterial von Wahlplakaten und Kandidaten. Besonders hofft man auf flächendeckende Breitbandanschlüsse in Sachsen, die bislang noch nicht weitläufig verfügbar sind. Der SPD-Landesverband Sachsen hat bei Facebook allerdings überschaubare 1.400 Likes, einen Twitter-Account gibt es nicht. Auch das Informationsangebot auf dem Facebook-Profil ist übersichtlich, dort findet man die üblichen Interviews, Wahlkampfsprüche und Informationen über die Spitzenkandidaten.

Mit Abstand die meisten Likes bei Facebook kann der sächsische Landesverband der Linken vorweisen. Fast 7.500 Nutzer verfolgen dort nun die letzten Stunden des Wahlkampfs. In dem Profil finden sich Fotos im Album Landtagswahlkampf, die Kreidemalereien auf der Straße, selbstgemalte Tattoos auf dem Arm und Grafitti an Wänden zeigen – alle mit der Aufforderung zur Unterstützung der Linken am Wahlsonntag. Auch der Twitter-Account hat ordentliche 2.500 Follower. Auf der Timeline finden sich Wahlaufrufe zum Politikwechsel, das linke Wahlprogramm zum Nachlesen und Antworten an andere Twitter-Nutzer, gemischt mit Kommentaren zur vergangenen TV-Debatte.

(K)ein Vergleich zur Bundesebene

Insbesondere im Vergleich zum letzten Bundestagswahlkampf ist das Interesse an Online-Angeboten auf Landesebene zumindest in Sachsen noch ausbaufähig. Nur die CDU-Fraktion im Landtag verfügt über einen verifizierten Twitter-Account, alle anderen haben entweder zu wenig Follower bzw. Likes oder grundsätzlich eine zu geringe Präsenz, um sich um das angesehene blaue Häkchen zu bemühen. In den Facebook-Kommentaren geht es allerdings sehr rege und teils recht aggressiv zu – leider ein gängiges Phänomen von Online-Kommentaren, ob bei anonymer Nutzung oder mit Klarnamen. Hier ist man bemüht, auf die Fragen und Vorwürfe der Nutzer zu antworten und die Kommunikation mit den potenziellen Wählern aufrecht zu erhalten.

Ein Blick auf die Facebook-Profile der Landesministerien aller Bundesländer hat gezeigt, dass auch hier noch Potenziale zur Interaktion nicht ausgeschöpft werden. Martin Fuchs hat die Unterschiede in einem Blogbeitrag herausgearbeitet und festgestellt, dass die meisten Landesministerien mit Account u.a. im Freistaat Sachsen zu finden sind.

Der vorstehende Artikel erscheint im Rahmen einer Kooperation mit dem Berliner Informationsdienst auf UdL Digital. Aylin Ünal ist als Redakteurin des wöchentlichen Monitoringdienstes für das Themenfeld Netzpolitik verantwortlich.

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