UdL Digital Talk: Haben Urheber Rechte?

Foto: E-Plus Gruppe
Veröffentlicht am 27.06.2012

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Seit Monaten schon hält sich das Thema Urheberrecht in Zeiten der Digitalisierung in den Medien. Grund genug, um Experten beim UdL Digital Talk darüber diskutieren zu lassen: Bernd Schlömer, Bundesvorsitzender der Piratenpartei, und Renè Rennefeld, Musikproduzent.

Fast täglich findet zum Urheberrecht eine breite mediale Berichterstattung unter den verschiedensten Aspekten statt. Die Fronten zwischen den Lagern scheinen verhärtet zu sein, die Positionen sind starr. Wie aber lassen sich beide Lager zusammenführen, um im Sinne des Verbrauchers eine zukunftsfähige Lösung zu entwickeln?

Urheberrecht braucht Reformen
Schlömers Anliegen war es, deutlich zu betonen, dass die Piratenpartei das Urheberrecht nicht abschaffen, sondern reformieren wolle. Die Zeiten hätten sich verändert, die Verbreitung von Inhalten über das Netz ließe sich nicht aufhalten – es sei denn, man wolle eine autoritäre Überwachungsarchitektur errichten.

Das Urheberrecht müsse folglich so aufgestellt werden, so Schlömer, dass es den Bedingungen des Informationszeitalters gerecht werde. Für Rennefeld ist dieser Gedankengang wenig nachvollziehbar, da er nicht die daraus resultierende Lösung sehen könne.  Die Frage, die er ins Zentrum seiner Argumentation stellte, ist: Warum sollten Künstler bereit sein, auf Teile ihrer Einnahmen zu verzichten? Für Rennefeld wäre die Folge einer Urheberrechtsreform, wie sie die Piratenpartei anstrebe, der „Tod von Kreativität“.

Bernd Schlömer konterte, dass der Abnehmer entscheiden müsse, welchen Wert er einem Produkt beimesse. Hiermit bezog er sich zum Teil auf das vom Chaos Computer Club in die Diskussion eingebrachte Kulturwertmark-System. Wie eine konkrete Lösung auszusehen hätte, darüber werde der Dialog mit den Urhebern angestrengt. Ziel sei eine Lösung, die garantiere, dass Kulturgüter für nichtkommerzielle Zwecke frei zur Verfügung gestellt werden könnten, Künstler aber gleichzeitig für ihre Arbeit entlohnt werden würden.

Im Zentrum der Diskussion standen Geschäfts- und Vertriebsmodelle am Beispiel der Musikindustrie. Rennefeld berief sich in seiner Argumentation darauf, dass zum einen die vielen Zwischenhändler zwischen Konsument und Künstler bedient werden müssten, zum anderen, dass das Modell so aussehe, dass ein erfolgreicher Künstler viele neue Launches mitfinanziere. Die Frage, die in diesem Zusammenhang aufkommt: Wird die Künstlerakquise und Förderung durch große Labels heutzutage nicht durch die Möglichkeiten der sozialen Medien abgelöst, mit denen Künstler selbst die Möglichkeit haben, Reichweite und Image aufzubauen?

Fotos vom UdL Digital Talk kann man hier ansehen.

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