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Artikel

So soll das Internet Lebensbedingungen verbessern

06

Dez
2013

Veröffentlicht am 06.12.2013

Wissen ist eine Ressource und, wie alle Ressourcen, ist sie auf der Welt schlecht verteilt. Im Kampf gegen diese ungleiche Verteilung könnte das Internet die gleiche Wirkung haben wie der Buchdruck nach Gutenberg. An das Potential zur Wissens-Revolution glaubt der Web Index – ein jährlicher Bericht über die weltweite Online-Kommunikation, erstellt von der World Wide Web Foundation. Das Forschungsprojekt untersucht 81 Staaten daraufhin, inwieweit die Durchschnittsbürger einen Internetzugang haben, um sich damit Wissen anzueignen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Darüber hinaus wollten die Forscher wissen, inwiefern sich die Bürger über das Netz am öffentlichen Meinungsaustausch beteiligen und sich in Angelegenheiten engagieren, die ihre Lebenssituation verbessern. Die Forscher stellen dabei fest, dass es neben der digitalen Spaltung weltweit zudem eine partizipative Spaltung gibt. Der freie Zugang zu Wissen und die Möglichkeit zur Beteiligung über das Internet bleiben vielen noch verwehrt – auch wegen staatlicher Maßnahmen von Zensur und Überwachung im Netz, die diese Spaltung vergrößern. Der Jahresbericht schließt mit einigen Kritikpunkten und mehreren Handlungsempfehlungen.

Deutschland im vorderen Feld, aber nicht auf den vorderen Plätzen

In Schweden und Norwegen sind 95 Prozent der Bevölkerung online – damit führen sie den Web Index 2013 an. Deutschland liegt auf Platz 16 der Gesamtrangliste. Diese setzt sich aus vier Bereichen zusammen, die von den Forschern separat bewertet wurden. Im ersten Bereich „Universal Access“ belegt die Bundesrepublik den 7. Platz, ihre beste Platzierung insgesamt. Hier werden die Investitionen eines Landes in bezahlbaren Zugang zu hochleistungsfähiger Internetinfrastruktur sowie in die Ausbildung der Bürger in Medienkompetenz bewertet. Während die nordischen Staaten auch hier Spitzenreiter sind, befinden sich zudem Korea und Singapur vor Deutschland. Das zweite Feld, „Freedom & Openness“, sieht Deutschland auf Platz 19, insgesamt die schlechteste Bewertung. Es geht darum, inwieweit Bürger eines Landes das Recht auf Information, Meinungsäußerung, Sicherheit und Privatsphäre im Netz genießen. Dabei liegen beispielsweise Polen, Tschechien, Uruguay und Japan auf den Plätzen vor Deutschland.

Unter der Kategorie „Relevant Content“ beleuchtet der Web Index die Internetnutzung der Bürger sowie die Inhalte, die ihnen zu Verfügung stehen. Außerdem wird berücksichtigt, inwieweit verschiedene Akteure Zugang zu für sie relevanten Informationen haben, ob dies in einer für sie komfortablen Sprache möglich ist und ob der Zugang über weiträumig erreichbare Plattformen und Kanäle erfolgt. Hier liegt Deutschland auf Platz 17, zwar noch vor Irland und Israel, doch hinter Österreich und Japan. Auf dem 14. Platz befindet sich Deutschland beim „Empowerment“. Bewertet wurde hier, welche positiven Veränderungen die Internetnutzung in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Umwelt begünstigt und welchen Unterschied das Netz für die Bürger macht.

Die Platzierungen Deutschlands sind im guten vorderen Feld verteilt und es ist keine eklatante Lücke zu verzeichnen. Großbritannien beispielsweise belegt im Bereich „Relevant Content“ den ersten Platz, findet sich beim Feld „Freedom & Openness“ jedoch nur auf Platz 24 wieder. Auf den letzten Plätzen befinden sich vor allem afrikanische, asiatische und arabische Staaten.

Handlungsempfehlungen für eine weltweite Informationsgesellschaft

Um dem Ziel einer umfassenden Informationsgesellschaft stärker entgegenzugehen, spricht der Bericht schließlich mehrere Handlungsempfehlungen aus. Der Zugang zu Breitbandanschlüssen müsse bezahlbar und frei zugänglich für alle sein. Dafür sollen auch Gemeinschaftszugänge und andere innovative Nutzungsmöglichkeiten gefördert werden. Darüber hinaus empfehlen die Forscher, allen Lehrkräften ein IKT-Grundlagentraining im Laufe ihrer Ausbildung anzubieten. Auch in allen Schulen und öffentlichen Bibliotheken soll es bis 2015 einen Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen über digitale Nutzungsmöglichkeiten geben. Dabei soll darauf geachtet werden, dass Themen wie Datenschutz und Privatheit im Netz ebenfalls gelehrt werden, um die Nutzer für die Online-Kommunikation zu sensibilisieren. Ansätze zur Förderung von Medienkompetenz von Lehrenden und Lernenden sowie Open Access-Strategien finden sich auch im derzeitigen Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD wieder.

Als weitere Handlungsempfehlung spricht sich der Web Index dafür aus, allen Menschen Zugang zu notwendigen Informationen zu garantieren, etwa indem Daten von Regierung und Verwaltung proaktiv zur weiteren Verwendung veröffentlicht werden. Auch das gesetzlich verankerte Recht von Bürgern, Informationen auf Anfrage zu erhalten, soll gestärkt werden. Ferner seien Schritte einzuleiten, die unabhängige Medien und Nichtregierungsakteure in ihrer Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Informationen im Netz müssen in ihren Formaten und Sprachen auch den ausgeschlossenen Gruppen zugänglich gemacht werden.

Gegen Zensur und für datenschutzrechtliche Standards

IT-Unternehmen sollten nach Auffassung der Autoren den Einsatz von datenschutzfördernden Technologien beschleunigen. In der deutschen Debatte steht die Forderung nach datenschutzrechtlichen Voreinstellungen und Standards (privacy by design/ privacy by default) bereits längere Zeit im Vordergrund. Eine weitere Empfehlung des Berichts sieht Kooperationen vor, um den Export von Zensur- und Überwachungstechnologien an repressive Regime zu regulieren. Für dieses Thema engagieren sich insbesondere Bündnis 90/Die Grünen und Reporter ohne Grenzen, die schon mehrfach eine effektive Exportkontrolle gefordert haben. Neben diversen Anträgen im Bundestag hatte vor allem eine Online-Kampagne der Grünen im Mai 2013 Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt.

Rede- und Meinungsfreiheit, ebenso wie Versammlungsfreiheit und Privatsphäre – online wie offline – müssen im Gesetz verankert sein und von allen Akteuren beachtet werden, fordern die Forscher. Dies ist nicht in allen der untersuchten Ländern der Fall. So wartet ein Großteil der Weltbevölkerung noch auf die zweite Gutenberg-Revolution, um Teil der globalen Konversation zu werden.

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