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Hans Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, kritisiert die Ausgaben. Foto: Deutscher Bundestag / Anke Jacob
Artikel

Rekrutennachwuchs:
Bundeswehr goes YouTube

05

Dez
2016

Veröffentlicht am 05.12.2016

„Still gestanden, kein Zucken, kein Wackeln, kein Grinsen“, lauten die Anweisungen an die neuen Soldaten in der Reality-Webserie „Die Rekruten“ von der Bundeswehr. Seit dem ersten November läuft die Serie auf YouTube. Im Schnitt vier bis sechs Minuten dauern die Filme, die zwölf junge Bundeswehrneulinge in ihrer Grundausbildung begleiten – die Protagonisten stehen also ganz am Anfang ihrer militärischen Karriere. Die Grundausbildung dauert drei Monate und so lange soll auch die Webserie gehen.

Die erste Woche handelt von der Reise zur Marinetechnikschule in Parow an der Ostsee, der Einkleidung und das erste Wecken um 4.50Uhr am Morgen. Die Rekruten kommentieren dabei immer wieder ihre Erlebnisse. „Ich glaube schon, dass es ziemlich hart wird“, sagt eine der weiblichen Neuzugänge. Bereits in der ersten Folge fließen Tränen, weil eine der jungen Rekruten ihre Piercings entfernen muss. Hauptsächlich mit Handkameras gedreht, in schnellen Schnitten und mit darübergelegten Soundeffekten soll die Serie junge Leute ansprechen.

Denn der Hintergrund der Webserie ist der Versuch der Bundeswehr, mehr junge Menschen für eine Karriere als Soldat zu begeistern. Denn mit Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht ist ein wesentlicher Bestandteil der Rekrutierung weggebrochen ist. Im Mai 2016 kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an, sie wolle mit der Trendwende Personal 14.300 Soldaten mehr einstellen und 3500 neue Stellen bei den freiwilligen Wehrdienstleistern schaffen. Um für Nachwuchs zu werben, gibt die Bundeswehr viel Geld aus: 35 Millionen Euro beträgt der Etat für Werbung. Und in der Tat findet man die Motive der Kampagne auf Werbetafeln in U-Bahnhöfen, in TV-Werbefilmen oder Ads im Internet. Die Bundeswehr ist zudem aktiv in den neuen Medien, nicht nur auf YouTube, Facebook oder Twitter – wer möchte kann der Bundeswehr bis auf Instagram oder Snapchat folgen.

Acht Millionen Euro für über eine halbe Millionen Views

Das Konzept der Webserie scheint aufzugehen: Die erste Folge „Kulturschock bei der Bundeswehr“ hat nach einer Woche bereits knapp 640.000 Aufrufe und liegt auf Platz eins der YouTube Trends. Ob sich dadurch auch die Anzahl der Bewerber bei der Bundeswehr erhöhen wird, bleibt abzuwarten. Die Bundeswehr lässt sich diese Werbekampagne jedenfalls einiges kosten: Acht Millionen Euro gibt die Truppe für die Webserie und die dazugehörige Werbung aus – eine Etathöhe, die bei Fachleuten auf Kritik stößt. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hält Investitionen in die Ausstattung der Bundeswehr für sinnvoller. Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Tobias Lindner, fragt sich, ob der Etat von acht Millionen für die Filme gerechtfertigt sei. Er mahnt zudem, Werbung für das Berufsbild des Soldaten müsse „verantwortungsvoll“ sein. Man solle „das ganze Bild der Bundeswehr zeichnen und nicht nur irgendwelche netten Videos drehen, wo es darum geht, wie man Wäsche zusammenfaltet“.

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Hans Peter Bartels (SPD), Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, hält Investitionen in die Ausrüstung für sinnvoller.

Diese Kritik kommt auch von einigen Zuschauern auf YouTube: Die Webserie verzerre die Wahrheit über die Ausbildung und das Soldatenleben, kommentieren die User. Zum Beispiel verschleierten die Videos, dass zu der Arbeit der Bundeswehr auch das Töten von Menschen gehören könne. Auch seien die Ausbildungsumstände in anderen Kasernen nicht so auf dem neuesten Stand wie in Parow, das in den Aufnahmen zu sehen sei. Nach Ansicht der Rekruten-Redaktion sind die Umstände in der Webserie aber authentisch. Es sei das Ziel der Bundeswehr, diese Standards in allen deutschen Kasernen umzusetzen. Auch die Darstellung der Ausbildung der Rekruten bezeichnet die Redaktion als „real“ – schließlich stünden diese noch am Anfang.

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