Medienkompetenz: Die digitale Schule

Veröffentlicht am 18.10.2012

Digitale Medien verändern unseren Alltag. Was bedeutet das für unser Bildungssystem? Reicht Förderung von Medienkompetenz aus oder brauchen wir neue Ansätze?

Die Initiative D21 lud am 16. Oktober 2012 zum IKT-Chancendialog ins Berliner BASE_camp ein, um über genau diese Fragen zu diskutieren. Auf dem Panel erörterten Sylvia Canel MdB (FDP), Arthur Gottwald (Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg) und Bernd Bielmeier (Intel GmbH), welche Voraussetzungen die erfolgreiche Bildung der Zukunft braucht.

Herausforderung Medienkompetenz

In der Diskussion wurde schnell klar: Lehrkräfte müssen sich nicht nur gezielt mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Schulklassen werden verstärkt als Verbände verschiedener Individuen betrachtet. Ein einzelner Lehrer ist mit den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler schnell überfordert: Werkzeuge wie Tablet-PCs können ihn unterstützen – Bedingung ist jedoch eine vertiefte Medienkompetenz bei Schülern und Lehrern selbst. Die Einführung eines Faches „Medienkompetenz“ erscheint hierbei wenig sinnvoll: Seit Jahren schon arbeiten Schulklassen regelmäßig im PC-Pool ihrer Schule – um anschließend wieder im Schulalltag mit Lehrbuch und Schiefertafel zu landen. Um ihre Medienkompetenz zu fördern, muss der Umgang mit den neuen Medien jedoch konsequent in die Lehrpläne eingeflochten werden.

Neue Lernmodelle

Die Möglichkeiten im Ausbau einer verantwortungsbewussten Medienkompetenz sind vielfältig: Sogenannte Whiteboards können als Multifunktions-Einheit von Projektionsfläche, Internet und Schiefertafel fungieren. Mit spielerischen Whiteboard-Übungen lässt sich die Medienkompetenz der Schüler interaktiv verbessern. „Tafelbilder“ können digital vorbereitet, auf das Whiteboard projiziert und zur Wiederholung wiederverwendet und verfeinert werden. Gleichzeitig könnten mit Hilfe von Open Educational Resources Schaubilder im Unterricht aufgegriffen und anschließend mit anderen Schulen geteilt werden. Nach der Schule werden Hausaufgaben in betreuten facebook-Gruppen gelöst sowie am Folgetag im Klassenzimmer diskutiert – eine Idealvorstellung, in der Medienkompetenz sowohl bezüglich sozialer und digitaler Medien effektiv genutzt und geschult wird.
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Schulunterricht und Medienkompetenz verbessern sich mit der Nutzung von digitalen Medien nicht automatisch. In jedem Falle aber ergänzen die neuen Medien bisherige Lernmodelle und passen sich individuellen Lerntypen an. Außerdem können Inhalte im Internet von Schülern selbst recherchiert werden – und dabei in Sachen Medienkompetenz direkt Recherchestrategien zur Filterung relevanter Informationen gefördert werden.

Wo sind die Hürden?

Digitale Medien bieten zahlreiche Möglichkeiten, um neben Lerninhalten effektiv und kreativ Medienkompetenz zu vermitteln. Auf dem Weg dahin bestehen jedoch Hindernisse: Das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in Sachen Bildungspolitik verhindert die Förderung deutschlandweiter Standards in der Schulausstattung. Weiterhin müssen nicht nur aktive Lehrer und Kultusministerien digitale Medien als Chance zum Ausbau von Medienkompetenz verstehen, sondern bereits in der Lehrerausbildung neue Akzente gesetzt werden –  häufig mangelt es jedoch bereits hier an einer praxistauglichen Vermittlung von Medienkompetenz.

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