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Wie können junge Menschen mit Social Media Anwendungen für Fragen der Entwicklungszusammenarbeit sensibilisiert werden? Diese Frage stand im Zentrum der Diskussion., Foto: E-Plus-Gruppe
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Diskussionsrunde zum Weltalphabetisierungstag im BASE_camp

08

Sep
2011

Veröffentlicht am 08.09.2011

Wie können junge Menschen mit Social Media Anwendungen für Fragen der Entwicklungszusammenarbeit sensibilisiert werden? Diese Frage stand im Zentrum der Diskussion., Foto: E-Plus-Gruppe

Heute, am 08. September, ist UNESCO-Weltalphabetisierungstag. Jedes Jahr will die UNESCO an diesem Tag darin erinnern, dass weltweit Millionen Menschen weder lesen noch schreiben können. Vielen ist hierbei nicht bewusst, dass dies kein Problem ist, von dem nur Entwicklungsländer betroffen sind: Die „leo. – Level-One Studie“ kam Anfang des Jahres zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland etwa 7,5 Millionen funktionale Analphabeten gibt. Von funktionalem Analphabetismus wird dann gesprochen, wenn Betroffene zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben können, nicht jedoch kurze Texte.

Angesichts dieser Tatsache planen Bund und Länder nun einen Grundbildungspakt, mit dem Ziel, die Zahl der funktionalen Analphabeten zu senken. Aber: Welche Maßnahmen müssen hierzu konkret umgesetzt werden?

Mit dieser Frage beschäftigte sich gestern im BASE_camp eine vom Bundesverband Alphabetisierung initiierte Podiumsdiskussion, an der sich unter der Moderation von Hanne Huntemann, Botschafterin für Alphabetisierung, Dagmar Ziegler, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Patrick Meinhardt, bildungspolitischer Sprecher FDP-Bundestagsfraktion, Peter Hubertus, Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung und die Betroffene Nora Bufé beteiligten.

Dagmar Ziegler sprach sich dafür aus, dass Prävention schon in der Lehrerausbildung beginnen müsse. Ziel sei es hierbei, betroffene Schüler als funktionale Analphabeten erkennen zu können, um sie dementsprechend zu fördern und ihnen außerschulische Lehrangebote näher zu bringen.

Dass dieser Ansatz richtig sei, bestätigte die Betroffene Nora Bufé: Funktionale Analphabeten würden meist versuchen nicht aufzufallen und ihre Defizite geschickt zu verbergen, da sie sich für einen Einzelfall hielten und für ihre Schwäche schämen würden. Die Folge wäre, dass sie in der Gesellschaft weitestgehend unsichtbar blieben. Sie definierte es deswegen als wichtigste Aufgabe der Prävention, dass Analphabeten besser und früher darüber informiert werden, wo sie Hilfe bekommen können.

Patrick Meinhardt stimmte diesem zu, indem er den Wunsch äußerte, stärker für die Problematik des Analphabetismus zu sensibilisieren. Dieses ist auch das zentrale Anliegen von Peter Hubertus, der seit über 20 Jahren mit dem Bundesverband Alphabetisierung Lobbyarbeit für Analphabeten betreibt. Der Grund dafür sei seine feste Überzeugung, dass eine Verpflichtung seitens der Gesellschaft wie auch der Politik bestünde, allen Menschen eine Chance zu geben, ihre Potenziale voll ausschöpfen zu können.

Zu Wort kam weiterhin Eva Steffen-Elsner, die sich als Sozialpädagogin bereits seit vielen Jahren für Alphabetisierungsarbeit einsetzt und aus ihrer praktischen Arbeit – insbesondere mit Jugendlichen – berichtete. Trotz der hohen Zahl von 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland, blieben Alphabetisierungskurse häufig leer. Dieses müsse durch gezielte und langfristig angelegte Aufklärungskampagnen geändert werden.

Eine Informationskampagne, die sich speziell an junge Menschen wendet, leitet Timm Helten vom Bundesverband Alphabetisierung: In Zusammenarbeit mit dem Bundesbildungsministerium und Unternehmen wie der E-Plus Gruppe betreibt er die Aktion iCHANCE, die nicht nur das Ziel hat, aufzuklären, sondern Mut machen und den Betroffenen bei ersten Schritten helfen will.

Martin Reinicke, Manager Corporate Social Responsibility bei der E-Plus Gruppe, betonte abschließend, dass das Lesen und Schreiben die zentrale Grundvoraussetzung zur Teilhabe an der digitalen Gesellschaft sei. Ziel sei es mehr Aufmerksamkeit für das Thema Alphabetisierung zu schaffen und durch gezielte Prävention, Aufklärung und Schulungsangebote die Zahl der Analphabeten deutlich senken zu können.

Fotos der Veranstaltung kann man hier ansehen.

Wir weisen darauf hin, dass bei unseren öffentlichen Veranstaltungen auch Bild- und Tonmaterial in Form von Fotos oder Videoaufzeichnungen durch von uns beauftragte oder akkreditierte Personen und Dienstleister erstellt wird. Die Aufnahmen werden für die Event-Dokumentation und Event-Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen des BASECAMP genutzt. Sie haben das Recht auf Information und weitere Betroffenenrechte. Informationen zu unseren Datenverarbeitungen sowie Ihren Betroffenenrechten finden Sie hier.

Über den Autor

Die Autorin hat unser Unternehmen zwischenzeitlich verlassen. Quandt war bis zum Mai 2015 Leiterin des BASE_camps und hatte in dieser Funktion maßgeblichen Anteil am Ausbau des Flagshipstores in Berlin-Mitte zum digitalen Kompetenzzentrum und Treffpunkt der Szene mit diversen Liveformaten.