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Foto: CC BY-SA 2.0 Flickr User: Blue Coat Photos. Bildname: Secure Data - Data Security. Ausschnitt bearbeitet
Artikel

Digitales Erbe:
Ein Leben nach dem Tod im Netz

16

Jan
2017

Veröffentlicht am 16.01.2017

Du hast 56 neue Freundschaftsanfragen auf Facebook, dein Fachzeitschriften-Abo wurde erfolgreich verlängert und der Mitgliedsbeitrag für den Online-Skatclub abgebucht. Schon zu Lebzeiten kann man Leicht den Überblick verlieren über Konten, Lizenzen, Mitgliedschaften oder Verträge im Netz. Und was passiert mit den Daten nach dem Tod? Dieser Frage ging UdL Digital schon einmal vor zwei Jahren nach – eine lange Zeit in der digitalen Welt. Nachdem das Thema lange Zeit hauptsächlich in Blogs und Vorträgen diskutiert wurde, beschäftigen sich inzwischen immer mehr Initiativen und Unternehmen immer professioneller damit.

Nur gut ein Viertel der Deutschen regelt ihren analogen Nachlass. Wenn es um das digitale Erbe geht, ist es sogar nur einer von zehn Menschen. In diesem Fall müssen sich Hinterbliebene zuerst einen Überblick über die Internetpräsenz des Verstorbenen verschaffen und sich an Betreiber wenden um Zugang zu erhalten. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt ein Labyrinth verschiedener Regelungen von Unternehmen. Bei manchen Anbietern gibt es ein Nutzungsrecht, das heißt mit dem Tod endet der Anspruch auf Software, Musik oder E-Book-Lizenzen. Einige Unternehmen verlangen Sterbeurkunde, Erbschein und Personalausweis, um beispielsweise E-Mail Konten freizugeben. Andere rücken hingegen gar keine Daten heraus.

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Foto: CC BY-SA 2.0 Flickr User: Blue Coat Photos. Bildname: Secure Data – Data Security. Ausschnitt bearbeitet

Marktlücke digitales Sterben und Erben

Hinterbliebene in dieser Aufgabe zu unterstützen hat deshalb das Start-up Columba zu seinem Unternehmenskonzept gemacht. Der Dienstleister recherchiert die Internetpräsenz der Verstorbenen, übermittelt die Informationen und kontaktiert Webanbieter hinsichtlich der Wünsche von Hinterbliebenen, Konten zu löschen oder auf Daten zuzugreifen.

Die digitale Nachlassverwalterin Janetzky bietet darüber hinaus persönliche Digitalberatung für Hinterbliebene und Bestattungsunternehmen an. Potenzial sieht sie bei Versicherungen, die das Thema in ihre Produktangebote integrieren wollen: „Die haben gerade den Tod im Internet als Produkt für sich entdeckt”, sagt sie. Der Versicherer Allianz ist als erster Anbieter bereits im Geschäft und verspricht „digitale Absicherung für die ganze Familie”. Gleichzeitig mehren sich Anbieter von Vorsorgediensten, verschlüsselten „Online-Saves” und digitalen Testamenten.

Mit “digina.16” veranstalteten Sabine Landes und Dennis Schmolk, die beiden Köpfe hinter dem Blog digital.danach im November vergangenen Jahres die erste Konferenz zum digitalen Nachlass. Unternehmer, Versicherer und Bestatter, Seelsorger und Hospiz-Mitarbeiter, Juristen, Verbraucher- und Datenschützer diskutierten über Themen der Vorsorge und digitales Erbe.

Vorsorge und ewiges Leben

Um selbst zu entscheiden, was mit persönlichen Daten im Netz passiert und um Hinterbliebenen eine aufwendige und kostenintensive Suche nach Passwörtern, Konten, Lizenzen oder Verträgen zu ersparen, ist es ratsam Vorsorge zu treffen. Die Bundesregierung und Verbraucherzentrale Bundesverband empfehlen, alle Passwörter und eine Anleitung, was mit den Konten geschehen soll, an einem sicheren analogen Ort – am besten analog oder auf einem verschlüsselten USB-Stick — zu lagern und immer wieder zu aktualisieren. Und natürlich sollte eine Person des Vertrauens darüber informiert werden. Manche Anbieter haben Konto-Inaktivitätsmanager. Damit können Nutzer festgelegen, welche Daten nach längerer Inaktivität gelöscht werden sollen und wer in diesem Fall benachrichtigt wird.

Das virtuelle Leben nach dem Tod birgt natürlich nicht nur bürokratische Hürden, sondern auch Erinnerung an die Verstorbenen. Manch Hinterbliebene finden Trost darin, die virtuellen Spuren ihrer Geliebten zu erforschen, deren Profile in sozialen Netzwerken zu beobachten oder wie gewohnt weiterhin persönliche Nachrichten auf Messenger-Diensten zu hinterlassen. Die russische Programmiererin Eugenia Kuyda entwickelte gar einen Chatbot, der Antworten aus den Datensätzen ihres Freundes generiert, wenn sie ihm eine Nachricht schickt.

Wir weisen darauf hin, dass bei unseren öffentlichen Veranstaltungen auch Bild- und Tonmaterial in Form von Fotos oder Videoaufzeichnungen durch von uns beauftragte oder akkreditierte Personen und Dienstleister erstellt wird. Die Aufnahmen werden für die Event-Dokumentation und Event-Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen des BASECAMP genutzt. Sie haben das Recht auf Information und weitere Betroffenenrechte. Informationen zu unseren Datenverarbeitungen sowie Ihren Betroffenenrechten finden Sie hier.

Über den Autor

Elena Esnaola ist Repräsentantin Berlin und arbeitet im Bereich Government Relations bei Telefónica Deutschland.