Deutsche Start-Ups beim South by Southwest

Veröffentlicht am 10.03.2016

Jährlich im März pilgert die globale Kreativ-, Medien- und Tech-Industrie ins texanische Austin, um dort beim South by Southwest Festival (SXSW) Innovationen und Talente zu entdecken. In diesem Jahr können sich die Besucher zudem über politische Inspiration freuen, den US-Präsident Barack Obama hält die Eröffnungsrede und First Lady Michelle Obama ist auch dabei und referiert über Bildung für Mädchen. Für das deutsche Pendant, die re:publica, die sich zu „Europe’s Most Exciting Conference on Internet and Society“ erklärt, haben sich immerhin Brigitte Zypries und Gesche Joost angesagt. Doch die Politik steht auf beiden Seiten des Atlantiks nicht im Mittelpunkt.

„German Haus“ beim SXSW

Jenen Gründern, die im März nach Austin fliegen, geht es darum zu sehen und gesehen zu werden. Im Jahr 2015 war Deutschland hinter Kanada und Großbritannien die drittgrößte internationale Delegation bei dem Festival, das jährlich rund 80.000 Besucher anlockt. Die deutschen Startups treffen sich vor allem im „German Haus“, wo man sich bei Würstchen und Kartoffelsalat über Themen wie New Media, virtuelle Realität (VR) oder Smart Cities austauschen kann. Und damit sich vor Ort auch die richtige Stimmung einstellt, gibt’s als Soundtrack in diesem Jahr „Krautrock“ . Finanziert wird das deutsche Haus vor allem aus Mitteln des Auslandsmesseprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, aber auch die Inkubatoren und Acceleratoren der deutschen Start-Up-Hubs sind als Partner mit dabei. „Berlin gehört auf die SXSW wie der Fernsehturm nach Mitte“, sagt Dr. Stefan Franzke, Sprecher der Geschäftsführung von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, zuversichtlich. Unter dem Motto „Berlin goes SXSW“ präsentiert sich die Startup-Hauptstadt, die mit einer Delegation von 80 Vertretern der Kreativwirtschaft anreist, bei dem Event. Die Gründer aus Berlin sollen ihre Geschäftsidee vor einem internationalen Publikum, bestehend aus Investoren, potentiellen Partnern und Multiplikatoren, „pitchen“.

Deutsche Anwärter für den „SXSW Accelerator“

Tatsächlich haben sich gleich zwei Startups aus der Hauptstadt für das Finale des begehrten SXSW-Gründerpreises qualifiziert. Das Hardware-Startup Basslet will ein neues Hör-„Gefühl“ schaffen und entwickelt dafür eine Technik, die Bass per Membran auf die Haut überträgt. Zu kaufen gibt es demnächst also das Berliner Clubgefühl für die Kopfhörer dieser Welt. Splash ist der zweite Finalist aus Berlin und vermarktet eine App, mit der 360-Grad-Videos in Sekunden mit dem Smartphone geteilt werden können. Ein „SXSW-Accelerator“-Finalist kommt aus Hamburg: SPHERIE verbindet Drohnen- und VR-Technologien um beispielsweise Konzerterlebnisse zu filmen. Ob sich eins der drei deutschen Start-Ups für den hochdotierten Gründerpreis durchsetzen kann, wird am 13. März bekannt gegeben.

European Startup Monitor

Angesichts der aussichtsreichen Projekte scheint die deutsche Startup-Szene ganz gut aufgestellt. Um genaue Zahlen zu liefern, erstellt der Bundesverband Deutsche Startups in diesem Jahr zum ersten Mal den European Startup Monitor (ESM). Die Umfrage unter 2300 europäischen Unternehmen mit insgesamt mehr als 31.000 Mitarbeitern soll Auskunft darüber geben, wie das Klima in den europäischen „Startup-Hauptstädten“ ist, welche Entwicklungen beobachtet werden können und vor welchen Herausforderungen sie steht. Durchgeführt wird das Monitoring von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von „Startup-Professor“ Tobias Kollmann. Die Ergebnisse der ersten Befragungsrunde für das Jahr 2015 wurden Anfang des Monats im Telefónica BASECAMP in Berlin präsentiert. Mitte März geht die Diskussion bei der CeBIT weiter. Unter anderem sitzt EU-Digitalkommissar Günther Oettinger auf dem international besetzten Panel. Für ihn ist das europäische „Startup-Ökosystem“ ein wichtiger Motor für den Digitalen Binnenmarkt.

Europäische Startup-Szene

Damit könnt er nicht ganz unrecht haben, denn die europäischen Startups haben im Schnitt mindestens 2,5 Millionen externes Kapital akquiriert und rund ein Viertel der Jungunternehmen macht bereits einen Umsatz von über 500.000 Euro im Jahr bei durchschnittlich 12,9 neu geschaffenen Arbeitsplätzen nach zweieinhalb Jahren. In Deutschland sind es sogar 17,4 Mitarbeiter davon ein Drittel aus dem Ausland. Trotzdem konzentrieren sich die Startups in der Regel zunächst auf ihren Heimatmarkt: In Deutschland heißt das konkret, dass 58 % aller heimischen Start-Ups nur auf dem deutschen Markt aktiv sind, nur 17 % in Europa und 25 % weltweit.

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