Corona: Technologietreiber im Alltag

Veröffentlicht am 07.06.2021

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Dass Corona die digitale Transformation in Deutschland beschleunigt, davon können nicht nur Unternehmer:innen aus Videokonferenzen oder Lehrkräfte, Schüler:innen und Eltern aus der Zeit des Homeschoolings erzählen. Auch im Alltag zeigt sich, wie Corona die Leute hin zu digitalen Alternativen führt, sei es in der Freizeit, beim Shoppen oder wie dabei bezahlt wird.

In den kommenden Monaten wird es spannend zu beobachten, welche dieser Veränderungen auch nach dem Abflachen der Pandemie dauerhaft erhalten bleiben und wie die Politik auf diese Transformation reagieren wird. Wird irgendwann das Bargeld abgeschafft? Wird es eine eCommerce-Steuer auf jedes Paket geben? Welchen Einfluss werden die Erfahrungen aus dem Distanzunterricht für die Fortentwicklung der schulischen Bildung haben?

Mehr kontaktloses Zahlen im Bargeldland

Ob mit der Karte, dem Smartphone oder der Smartwatch: kontaktloses Zahlen nimmt immer mehr zu und wurde durch Corona an den Supermarktkassen sogar zu einer Art gegenseitiger Rücksichtnahme, den persönlichen Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren.

„Mehr als ein Fünftel der Befragten, die kontaktlos bezahlten, probierte dies erstmals während der Corona-Pandemie aus“, erklärt Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank im Kontext einer hauseigenen Studie zur Verwendung von Zahlungsmitteln. Kontaktloses Zahlen gilt als hygienischer, schneller und dabei äußerst sicher. Auch wenn es immer mehr Menschen hierzulande nutzen, bleibt Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin Bargeldland.

Eine neue Studie vom Zahlungs- und Shoppingdienstleister Klarna zeigt: In Deutschland bevorzugt rund die Hälfte der Befragten weiterhin Barzahlung. Nur in Österreich sei die Zustimmung zur Barzahlung unter den Befragten ähnlich hoch, während in allen anderen untersuchten Ländern von den Befragten stets weniger als 30 Prozent angaben, Bargeld beim Einkauf nutzen zu wollen, so die Studie.

Vor allem in den skandinavischen Ländern werden kontaktlose Zahlungsvarianten bevorzugt, wobei sich auch in Deutschland ein Trend bemerkbar macht, da vor allem jüngere Menschen vermehrt zu Alternativen wie dem Mobile Payment greifen. Hinsichtlich der Nutzung von E-Commerce-Angeboten zeigt sich ein ganz ähnliches Bild.

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E-Commerce boomt

Einkaufen per App boomt, ob über Anbieter wie Amazon oder Lieferdienste wie Lieferando, Flaschenpost und Gorillas. Das Mutter-Unternehmen von Lieferando, Just Eat Takeaway, verzeichnete im Jahr 2020 eine Umsatzsteigerung um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr auf etwa 2,4 Milliarden Euro. Die Aktie von Amazon schoss 2020 ebenfalls durch die Decke und zu Beginn hatte das Unternehmen aufgrund der vielen Online-Bestellungen Schwierigkeiten, alle Lieferungen pünktlich zu liefern. Dabei werden mittlerweile vor allem auch Produkte des täglichen Bedarfs online gekauft.

Um mehr als 50 Prozent ist der Absatz von Waren wie Lebensmittel, Tierbedarf, Medikamente oder Drogerie im zweiten Quartal 2020 im Online-Handel gewachsen, zeigt die Verbraucherstudie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh). Auch das Brillenunternehmen Fielmann plant nun den Online-Verkauf mit eigener App anzukurbeln, mit der Kund:innen die Sehstärke gemütlich von zu Hause aus bestimmen können sollen.

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Konsument:innen bleiben verhalten

Trotz der stetig zunehmenden Angebote an digitalen Alternativen zur altbekannten Shoppingtour im Stadtzentrum zeigt sich im internationalen Vergleich auch hier wieder, dass Konsument:innen in Deutschland noch immer auf bekannte Strukturen setzen.

Eine Marktanalyse der Beratungsfirma McKinsey zum Beispiel zeigt, dass die Hälfte der Konsument:innen in Deutschland neue Kaufverhalten ausprobiert hätten, was zunächst viel scheint. In der Analyse nimmt Deutschland jedoch vor Japan den vorletzten Platz ein. So hätten knapp 70 Prozent der Konsument:innen in Italien und 92 Prozent in Indonesien ihr Kaufverhalten entsprechend der sich veränderten Bedingungen durch Covid-19 geändert.

Besonders Kinder und Jugendlich sind mehr online

Geändert hat sich auch die tägliche Dauer, die vor allem Kinder und Jugendliche ihre Freizeit online verbringen. Computerspiele, Social Media und Videos summieren sich auf 4,6 Stunden pro Tag, „mehr Zeit als für Schulaufgaben oder den Distanzunterricht“, wie eine Studie des ifo-Instituts zeigt. Aufgrund des Bewegungsmangels würden deshalb viele Kinder an Gewicht zunehmen, während Hobbys wie Sport, Lesen oder Musizieren weniger Zeit eingeräumt werde, heißt es weiter.

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