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Foto: CC-By 2.0 Flickr User Matthias Ripp. Bildname: Urban Mobility/ Ausschnitt bearbeitet
Artikel

Von der Pferdekutsche zum Floating Car

17

Feb
2014

Veröffentlicht am 17.02.2014

Was sich Großstädter und Dorfbewohner gleichermaßen wünschen ist neben sozialen Kontakten, einem vernünftigen Internetzugang und diversen Freizeitangeboten unter anderem auch Mobilität. Dass Mobilität über die letzten Jahre – ganz zu schweigen von den letzten Jahrhunderten – nicht nur zugenommen hat, sondern auch einfacher geworden ist, liegt am viel zitierten Fortschritt und an der hochgelobten technologischen Entwicklung. Durch diese müssen wir das Taxi nicht mehr schreiend und gestikulierend an der Straße heranwinken, sondern können mit unserem Zeigefinger und einer gelassenen Berührung des Smartphone-Bildschirms die Fahrzeuge im Ton „hellelfenbein“ zu einem beliebigen Standort zitieren. Sogar ein Bild des Fahrers und andere Angaben können uns, je nach App, dabei übermittelt werden und bezahlen per Smartphone ist ebenfalls möglich.

Foto: CC-By 2.0 Flickr User Matthias Ripp. Bildname: Urban Mobility/ Ausschnitt bearbeitet

Teilen als Hobby – mit Trinkgeld

Doch längst sind schon ganz andere Möglichkeiten der selbstbestimmten Mobilität auf dem Markt. Unter dem Stichwort „Mobile Shareconomy“ entstehen neue Mitfahrgelegenheiten. Ein recht neues Modell sieht ein „freiwilliges“ Trinkgeld vor, die eine mitfahrende Person an den service-orientierten und kontaktfreudigen Autobesitzer zahlt. Dieser wiederum braucht aus genau diesem Grund keine Lizenz für eine kommerzielle Personenbeförderung und muss sich dank Smartphone außerdem nicht so gut auskennen wie ein Taxifahrer. Auch Fahrer, die gewerblich unterwegs sind, können ihre Leerlaufzeiten mit diesem Modell überbrücken. Über eine App können die Fahrgäste in der Umgebung ermittelt werden bzw. sich vermitteln lassen. Ein dazugehöriges Bewertungssystem dient dazu, die Fahrer langfristig einzuschätzen und für andere Mitfahrer zu bewerten. Doch die Transparenz soll auch andersherum funktionieren: Fahrgäste, die durch unangemessen niedriges Trinkgeld auffallen, erhalten ebenfalls schlechte Bewertungen und können von den Hobby-Fahrern dann auch abgelehnt werden.

Die Luxusmobilität als neuer Sektor

Wer seine Fahrt gerne luxuriöser möchte und sich in einer entsprechenden finanziellen Position befindet, kann stattdessen die bequeme Limousine per Smartphone anfordern und per App den Chauffeur bezahlen. Dieses Geschäftsmodell ist 2009 aus einem kleinen Start-up in San Francisco entstanden – einer Stadt, in der das Heranwinken von Taxis nach Meinung der Gründer eher problematisch ist. Die Idee hat sich durchgesetzt, inzwischen vermittelt das Unternehmen in weltweit 70 Städten die Luxusgefährte an anspruchsvolle Mitfahrer. Für weitere Strecken mit dem Flugzeug muss man auf Bequemlichkeit und Unkompliziertheit ebenfalls nicht verzichten. Es ist längst nicht mehr ungewöhnlich, wenn die Flugtickets nicht ausgedruckt sind, sondern auf dem Smartphone vorgezeigt werden – mit welchem sie kurz zuvor sowieso gebucht wurden.

Alles im Fluss – auch auf der Straße

Wenn man doch selbst Auto fahren möchte, gibt es mittlerweile eine Menge Erfindungen, die einem das Fahren erleichtern. Dem Auto fahrenden Smartphone-Nutzer helfen verschiedene Apps per Ortungsfunktion, Informationen über die aktuelle Verkehrslage zu erhalten und somit individuelle Routen zusammenzustellen. So wird der Verkehrsfluss beibehalten, die Parkplatzsuche erleichtert und Benzin sowie Zeit eingespart. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass neben dem Stau- auch das Unfallrisiko insgesamt gesenkt wird. Die Daten, die durch die Nutzung der Mobilfunkortung für diese vielfältigen Zwecke gesammelt werden, nennt man „Floating Phone Data“. Kommunizieren die Fahrzeuge untereinander, spricht man von „Floating Car Data“. Durch dieses Netzwerk, in dem alle Autofahrer die Daten der anderen als Entscheidungsgrundlage für ihre Routenwahl nutzen, kann die gesamte Gemeinschaft zur Optimierung des Verkehrsflusses beitragen.

Mobilität – die Art, wie wir uns bewegen, hat sich stark verändert. Durch die Stadt der Zukunft bewegen sich alle Bürger ganz anders als früher. Manche der innovativen Anwendungen erfordern allerdings die Kooperation aller Verkehrsteilnehmer, damit die Datenauswertung funktioniert. Mit dem individuellen Reisenden aus alten Zeiten, der isoliert seiner Wege geht, hat die heutige Mobilität jedenfalls abgeschlossen. Jetzt fehlt nur noch die App, um eine Pferdekutsche zu bestellen, damit der Kreis sich wieder schließt.

Der vorstehende Artikel erscheint im Rahmen einer Kooperation mit dem Berliner Informationsdienst auf UdL Digital. Aylin Ünal ist als Redakteurin des wöchentlich erscheinenden Monitoring-Services für das Themenfeld Netzpolitik verantwortlich.

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