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Foto: marketing deluxe / Flickr
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Gesundheit digital – Von Pflastern und anderen Geräten

06

Feb
2014

Veröffentlicht am 06.02.2014

Ein Pflaster, etwa so groß wie eine Kreditkarte, kann über Sensoren rund 20 verschiedene Vitalwerte wie Körpertemperatur, Schlafzeiten, körperliche Aktivitäten oder Schrittzahlen rund um die Uhr sehr genau erfassen. Die Akkuladung des Pflasters, eine der neueren Erfindungen der IT-Gesundheitswirtschaft, hält eine Woche. Die gemessenen Werte werden auf ein Smartphone oder ein Datenportal im Internet übertragen, so dass man seine eigene Fitness im Blick behält. Auf dieser Grundlage kann man einschätzen, ob man sich beim Sport zu viel zumutet oder ob man im Alltag zwischendurch doch besser mal die Treppen statt dem Fahrstuhl wählen sollte. Bei Bedarf können Nutzer diese Werte auch einem Fitnessstudio mitteilen. Dieses Beispiel ist nur eines von vielen neuen Anwendungen im Gesundheitswesen. Im Bereich E-Health gibt es einige Projekte in Deutschland, um die Patientenversorgung durch neue Technologien zu verbessern. Vieles hat sich jedoch noch nicht herumgesprochen – wie so oft wird mehr geforscht und entwickelt, als man in der Öffentlichkeit wahrnimmt.

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Ein Tagebuch für Arzt und Patient

Ein inzwischen abgeschlossenes Projekt in Berlin war zum Beispiel ein elektronisches Patiententagebuch – ein Gerät mit einfacher Menüführung, die es einem Hämophilie-Patienten ermöglicht, innerhalb weniger Minuten alle vorgeschriebenen injektionsbezogenen Daten zu dokumentieren. Nach der Eingabe werden die Daten pseudonymisiert und verschlüsselt über Mobilfunk an eine gesicherte Datenbank übertragen. Der behandelnde Arzt kann sich über einen passwortgeschützten Zugang in die Datenbank im Netz einloggen und tagesaktuelle Informationen zur Therapie des Patienten einsehen. Außerdem werden die übertragenen Informationen vom System automatisch bewertet, so dass auf kritische Werte mit Hinweisen reagiert wird, die den Patienten auffordern, den Arzt aufzusuchen. Gleichzeitig erhält auch der behandelnde Arzt eine E-Mail über das Ereignis und kann schnell die Therapie anpassen.

Alt oder krank, aber mobil

In einer alternden Gesellschaft werden auch Themen wie die Seniorenbetreuung und Patientenüberwachung immer wichtiger. Das Projekt SmartSenior beschäftigte sich mit innovativen Möglichkeiten, um die Gesundheit, Mobilität und Selbstständigkeit älterer oder chronisch kranker Menschen zu erhalten. Mithilfe von diversen Sensoren können Vitalparameter, also alle lebenswichtigen Funktionen des Körpers, per Fernüberwachung kontrolliert werden. Auch die Atmung, der Puls und Blutzucker sowie ein EKG sind darin enthalten. Durch einen GPS-Sensor stehen auch Such- und Ortungshilfen zur Verfügung. Über verschiedene Kanäle wie Smartphone, Computer oder Fernseher können die Informationen abgerufen werden. Mit diesen Maßnahmen soll den betroffenen Personen ermöglicht werden, möglichst lange Zeit selbstständig zu wohnen und ihre sozialen Netzwerke zu pflegen.

Radiologische Bilder per WLAN

Wirft man einen Blick in das moderne Krankenhaus der Zukunft, gibt es einige vielversprechende Ansätze, etwa im Bereich der mobilen Radiologie. Bereits im Jahr 2000 stellten Entwickler ein System vor, das radiologische Bilder an ein Handy schickte, welches diese Bilder auf dem kleinen Display darstellen konnte. Allerdings entwickelte sich lange Zeit kein marktfähiges Produkt daraus. Ursachen für diese langsame Entwicklung waren vor allem die damals noch fehlende notwendige Bandbreite, die geringe Verbreitung von WLAN und die extrem hohen Datenübertragungskosten. Heute sieht diese Situation anders aus und damit hat sich auch die Ausgangslage für die Anwendung mobiler Radiologie deutlich verbessert. Mittlerweile können Daten innerhalb von medizinischen Einrichtungen grundsätzlich problemlos per WLAN übertragen werden.

Dafür sind neue Herausforderungen entstanden. Die hauseigene IT hat ein Mitspracherecht und kann sich mitunter gegen zu viele eifrige Befürworter von Innovation und Veränderung im Krankenhaus wehren. Es reicht ja nicht, einfach die entsprechende App aus dem jeweiligen Store herunterzuladen, wie ein Experte betont. Vielmehr müsse die „Integration in den klinischen Workflow des Hauses, die organisatorischen und technischen Maßnahmen bezüglich Datenschutz und Datensicherheit und das Geräte-Management (…) geplant und umgesetzt werden“. Das heißt unter anderem, es muss sichergestellt werden, dass nur registrierte Geräte einen Zugriff auf die Daten haben und die Datenübertragung sollte generell verschlüsselt stattfinden. Davon abgesehen ist die Einrichtung einer flächendeckenden WLAN-Struktur für manche Krankenhäuser noch ein großes und teures Projekt.

Viel Raum für die Zukunft

Neben Fitness-Trackern im Armband und Fitness-Pflastern hält die künftige Gesundheitsversorgung also einige Neuheiten bereit, denn das Potenzial ist riesig und die Technik ist grundsätzlich vorhanden. Der Trend geht zu mehr Mobilität und kommunikativem Austausch zwischen Arzt und Patient oder auch zwischen Sportler und Trainer. Immer mehr E-Health-Lösungen können zudem auf mobilen Geräten angewendet werden, was die fortlaufende Patientenbetreuung enorm verbessert und den Patienten helfen kann, ihre Gesundheit so weit wie möglich selbstständig zu überwachen sowie im Notfall den Arzt schnell mit den notwendigen Informationen zu kontaktieren. Nun muss nur noch die Bedienung der Geräte und Apps für alle Beteiligten intuitiv genug sein, um die tägliche Entscheidung zwischen Treppe und Fahrstuhl, zwischen Entwarnung und Notruf fällen zu können.

Der vorstehende Artikel erscheint im Rahmen einer Kooperation mit dem Berliner Informationsdienst auf UdL Digital. Aylin Ünal ist als Redakteurin des wöchentlich erscheinenden Monitoring-Services für das Themenfeld Netzpolitik verantwortlich.

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