Fest verbaut: Künstliche Intelligenz wird Bestandteil von Smartphone-Hardware

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Veröffentlicht am 12.03.2018

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Der Mobile World Congress (MWC) im Februar war der „Startschuss für die Ära des intelligenten Smartphones“, schreibt dpa. Kaum eine Produktvorstellung in Barcelona sei ohne den Hinweis auf neue Funktionen mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgekommen. „Wir werden aktuelle Smartphones in ein paar Jahren genauso betrachten wie heute die alten einfachen Handys“, zitiert die Nachrichtenagentur den IDC-Marktforscher Francisco Jeronimo. Neue Chips für maschinelles Lernen (ML) erhöhen die Leistung und lösen die Mobilgeräte aus ihrer Abhängigkeit von der Cloud. So sollen KI-Smartphones bald zum Standard werden.

Den Vogel schoss wohl Huawei ab: Für sein RoadReader-Projekt hatte der Hersteller einen Porsche Panamera so umgebaut, dass er für den MWC zum autonomen Auto wurde. Am Steuer war das Huawei Mate 10 Pro, das den Sportwagen mit einer künstlichen Intelligenz lenkte, die es normalerweise zum Optimieren von Fotos nutzt. Aber den Hindernissen auf der Straße kann das Smartphone damit auch ausweichen. „Im Bereich der Objekterkennung ist unser Smartphone bereits weit entwickelt“, sagte Andrew Garrihy, Chief Marketing Officer bei Huawei. „Wir wollten sehen, ob wir dem Smartphone nicht nur beibringen können, innerhalb kürzester Zeit ein Fahrzeug zu steuern, sondern auch seine KI-Fähigkeiten zu nutzen, um Objekte zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.“

Diese Entwicklung ist noch jung. Bisher haben nur zehn Prozent der neuen Smartphones so eine KI eingebaut, und meistens sind es teure Premiumgeräte. Doch bis 2022 soll dieser Anteil auf 80 Prozent steigen, sagen die Marktforscher von Gartner. Das heißt: Vier Fünftel der Geräte brauchen keinen Kontakt mehr zur Cloud für die Nutzung von KI-Funktionen. So wie es heute noch für die Verwendung der künstlichen Intelligenzen von Siri über Alexa und Cortana bis zum Google Assistant nötig ist. Die Hersteller betreten damit neue Wege für die Verarbeitung von Informationen. KI auf dem Smartphone soll Vorgänge automatisieren, bei der Spracherkennung auch den Kontext berücksichtigen sowie Gefühle erkennen und verstehen.

Starker ARM: Chip-Designer bringt KI in Smartphones

In nicht allzu ferner Zukunft hält der Nutzer nur noch sein Smartphone vor ein Filmplakat, damit die eingebaute KI einschätzt, ob er den Streifen mag. Dann fragt sie, ob er den Film wirklich sehen will, und geht bei einer positiven Antwort den Terminkalender durch, vergleicht ihn mit den Spielzeiten im Kino und kauft sofort die Tickets. Alles in ein paar Sekunden. Huawei nutzt dafür eigene KI-Chips, doch die treibende Kraft dieser Entwicklung ist ARM: Der britische Chip-Designer hat fast alle Hauptprozessoren entwickelt, die heute in Smartphones verwendet werden, und nun will ARM die nächste Generation mit KI ausstatten.

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Neue KI-Chips befreien aus der Abhängigkeit von von der Cloud. | Foto: CC0 1.0, Pixabay / geralt / Ausschnitt bearbeitet

Das Projekt Trillium soll die Abhängigkeit von der Cloud beenden und Billionen von ML-Rechenoperationen pro Sekunde auf mobilen Geräten ermöglichen. Denn momentan benötigt die künstliche Intelligenz immer noch so viel Rechenkapazität, dass die meisten Smartphones dafür zu schwach sind. Das hat den Nachteil, dass immer eine Internetverbindung nötig ist und die Antworten manchmal langsam ankommen. Diese Einschränkungen werden durch eingebaute KI-Chips überwunden: Maschinelles Lernen wird offline verfügbar, der Datenverbrauch sinkt, die Rechengeschwindigkeit steigt und Energie wird gespart.

Apple, Google, Huawei: KI-Konkurrenz schläft nicht

Wir analysieren Rechenlasten und ermitteln, welche Bits die meiste Zeit und Rechenleistung benötigen“, erklärt Jem Davies, Leiter der ARM-Gruppe für maschinelles Lernen im Interview mit der MIT Technology Review. „Und wir schauen, ob wir dadurch unsere bisherigen Prozessoren verbessern können.“ Die neuen Chips von ARM brauchen weniger Strom, um lineare Algebra-Berechnungen auszuführen, welche die Grundlage für moderne künstliche Intelligenz sind. Sie sind auch besser beim Verschieben von Daten in den Arbeitspeicher und wieder hinaus.

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Foto: Shutterstock / wavebreakmedia

Doch ARM ist nicht allein auf diesem Markt. Huawei bringt der Neural Processing Unit seiner Kirin-Chips immer mehr Kunststücke bei, sodass die Smartphones jetzt schon Autos steuern, wie auf dem MWC zu sehen war. Und auch Apple spendierte seinem neuen A11-Prozessor eine ähnliche Erweiterung, die für sämtliche KI-Funktionen zuständig ist. Sie verbessert die Sprach- und Bildverarbeitung des iPhone X und ermöglicht seine zuverlässige Gesichtserkennung. Google setzt beim Chipset für das Pixel 2 auf vergleichbare Techniken, aber vor allem um die Qualität der Fotos zu verbessern. Und als Nachzügler könnte demnächst Amazon einen eigenen KI-Chip für seine intelligenten Echo-Lautsprecher vorstellen. Doch besonders vielversprechend seien die Pläne von ARM, lautet die Einschätzung der MIT Technology Review. Sie lassen eine Menge neuer KI-Smartphones in der nächsten Zeit erwarten.

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