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Artikel

FinTech:
Berlin rockt Finanzinnovationen

22

Mai
2017

Veröffentlicht am 22.05.2017

Der Hype um die erwartete Post-Brexit-Migration von Londoner Start-ups nach Berlin ist erst mal abgekühlt, aber die Hauptstadt bleibt ein beliebter Standort für innovative Durchstarter und Einhörner. Eine Szene bekommt derzeit besonders viel Aufmerksamkeit: FinTech. Eine allgemein gültige Definition von FinTechs hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) zwar nicht, versteht darunter aber junge Unternehmen, die mit Hilfe technologiebasierter Systeme Finanzdienstleistungen anbieten. FinTech umfasst digitale und smarte Vermögensverwaltung und Anlagen, neue Finanzierungsmöglichkeiten wie crowdfunding und P2P lending oder banking per Smartphone.

Die jungen Finanzgründer in Berlin

FinTech Safari oder FinTech-Stammtische – Berlin bietet jungen Gründern der Finanzszene gute Möglichkeiten zur Vernetzung und gemeinsamer Innovation. Nicht zuletzt die FinTechLadies, die sich für mehr Frauen in der Männerdomäne einsetzen, zeigen die Berliner Dynamik, die den Finanzsektor aufrüttelt. Gründerin der FinTechLadies Christine Kiefer startete das digitale Inkassounternehmen PairFinance. Das Unternehmen kombiniert digitale Kommunikationswege mit Ansätzen der Verhaltensforschung und einem datengetriebenen Algorithmus. Der Service bearbeitet die Situation jedes Schuldners individuell und fordert Rückzahlungen ein.

Im Bereich P2P mobile lending und crowdfunding ist beispielsweise Crosslend tätig. Orderbird hat ein iPad-Kassensystem für die Gastronomie entwickelt und Mambu bietet ein cloudbasiertes Buchhaltungssystem an. Savedo und Weltsparen sind Online-Marktplätze für europaweite Sparanlagen. Und die solarisBank, die auch eine Banklizenz hat, bietet eine Online-Plattform, mit der FinTechs ihre Produkte bauen können. Gleich zwei Berliner Finanz-Start-ups schafften es zuletzt, einen der vier Preise der europäischen EXEC Fintech and Insurtech Konferenz abzuräumen, die dieses Jahr zum ersten Mal in Berlin stattfand.

Das N26 Team.; Foto: N26

Der mittlerweile prominente Finanzdienstleister N26 war darunter, der unter anderem ein Girokonto und Kreditkarten anbietet, die komplett über das Smartphone bedient werden. Der zweite Preisträger Kontist will Selbstständige in Deutschland ansprechen. Er kategorisiert Transaktionen und zeigt an, wie viel für Umsatz-und Einkommensteuer zurückgelegt werden muss.

Berlin punktet aber nicht nur durch Innovation und Kreativität und guten Rahmenbedingungen wie niedrigen Miet- und Lebenshaltungskosten. Auch die Nähe zur Regierung und großen Branchenverbänden kommen der Hautstadt als FinTech Standort zu Gute, heißt es einer Studie der Investment Bank Berlin, denn die Rufe nach Regulierung der jungen Finanzunternehmen werden lauter.

Forderung nach Reguliereng

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fordert eine einheitliche Regulierung mit gemeinsamen Kriterien für die Finanztechnologie-Branche.

„Ein klareres Bild der Geschäfte von FinTech-Firmen zu gewinnen ist wesentlich, wenn wir besser verstehen wollen, ob und in welcher Weise sie eine Bedrohung für die Finanzstabilität sein könnten“, sagte Weidmann im Januar.

„Mit ihrer rasanten Entwicklung drohen die Finanztechnologieanbieter den traditionellen Banken den Rang abzulaufen. Das kann Bange machen”,

sagt Marcus Laube, Gründer und Chef des FinTechs Crossinx. Das Ziel, sich ein Bild der Geschäfte von FinTechs zu machen um festzustellen, ob und in welcher Weise sie eine Bedrohung für die Finanzstabilität sein könnten, sei verständlich, Regulierung würde aber Innovation hemmen und FinTechs die Chance nehmen Geschäftsmodelle zu testen, warnt Laube.

„Mithilfe der Regulierung kann eine Zusammenarbeit von FinTechs und etablierten Banken über die europäischen Grenzen hinweg verbessert und zukunftsfähig gemacht werden – auch zum Vorteil der Kunden”,

hält PPRO Group Manager Ralf Ohlhausen dagegen. Den Tenor der Debatte spiegelt auch das Klima von Banken und FinTechs zwischen Wettbewerbskonkurrenten und Partnern wieder. Während zu Beginn viele Geldhäuser verstärkt auf die Zusammenarbeit mit FinTech-Firmen setzten, entwickeln nun einige etablierte Firmen ihre eigenen Services und digitalen Lösungen.

Ende März gründete das Bundesfinanzministerium schließlich den FinTechRat, er bringt Vertreter von FinTechs, Banken und Versicherungen sowie Wissenschaftler zusammen und berät das Ministerium zu Fragen der digitalen Finanztechnologie, ihren Chancen und Risiken. Der Fokus ist auch hier, eine stärkere Kooperation zwischen den einzelnen Vertretern zu schaffen, „um Deutschland als FinTech-Hub Nr. 1 in der EU zu etablieren”, sagt Jens Spahn, Vorsitzender des FinTechRats und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen.

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Über den Autor

Elena Esnaola ist Repräsentantin Berlin und arbeitet im Bereich Government Relations bei Telefónica Deutschland.