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Artikel

Wie das digitale Wachstum die britische Wirtschaft nach dem Brexit stabilisieren kann

06

Sep
2016

Veröffentlicht am 06.09.2016

Vor nur sechs Wochen stimmte Großbritannien für einen Austritt aus der Europäischen Union. Im Laufe dieser schnelllebigen und politisch turbulenten Wochen wurde ein neuer Premierminister ernannt und die britische Regierung vollständig umgebildet. Die Schockwellen der Brexit-Entscheidung hallten in ganz Europa und auch jenseits des Kontinents nach.

Theresa May sagt, sie werde dafür sorgen, dass der Brexit ein Erfolg wird. Diese Aufgabe zählt sicherlich zu den schwierigsten Herausforderungen, vor denen eine moderne Regierung stehen kann: einen vernünftigen Ausstieg aus 43 Jahren mühsam errungener internationaler Abkommen mit 27 anderen Ländern auszuhandeln und dabei die langfristigen Wachstumschancen Großbritanniens zu verbessern.

Großbritannien steht vor einer großen Aufgabe: nach dem Brexit eine neue Wirtschaft zu gestalten und aufzubauen. CC by 2.0 Flickr User Foreign and Commonwealth Office/Titel: / Ausschnitt angepasst

Matt Hancock, der neue britische Minister für Kultur und digitale Wirtschaft, rückt zu Recht die Digitalisierung in den Mittelpunkt dieser Aufgabe. In einem kürzlich erschienenen Artikel betonte er die Bedeutung der Technologie als eine von sich aus zugleich disruptive und positive Kraft, als Motor für die Veränderung von Geschäftsprozessen. Er unterstreicht die Bedeutung von Digital Talent und Data Science für die Vollziehung dieses Wandels und möchte „die Regierung nutzen, um die Dinge voranzutreiben und unsere Rolle als weltweit führende digitale Wirtschaft auszubauen.“

Doch warum ist die digitale Entwicklung so wichtig? Und warum sollten politische Entscheidungsträger bei ihrer Suche nach Großbritanniens neuem Platz in der Welt der Digitalisierung oberste Priorität einräumen?

Stabilisierung der Wirtschaft

Der Brexit wird die britische Wirtschaft verändern. Angesichts dieser Herausforderung ist es wichtig, dass die politischen Entscheidungsträger an Bewährtem festhalten. Wir müssen unsere Wirtschaft solide auf den Pfeilern des nachhaltigen Wachstums aufbauen.

Ich bin überzeugt, dass die sich rasch weiterentwickelnde digitale Wirtschaft zu den wichtigsten dieser Pfeiler zählt. Ökonomen von Strategy& sagen voraus, dass ein Digitalisierungsschub einer Wirtschaft von zehn Prozent zu einem Wachstum des BIP pro Kopf von mehr als 0,5 % führen könnte. Prognosen zufolge dürfte das BIP in Großbritannien 2016 bei 1,75 % liegen. Dieser enorme Multiplikatoreffekt zeigt, dass eine Stärkung der digitalen Wirtschaft in der britischen Wirtschaftsplanung eine übergeordnete und zentrale Rolle einnehmen sollte.

Großbritannien ist gut aufgestellt, um eine überaus erfolgreiche digitale Wirtschaft aufzubauen. Dem von Telefónica jüngst veröffentlichten „Index on Digital Life“ zufolge liegt Großbritannien beim Entwicklungsstand der Digitalisierung mit 88,7 von 100 Punkten weltweit auf dem vierten Platz. Der Schwerpunkt dieses Berichts liegt auf den entscheidenden Faktoren, die es einer Wirtschaft ermöglichen, von ihrer digitalen Infrastruktur zu profitieren: das Vertrauen der Menschen in digitale Dienste, die Offenheit von digitalen Plattformen und vorteilhafte Bedingungen für digitale Unternehmer.

Der vierte Platz weltweit ist eine starke Position, und Großbritannien ist jetzt mehr denn je auf einen derartigen Vorteil angewiesen. Eine geschickte Politikgestaltung ist nun wichtig, um diese Stärke auszunutzen und die Herausforderungen des Brexit in Chancen auf zukünftiges Wachstum und zukünftigen Wohlstand umzuwandeln. Mit dem richtigen Fokus, losgelöst von den verschiedenen Agenden anderer EU-Länder und ausgehend von dieser starken Ausgangsposition, muss das Ziel darin bestehen, optimale Bedingungen für das digitale Wachstum zu schaffen. Damit Großbritannien als Gewinner hergehen kann, müssen die politischen Entscheidungsträger schnell handeln und eine Strategie ausarbeiten und umsetzen, die die Stellung Großbritanniens als digitales Zentrum Europas stärkt.

Stärkung des digitalen Wachstums

In der Praxis bedeutet dies vor allem eine Investition in die Infrastruktur – im Breitband- und Mobilbereich. Doch der Bericht von Telefónica hat gezeigt, dass auch andere Faktoren von entscheidender Bedeutung sind. Nur mit entsprechender Qualifikation können Arbeitskräfte zu einer modernen digitalen Wirtschaft beitragen. Großbritanniens Türen müssen internationalen technischen und unternehmerischen Talenten, kreativen Köpfen und talentierten Forschern offenstehen. Die Forschungs- und Innovationsbasis in Großbritannien ist äußerst wichtig. Deshalb muss eine weitere Teilnahme an europäischen Forschungsprogrammen ausgehandelt werden und internationale Forscher müssen willkommen sein.

Auch der Datenfluss spielt bei der Digitalisierung eine zentrale Rolle: komplexe Vorschriften stärken das digitale Vertrauen, indem Datenschutz, Sicherheit und Informationsfreiheit ins richtige Verhältnis zueinander gesetzt werden. Es ist wichtig, dass Großbritanniens Datenschutzregelung international kompatibel ist. Dennoch könnte sie womöglich optimiert werden, um die Digitalisierung zu erleichtern und zu beschleunigen.

Ohne Investitionen im privaten Sektor ist jede neuentdecke Fähigkeit Großbritanniens zur Festlegung eigener Digitalisierungsregeln vergebens. Investoren brauchen Sicherheit, an der es allerdings fehlt. Deshalb braucht es Zeit, die richtigen Regelungen für das digitale Wachstum in Großbritannien festzulegen. Die Regierung muss auf ihren bisherigen Erfolgen bei der Förderung von digitalen Startups aufbauen. Denn diese Unternehmen sind die zukünftigen Riesen der britischen Branche.

Unsere digitale Zukunft

In Telefónicas „Index on Digital Life“ ist Großbritannien beim Entwicklungsstand der Digitalisierung europäischer Spitzenreiter, dicht gefolgt von Deutschland und Frankreich. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich sind starke Technologiezentren beheimatet. Es besteht die Gefahr, dass sich einige britische Startups zu einer Umsiedlung entschließen könnten.

Nun, da Großbritannien vor der großen Aufgabe steht, nach dem Brexit eine neue Wirtschaft zu gestalten und aufzubauen, ist die digitale Wettbewerbsfähigkeit für den Wohlstand des Landes entscheidender denn je. Zur Freisetzung des Potenzials der digitalen Wirtschaft sollten die politischen Entscheidungsträger auf einen auf Digitalisierung ausgerichteten Ansatz setzen, um die Herausforderungen der Gegenwart in künftige Erfolge umzuwandeln. Der britische Digitalsektor kann in einer weit höheren Liga mitspielen und ist eine solide Ausgangsbasis, auf der eine blühende digitale Zukunft aufgebaut werden kann.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf der Tech City News Website veröffentlicht.

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