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Mobile Living – Mobility

25

Mrz
2015

Veröffentlicht am 25.03.2015

Apps planen den Weg zur Arbeit oder zum nächsten Treffpunkt. Sie zeigen Autofahrern Wetter, Staus und Baustellen an, warnen Flugreisende vor dem nächsten Streik oder informieren Bus- und Bahnnutzer über die Fahrtzeit. Wie wird der Verkehr der Zukunft aussehen? Haben wir mehr Verkehrssicherheit und Lebensqualität durch digitale Vernetzung? Was passiert mit unseren Daten? Das diskutierte SAT.1-Fernsehmoderator Matthias Killing am 11. März 2015 beim Mobile Living unter dem Motto „Per App von A nach B – die Mobilitätsrevolution“ mit den Experten Stefan Bader, Mitbegründer und CEO von parkpocket, Friedemann Brockmeyer, Experte bei civity Management Consultants, Don Dahlmann, Mobility Experte und Journalist, Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene und Christian Freese, General Manager bei Uber.

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Mobility – mehr Evolution als Revolution?

Von einer Revolution im Mobilitätsbereich wollte Friedemann Brockmeyer allerdings nicht sprechen. Die aktuellen Veränderungen seien seiner Ansicht nach nicht mit den revolutionären Erfindungen wie der Dampflock und dem Verbrennungsmotor vergleichbar. Außerdem sei nur eine Minderheit von den Veränderungen der Mobilität betroffen. Auch Don Dahlmann findet, dass Revolution in diesem Zusammenhang ein großes Wort ist. Bei den Veränderungen im Bereich der Mobilität handele es sich eher um einen schleichenden Prozess. Immer mehr Menschen würden auf ein eigenes Auto verzichten. „Ich habe mein Auto vor zwei Jahren abgeschafft, weil es in der Stadt einfach keinen Sinn macht“, berichtete der Journalist, der als Gründer und Leiter des Racingblogs nachweislich eine Vorliebe für Autos hat.

Chancen für den öffentlichen Verkehr

Sorgen, dass bei all den Veränderungen im Bereich der Mobilität auch der ÖPNV unter die sprichwörtlichen Räder kommt, macht sich Dirk Flege aber nicht. Im Gegenteil. Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene geht davon aus, dass die Mobilitätsbedürfnisse gleich bleiben und sich durch die Mobilitätsapps lediglich die Wahl der genutzten Verkehrsmittel ändert. „Ich sehe darin eine große Chance für den öffentlichen Verkehr, weil Informationen komfortabler zugänglich sind und auch die Wege vom Bahnhof zum endgültigen Ziel des Nutzers ausgewiesen werden“, so Dirk Flege. civity-Experte Friedemann Brockmeyer ist allerdings der Ansicht, dass viele Menschen die durch Verkehrsapps vermittelte Wahlfreiheit gar nicht brauchen: „95 Prozent der Menschen legen jeden Tag zu 95 Prozent die gleichen Wege zurück“, ist der Verkehrsökonom überzeugt. Ein Lob hatte er für die smarten Mobilitätsinformanten aber trotzdem parat. Die Apps hätten die Suchkosten verringert. „Der Big Bang fehlt aber noch. Das wird sich ändern, wenn die Bezahlfunktionen verbessert werden“, prognostizierte er.

Big Bang durch Bezahlfunktion?

Eine Funktion anzubieten, mit der man sich bereits von zu Hause aus ein Parkticket kaufen und damit einen Platz im Parkhaus reservieren kann, sei das nächste Ziel der Parkplatzplattform parkpocket.com, wie deren Mitbegründer und CEO Stefan Bader ankündigte. Der Überzeugung von Friedemann Brockmeyer, gerade für Startups sei der Verkauf von Nutzerdaten das einzig rentable Geschäftsmodell, wiedersprach er: „Bei uns gibt es keinen Log-In für User, wir erheben keine persönlichen Daten.“ Das Geschäftsmodell von parkpocket.com sei vielmehr, die Statusdaten – die Standorte der Parkhäuser – mit Echtzeitdaten – der aktuellen Verfügbarkeit von Parkplätzen – zu kombinieren, so Stefan Bader. Auch bei Uber ist der Verkauft der Daten seiner Nutzer ausgeschlossen, wie der General Manager Christian Freese betonte. Das Unternehmen stellt die auf der Plattform erhobenen Daten lediglich anonymisiert für einen guten Zweck zur Verfügung: „Städte, die mit uns kooperieren, können daraus ablesen, wo zum Beispiel abends nach der Disko Mobilitätsengpässe bestehen und wie ihr ÖPNV-Angebot zu verbessern ist“, erläuterte Christian Freese. Auch die Verkehrssicherheit der Nutzer wird in dem Unternehmen aus dem Silicon Valley groß geschrieben. Es könne nicht jeder Interessent einfach Fahrer bei Uber werden. Die Mobilitätsdienstleister verlangen vorher ein Führungszeugnis, werfen einen Blick auf das Punktekonto in Flensburg und nehmen den Fahrer in spe bei einer persönlichen Prüfung unter die Lupe. Jeder, der für Uber fahren möchte, muss zudem eine Schulung absolvieren. Die Länge richte sich nach den Vorkenntnissen. „In Berlin sind die Vorkenntnisse relativ hoch, weil wir hier mit Taxifahrern kooperieren“, erzählte der Uber-Vertreter.

Moderne Mobilität bleibt urbanes Phänomen

Die Flexibilität der schönen, neuen, modernen Mobilität – sie bleibt nach Ansicht der Experten auf dem Podium bis auf weiteres allerdings ein urbanes Phänomen. Mangels Alternativen wird sich in ländlichen Gebieten wie beispielsweise Brandenburg an der Abhängigkeit vom Auto so schnell nichts ändern. Dank Angeboten von Mitfahrapps wie flinc muss es nun aber auch dort nicht mehr das eigene Auto sein, wie Dirk Flege berichtete. In den urbanen Zentren bahnt sich hingegen eine echte Revolution an. Nach Ansicht von Don Dahlmann werden automatisiert fahrende, datengesteuerte Autos bereits in 15 Jahren unsere Städte erobern. „Die autonom fahrenden Autos entlasten die Umwelt, senken die Zahl der Unfallopfer und bringen Zeitersparnis, weil die Fahrzeuge in engerem Abstand auf der Autobahn fahren können und Stau vermieden wird“, so der Mobilitätsexperte. Das Automobil wie wir es derzeit kennen, bleibt nach den Erwartungen von Dirk Flege generell aber auf dem Rückzug. Die Fortbewegung zu Fuß, mit dem Rad und mit dem ÖPNV werde dafür weiter an Bedeutung gewinnen, so der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Darin stimmte ihm die gesamte Podiumsrunde zu.

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Über den Autor

Die Autorin hat unser Unternehmen zwischenzeitlich verlassen. Quandt war bis zum Mai 2015 Leiterin des BASE_camps und hatte in dieser Funktion maßgeblichen Anteil am Ausbau des Flagshipstores in Berlin-Mitte zum digitalen Kompetenzzentrum und Treffpunkt der Szene mit diversen Liveformaten.