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Artikel

Das Netzwerk der Digital Residents

07

Mai
2010

Veröffentlicht am 07.05.2010

Soziale Netzwerke sind heute in aller Munde. Sie sind zu einem Modebegriff geworden, der oftmals vielversprechend daherkommt, in der Realität aber wenig einlöst. Tatsächlich sind soziale Netzwerke keine simplen Rezepte für Problemlösungen aller Art. Wer die Macht der sozialen Netzwerke verstehen will, dem sei der Kontakt zu Professor Dr. Peter Kruse empfohlen. Er gehört derzeit zu den profiliertesten und meistbeachteten deutschen Experten auf diesem Gebiet.

Eine der Kernthesen Kruses, die fast seine  komplette Forschung durchzieht, ist die Annahme von intelligenten Netzwerken. Auch wenn Menschen Individuen sind und über unterschiedliche Charakteristika verfügen, gibt es in ihren Wertesystemen und Denkmustern doch oft Überschneidungen, so dass man sie zu Clustern zusammenfassen und gerade aufgrund der dann auftauchenden Abweichungen innerhalb der Cluster Hinweise auf künftige Entwicklungen ableiten kann. Insofern sind nach Ansicht Kruses und vieler Experten, die seinen Thesen zustimmen, Netzwerke der Schlüssel, um Muster zu entdecken, sie zu erklären und letztendlich auch Probleme zu lösen.

Unlängst hat er im Rahmen der re:publica einen viel beachteten Vortrag gehalten, in dem er die Ursachen der aktuellen Diskussion, inwiefern das Internet gefährlich sei, analysierte. Dabei untersuchte er eine Gruppe von Heavy Usern, also solchen Menschen, die das Internet im erhöhten Maße nutzen und stellte fest, dass die bisherige Differenzierung nach Altersgruppen (man spricht in diesem Zusammenhang oft von Digital Natives und Digital Immigrants) nicht wirklich zutreffend ist, da die unterschiedlichen Wertevorstellungen, die zum aktuellen Streitfall führen, altersunabhängig sind. Vielmehr gibt es eine Gruppe, die das Digitale lebt und es als wesentlichen Teil ihrer Sozialisation erlebt – Kruse nennt sie die Digital Residents – und eine andere Gruppe – die so genannten Digital Visitors – , die das Internet zwar nutzt, es aber letztlich nur als Instrument versteht.

Eine von Kruses Thesen in diesem Zusammenhang lautet, dass die Veränderungen, die das Internet ausgelöst hat, systembedingt sind und nicht mehr gestoppt werden können – außer, wenn man das Internet ausschalten würde.  Insofern ist die Diskussion, ob das Internet eine Gefahr darstellt, ein gänzlich falscher Ansatz, vielmehr wären ein „grundlegendes Umdenken“ und der Abschied von etablierten Regeln erforderlich. Machtverhältnisse verschieben sich, jedes Thema kann – unabhängig von den Vorstellungen alter Gatekeeper –  relevant werden, sofern es bei den jeweiligen Empfängern auf einen entsprechenden Resonanzboden trifft. Wenn dieser Resonanzboden erreicht wird, kann es zu einem regelrechten Beteiligungs-Boom kommen. Darauf aufbauend können sich die angesprochenen Akteure im Netz und darüber hinaus zu machtvollen Bewegungen zusammenschließen und nicht nur Veränderungen fordern und nicht selten auch durchsetzen.

Ein ähnlicher Vortrag Professor Kruses, der die angesprochenen Motive um das Thema Handel erweiterte, fand vor wenigen Tagen in der Mittwochs-Gesellschaft der Metro Group statt. Diese hat ihren Sitz ebenfalls Unter den Linden – direkt gegenüber dem politischen Verbindungsbüro der E-Plus Gruppe. Insofern freuen wir uns, dass UdL Digital als Idee breiter und nicht nur von uns gedacht wird.

Update: Der Vortrag ist bei Youtube in fünf Teilen abrufbar: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

Update: Ein anderes interessantes Posting zu Kruses Vortrag bei der Mittwochsgesellschaft gibt es hier.

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